Sicherheit Mehr Schutz für die Schwächsten im Straßenverkehr

Außer Sicht: Fußgänger tun sich schwer, im Verkehr wahrgenommen zu werden. Damit sind sie besonders gefährdet.

(Foto: Niels P. Joergensen)
  • Der Fußgängerschutz hat sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert - nicht zuletzt durch strengere Crashtest-Kriterien.
  • Doch die Situation könnte noch deutlich besser sein. Initiativen fordern strengere Tempolimits und ein härteres Vorgehen gegen Falschparker.
  • Autoindustrie und Wissenschaft entwickeln immer neue Sicherheitssysteme, die Fußgänger schützen sollen. Doch die sind meist teuer.
Von Steve Przybilla

Für die Hauptstadt glich die Nachricht einer kleinen Sensation. Laut einer Studie der TU Dresden legten die Berliner im Jahre 2013 erstmals mehr Strecken zu Fuß zurück als mit dem Auto. "Damit ist in keiner anderen deutschen Großstadt der Anteil der Autos am Verkehr so gering wie in Berlin", rühmte sich der Senat kürzlich in einer Pressemitteilung. Demnach gaben 31 Prozent der Befragten an, überwiegend zu Fuß unterwegs zu sein. Das Auto (30 Prozent) steht an zweiter Stelle, gefolgt vom öffentlichen Nahverkehr (26 Prozent) und dem Fahrrad (13 Prozent).

Berliner Politiker beteuern, die Erkenntnisse im Zusammenhang mit künftigen Entscheidungen zu berücksichtigen. Das könnte vieles bedeuten: breitere Gehsteige, sicherere Überwege, ein hartes Vorgehen gegen motorisierte Rowdys. Oder aber: weiter wie bisher. Spricht man mit Heinrich Strößenreuther, bekommt man nämlich den Eindruck, dass sich die Lage für Fußgänger landesweit kaum verbessert - trotz aller Beteuerungen.

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Kampagne gegen Falschparken

Strößenreuther hat im vergangenen Jahr die Initiative gegen das Zuparken ins Leben gerufen, eine Kampagne, die darauf zielt, Falschparken stärker zu ahnden. Strößenreuther hält zugeparkte Straßenecken für gefährlich, weil dadurch der Blick auf Bürgersteige verdeckt wird. Kinder könnten folglich leicht übersehen werden, ebenso wie Eltern mit Kinderwagen. "Wenn die nicht mehr durchkommen, müssen sie auf die Straße ausweichen", klagt Strößenreuther. Dann werde es "richtig gefährlich".

Während die Insassen von Personenwagen durch verstärkte Rahmen, Gurtstraffer und Airbags immer sicherer unterwegs sind, haben Fußgänger - nichts. 524 von ihnen kamen in Deutschland im vergangenen Jahr ums Leben. Das ist deutlich weniger als zehn Jahre zuvor (838 Tote), aber immer noch ein erschreckend hoher Wert. Mit einem innerstädtischen Tempolimit von 30 km/h könnte die Zahl der Toten womöglich reduziert werden. Doch ein solches Gesetz, wie es der Fußgänger-Verband Fuss e.V. seit Jahren fordert, hat in Deutschland keine Chance. Auch die Jagd auf Falschparker scheint nicht so recht in die Gänge zu kommen.