Pedelecs Wie gefährlich ist das Fahren mit einem E-Bike?

Dank Elektromotor und Akku ermöglichen Pedelecs kraftsparendes Fahrradfahren auch über weitere Strecken. Doch die richtige Handhabung will geübt sein: Viel schneller als gedacht kann der E-Bike-Fahrer in brenzlige Verkehrssituationen geraten. Tipps zu Selbstkontrolle und Fahrweise

Von Florian Maier

Laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) wurden im Jahr 2013 circa 410 000 Elektrofahrräder in Deutschland verkauft. Insgesamt sind hierzulande über 1,6 Millionen Fahrräder mit Elektromotor unterwegs. Auch die Unfallzahlen mit Beteiligung von Elektrofahrrädern sind von 2010 bis 2012 deutlich angestiegen, wie der Auto Club Europa ACE anhand der Unfallstatistiken des Landes Baden-Württemberg aufzeigt (hier).

Im Elektrofahrrad-Test von Stiftung Warentest vom Juni 2013 waren teure Marken-E-Bikes mit Rahmenbrüchen und viel zu schwachen Bremsen durchgefallen (hier). Auch beim Pedelec-Test der Zeitschrift Öko Test fielen verschiedene Modelle mit mangelhaften Bremsen und zu schwachen Rahmenkonstruktionen auf (hier). Zudem sorgten explodierende Akkus für Schlagzeilen. Wer im Umgang mit den Elektrofahrrädern einige Regeln beachtet, kann deren Gefahrenpotenzial jedoch deutlich abschwächen.

Einweisung vom Fachhändler

Wer sein Elektrofahrrad gut kennt und richtig zu bedienen weiß, hat bereits einiges für die eigene Sicherheit getan. Käufer sollten sich beim Kauf eines Pedelecs, S-Pedelecs oder E-Bikes beim Fachhändler einweisen lassen und zudem noch einmal die Betriebsanleitung des Herstellers verinnerlichen, um auf prekäre Situationen vorbereitet zu sein. Auch die Überprüfung der Brems- und Lichtanlage sowie des Reifendrucks sollte vor jeder Ausfahrt zur Selbstverständlichkeit werden. Zudem ist es notwendig, das Fahr- und Bremsverhalten seines Elektrofahrrads einschätzen zu können. Ungeübte Fahrer sollten deshalb in jedem Fall vor ausgiebigen Touren in verkehrsberuhigten Zonen üben. Die richtige Kleidung trägt ebenfalls zur Sicherheit bei. Feste Fahrrad-Bekleidung und vor allem ein Fahrradhelm sollten zur Grundausstattung von E-Bike-Piloten gehören, auch wenn dieser nicht für alle Typen vorgeschrieben ist (mehr dazu lesen Sie in diesem Ratgeber-Text).

Fahrweise anpassen

Ein Elektrofahrrad ist deutlich schneller als ein herkömmliches Fahrrad. Das steigert den Fahrspaß und erleichtert längere Radtouren. Doch mit der gesteigerten Geschwindigkeit geht auch eine höhere Verantwortung einher. Vor allem im Stadtverkehr sollte man bedenken, dass Autofahrer und Fußgänger nicht auf den ersten Blick erkennen, dass es sich um ein E-Bike handelt. Durch eine angepasste Geschwindigkeit und eine vorausschauende, konzentrierte Fahrweise vor allem in der Stadt lässt sich das Unfallrisiko mindern.

Schutz vor schlechter Qualität

Um von Rahmenbrüchen und sonstigen Verarbeitungs- und Materialschwächen möglichst verschont zu bleiben, empfiehlt es sich, vor dem Kauf eines Pedelecs oder E-Bikes eine eingehende Recherche zu betreiben und sich von einem Fachhändler zum betreffenden Modell beraten zu lassen. Generell sollte man darauf achten, dass das E-Bike mindestens mit einer CE-Kennzeichnung, noch besser aber mit dem GS-Siegel für "Geprüfte Sicherheit" versehen ist. Besonderes Augenmerk sollte man beim Kauf auch auf die Bremsen des Elektrofahrrads legen. Hydraulische Felgen- oder Scheibenbremsen bieten die besten Verzögerungswerte - auch bei Nässe (mehr Kaufberatung lesen Sie in diesem Ratgeber-Text).

Zertifizierung und richtige Akku-Handhabung ist entscheidend

Grundsätzlich bergen die derzeit meist verbreiteten E-Bike-Energiespender, die Lithium-Ionen-Akkus, Gefahren aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung (mehr zu E-Bike-Akkus lesen Sie in diesem Ratgeber-Text). Entscheidend ist hier eine qualitativ hochwertige Bauweise der Akkus. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) empfiehlt Endverbrauchern, beim Akku eines Elektrofahrrads darauf zu achten, dass dieser zumindest die in Deutschland pflichtmäßige UN-T Zertifizierung besitzt. Allerdings weist diese Zertifizierung nur die Transportsicherheit des Energiespeichers nach. Im Idealfall besitzt der Lithium-Ionen-Akku eine Zertifizierung der Battery Safety Organisation BATSO, die der Batterie Gebrauchssicherheit bescheinigt, sowie ein GS-Siegel in Kombination mit dem Ladegerät.

Doch auch wenn der E-Bike-Akku sämtliche Zertifizierungen und Siegel aufweist, entbindet das nicht von der Pflicht zur ordnungsgemäßen Nutzung. Aufschluss über die richtige Handhabung und Pflege der Energiespeicher gibt die Gebrauchsanleitung des Herstellers. Die wichtigsten Grundregeln für den sicheren Umgang mit den Batterien von Elektrofahrrädern:

  • ausschließlich vom Hersteller freigegebene Ladegeräte benutzen
  • niemals in der Nähe von brennbarem Material aufladen oder lagern
  • beschädigte Akkus weder benutzen noch öffnen
  • bei Problemen Fachhändler konsultieren
  • extrem hohe oder niedrige Temperaturen bei Ladevorgängen und Lagerung vermeiden.

Weitere Informationen zum sicheren Umgang, der Entsorgung und dem Transport von E-Bike- und Pedelec-Akkus haben sowohl der ADFC (hier), als auch der ZIV (hier) in kostenlosen Broschüren zusammengefasst.