So verändert sich der Verkehr Frauen und Ältere besitzen immer mehr Autos

Frauen und ältere Menschen sind die Autokäufer von morgen. Doch Experten meinen, die Automobilindustrie müsse sich noch mehr auf die weiblichen Kunden einstellen. Und die wollen vor allem praktische Autos mit geringem Verbrauch.

Summa summarum zu Mobilität "Man wird alles Mögliche fahren, nicht nur Autos"

Wo geht die Reise hin in Sachen Mobilität? Fahrräder in der Stadt, Elektroautos auf dem Land? Klar ist, das große Geld verdienen die Autokonzerne noch mit ihren dicken Fahrzeugen. Aber gerade im europäischen Raum wird immer mehr umgedacht, oder? Ein Zwiegespräch in der Rikscha.

(Video: Süddeutsche.de, Foto: dpa)

Der Mann fährt, die Beifahrerin assistiert. Dieses Klischee ist überholt. Denn in Zukunft werden immer mehr Frauen ein Auto kaufen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach besaßen vor zehn Jahren 1000 Frauen demnach im Schnitt 280 Autos, inzwischen sind es 400. Noch besitzen Männer deutlich mehr Autos. 1000 Männer besitzen laut der Studie durchschnittlich 715 Fahrzeuge. Doch der Vorsprung der Männer schrumpft. "Der immer noch beträchtliche Abstand zwischen Männern und Frauen wird sich künftig weiter verringern, weil Frauen ihre Mobilitätsgewohnheiten ins Alter mitnehmen", sagt Uwe Kunert vom DIW.

Wirtschaftlich wird die neu geweckte Auto-Lust der Frauen immer bedeutsamer. Nach Ansicht von Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen reagieren die Automobilhersteller bisher jedoch zu wenig auf die geänderte Nachfrage. Wiederholt hat Dudenhöffer eine "Frauenlücke" in der Modellpalette und der Marketingstrategie der etablierten Automobilhersteller festgestellt.

Kaufpotenzial von Frauen "nur unzureichend ausgeschöpft"

Frauen werden wirtschaftlich immer eigenständiger, ihr Anteil an Neuwagenkäufen ist im Vergleich dazu aber relativ gering. Laut einer CAR-Studie "die Folge einer Modell- und Markenpolitik der Autobauer, die Frauen weniger anzieht." Das Potenzial von Frauen als Neuwagenkäufer werde "nur sehr unzureichend ausgeschöpft".

Die Mönchengladbacher Professorin Doris Kortus-Schultes sieht das anders. Sie erkennt im Kfz-Gewerbe die Tendenz, besser auf die Wünsche der weiblichen Kundschaft einzugehen. "Anscheinend haben sich Hersteller, Autohäuser und Werkstätten in den vergangenen fünf Jahren besser auf die Bedürfnisse der Frauen eingestellt", sagt die Leiterin des Kompetenzzentrums Frau und Auto (KFA) an der Hochschule Niederrhein, die kürzlich eine Studie zu "geschlechtsspezifischen Unterschieden beim Autokauf" veröffentlichte.

Für Frauen steht Funktionalität im Vordergrund

Demnach achten Frauen vor allem auf den Verbrauch, "weil sie die Tankrechnung häufig aus der Haushaltskasse bezahlen müssen", sagt Kortus-Schultes. Für 97 Prozent der Frauen unter 55 Jahren sei der Spritverbrauch eines Autos beim Kauf von entscheidender Bedeutung. Männer schenkten dem Spritkonsum viel weniger Beachtung. Zudem würden Frauen eher auf Alltagsfunktionalität wie Höhenverstellbarkeit der Sitze oder Einparkhilfen achten.

Auf den Straßen werden nicht nur mehr Frauen unterwegs sein, sondern auch immer mehr ältere Menschen. Im Jahr 1994 hatte ein Viertel der über 64-jährigen Frauen und Männer einen Pkw angemeldet. Heute ist es bereits die Hälfte. Die Studie zeigt auch: Menschen unter 30 Jahren verzichten zunehmend auf das eigene Auto - und wenn sie eines besitzen, so nutzen sie es weniger. Nur noch ein Viertel der unter 30-Jährigen besitzt einen eigenen Wagen und statt 28 Kilometern täglicher Fahrstrecke im Jahre 2002 legen sie heute nur noch 17 Kilometer zurück.

Umfrage zu Mobilität "Auto? Brauche ich nicht"

Die Benzinpreise befinden sich auf einem neuen Höchststand. Wirkt sich das auf das Fahrverhalten aus? Bleibt das Auto nun öfter in der Garage stehen, oder können viele gar nicht auf das Auto verzichten? Eine Videoumfrage von Anja Schröger und Anton Porsche.

(Video: Süddeutsche.de, Foto: Sueddeutsche.de)

Den Grund hierfür sieht das DIW darin, dass immer mehr junge Leute studieren und deshalb in Städten wohnen. Dort könnten sie zu meist vergünstigten Konditionen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Sie seien außerdem flexibel in der Wahl des Verkehrsmittels. Egal, ob Fahrrad, Zug oder Auto - Hauptsache ankommen. "Sie wählen häufiger als früher das jeweils für sie am besten geeignete Verkehrsmittel, statt ausschließlich auf den eigenen Pkw als universelles Verkehrsmittel für alle Fahrtzwecke zu setzen", sagt Kunert.