Verkehrssicherheit Wie sich Abbiegeunfälle zwischen Lkw und Radler vermeiden lassen

Am Lkw gab es kaum Schäden, aber die 32-jährige Radfahrerin ließ bei diesem Unfall in Hamburg ihr Leben.

(Foto: dpa)
  • In München und Hamburg kamen an diesem Montag zwei Radfahrerinnen bei Kollisionen mit Lastwagen ums Leben. Die Lkw-Fahrer übersahen sie jeweils beim Rechtsabbiegen.
  • Es gibt bereits Initiativen, die sich für mehr Sicherheit bei diesem Unfallszenario einsetzen.
  • Die Forderungen reichen von verpflichtenden Abbiegeassistenten über ein neues Design der Lastwagen bis hin zu Veränderungen bei der Infrastruktur.
Von Thomas Harloff

Es war ein tragischer Montag. Es war ein Tag, der zeigte, wie viele Lücken es beim Thema Verkehrssicherheit noch gibt. Fast gleichzeitig starben in München und Hamburg zwei Radfahrerinnen auf die gleiche Weise: Ein neunjähriges Mädchen und eine 32-jährige Frau wurden jeweils von einem Lastwagen erfasst. Deren Fahrer wollten nach rechts abbiegen, während die Radlerinnen rechts neben ihnen in Geradeausrichtung unterwegs waren und bei grüner Ampel die Fahrbahn überqueren wollten. Es kam jeweils zu Zusammenstößen, bei denen die ungeschützten Radlerinnen gegen die Lkw-Kolosse keine Chance hatten.

Es sind zwei Fälle, die diesen Unfallhergang in den öffentlichen Fokus rücken - und viele Fragen danach aufwerfen, wie solche Unglücke künftig verhindert werden sollen.

Wie viele solcher Unfälle gibt es?

Eine genaue statistische Erfassung ist schwierig, weshalb viele unterschiedliche Zahlen zu diesem Szenario kursieren. Eine Initiative von Bundestagspolitikern bezieht sich auf das Statistische Bundesamt. Demnach kam es zwischen 2012 und 2016 zu 620 derartigen Unfällen mit Verletzten, wobei 40 Radfahrer ums Leben kamn. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) nennt 38 auf diese Weise zu Tode gekommene Radler für das Jahr 2017. Im gerade einmal gut vier Monate alten Jahr 2018 seien schon 15 Velofahrer durch rechtsabbiegende Lkw getötet worden; der ADFC geht bis zum Jahresende von mindestens 40 bei diesem Szenario getöteten Radlern aus. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) schätzt, dass etwa ein Drittel der von einem Lastwagen getöteten Radfahrer auf das Konto von Abbiegeunfällen geht. Demnach wären das 2016 fast 26 von 77 Verkehrstoten gewesen.

Neunjährige von Lastwagen überfahren

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Wie sieht die Tendenz aus?

Es zeigt sich ein allgemeiner Trend: Die Gesamtzahl der Verkehrstoten sinkt, von Jahr zu Jahr sterben signifikant weniger Autofahrer. Aber die Zahl der getöteten Radfahrer stagniert oder steigt in einzelnen Jahren sogar an. Bei Abbiegeunfällen ist der Trend geradezu besorgniserregend: Der Bundestagsinitiative zufolge verunglückten 2016 dabei mehr als 30 Prozent Fahrradfahrende mehr als noch fünf Jahre zuvor. Auch der ADFC und die UDV stellen einen Anstieg solcher Unglücke fest. Die Erklärung dafür ist simpel: Sowohl der Güter- als auch der Radverkehr in den Städten nimmt zu. Da kommt es zwangsläufig zu mehr gefährlichen Situationen dieser Art.

Welche baulichen Veränderungen können die Sicherheit für Radfahrer erhöhen?

Infrastruktur und Ampelregelungen müssen besser auf die Sicherheit von Radfahrenden abgestimmt werden, fordert der ADFC. Kommunen reagieren auf diese Forderung allerdings meist zaghaft: "Wir wollen mehr Radwege rot einfärben, damit sie besser sichtbar sind und bei Auto- und Lastwagenfahrern stärker ins Bewusstsein kommen", sagt Johannes Mayer, Pressesprecher des Münchner Kreisverwaltungsreferates. Weitere Möglichkeiten seien größere Ampeln auf der gegenüberliegenden Kreuzungsseite, zusätzliche gelbe Blinklichter und eine angepasste Ampelschaltung, die für rechtsabbiegende Autofahrer Rot zeigt, während geradeausfahrende Radler Grün haben.

Aber auch getrennte Ampelschaltungen für Auto- und Radfahrer sind keine Garantie dafür, dass es nicht zu Fällen wie mit dem neunjährigen Mädchen kommt. Dieses verunglückte an einer Kreuzung, an der die Ampeln abwechselnd geschaltet sind. Der Lastwagenfahrer fuhr wohl bei Grün in eine Kreuzung, auf der der Verkehr stockte. Als der Verkehr abfloss und er die Kreuzung räumen wollte, zeigte die Radfahrerampel bereits Grün und der Unfall geschah. "Für diesen konkreten Fall infrastrukturell noch etwas zu verbessern, ist schwierig", sagt Mayer.