Infrastruktur für E-Autos Eine Ionity-Station alle 120 Kilometer

Verständlich, denn bei aller Konkurrenz haben sie eines gemeinsam: Sie brauchen ein starkes Ladenetz, das sie mitgestalten können. Denn sie wollen ihre E-Flitzer loswerden, die sie für Milliarden Euro entwickelt haben. Und sie müssen künftig die strengen CO₂-Flotten-Grenzwerte einhalten.

Neben den direkten Wettbewerbern wollen auch Energieversorger und branchenfremde Investoren im Zukunftsmarkt Stromauto mitmischen. Interessiert sind Engie aus Frankreich, Enel aus Italien und Eon aus Deutschland, heißt es. Aber auch Fondsanbieter, die gerne in Infrastruktur investieren, haben angeklopft. Die Rede ist vom Rückversicherer Munich Re und anderen Versicherungskonzernen. Bestätigt werden diese Kontakte nicht.

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Auch Ionity-Chef Hajesch sagt dazu nichts. Er ist bei den Verhandlungen nicht dabei und hat genug damit zu tun, seinen Job zu erfüllen: An Europas Schnellstraßen soll alle 120 Kilometer eine Ionity-Station stehen. Jeweils mit mindestens sechs Ladepunkten, die 350 Kilowatt leisten. Das ist viel mehr als das, was derzeit am Straßenrand steht. Zum Vergleich: Die Tesla-Supercharger bieten maximal 145 kW - also weniger als die Hälfte. Bei Ionity soll man innerhalb weniger Minuten etwa 400 Kilometer Reichweite tanken können.

Der Wettlauf um die Kunden wird nicht nur durch Ladegeschwindigkeit entschieden, es geht auch um die Standorte: "Wir wollen immer die 1A-Lage direkt an der Autobahn", sagt Hajesch. "Wenn wir diese Lage nicht besetzen, ist die Gefahr groß, dass ein Wettbewerber sie besetzt." Ein hartes Geschäft. "Wir sind erst 20 Wochen alt und selbst noch in der Aufbauphase." Die Dynamik sei groß, vieles fühle sich an wie bei einem Start-up. Mit einem Unterschied: Scheitern ist keine Option. "Wir brauchen 400 Genehmigungen für 400 verschiedene Großbaustellen", sagt Hajesch. Und jeder Standort habe andere Partner sowie andere juristische, geografische und tektonische Bedingungen.

Noch nicht mit Tesla-Fahrzeugen kompatibel

Obwohl 2020 nicht mehr fern ist, hat er erst 20 Baugenehmigungen in der Tasche. Aber diese Woche hat er immerhin seine erste 350-kW-Turbo-Ladestation in Betrieb genommen. An der Autobahn A 61 an der Raststätte Brohltal-Ost (Rheinland-Pfalz) darf man in den ersten vier Wochen sogar kostenlos laden.

Wie viel Geld Ionity danach als Betreiber der Ladeparks verlangen wird, verrät Hajesch noch nicht. Aber er bestätigt, dass er neben den bisher bekannten Unternehmen Shell, OMV, Tank & Rast und Circle K zwei weitere Partner gewonnen hat, auf deren Grundstücken er sich einmieten wird: Q8 und MRH, einen der größten Tankstellenbetreiber Großbritanniens. "Weitere werden folgen", kündigt Hajesch an. Seine Ladesäulen lässt er von drei Unternehmen bauen: ABB, Porsche und Tritium aus Australien. Die Stromstecker werden den europäischen CCS-Standard haben, dieser ist mit den Tesla-Fahrzeugen nicht kompatibel.

Noch sind die potenziellen Partner also weit voneinander entfernt. Damit sie zusammenkommen, muss sich einer auf den anderen zubewegen. Wer das sein wird, zeichnet sich bereits ab: Tesla ist dem Konsortium CharIN beigetreten, das in Europa und den USA den CCS-Standard fördert. Noch gibt es keine offizielle Bestätigung. Aber wenn Tesla demnächst sein neues Model 3 in Europa auf den Markt bringt, wird dieses womöglich schon kompatibel sein mit den Ionity-Säulen.

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