Autoklassiker (43): 50 Jahre Jaguar E-Type Urmeter aller Sportwagen

Der E-Type ist ein Jahrhundert-Sportwagen. Ein urbritischer Racer, dessen Anblick bei jedermann den Puls beschleunigt - sogar 50 Jahre nach seiner Weltpremiere noch.

Von Wolfram Nickel

Ob als Roadster oder als Coupé, dieser Jaguar ist ein Auto mit Traummaßen, endlos langer Motorhaube, muskulösen Kurven und einem leistungsstarken Herz: 195 kW / 265 SAE-PS genügten dem ersten E-Type, um 1961 fast allen anderen Sportlern davon zu stürmen. Die Proportionen der Karosserie wurden zum Vorbild und Maß vieler Roadster und GT-Sportwagen.

Am Nimbus der bis dahin schnellsten Katze kratzten nicht einmal ihre qualitativen Unzulänglichkeiten - vielleicht weil sie das erste Jahrzehnt der Supersportwagen einleitete, das teils ebenso zickige Boliden hervorbrachte von Lamborghini, Iso-Rivolta, De Tomaso oder Monteverdi, aber natürlich auch von Maserati und Ferrari.

Der E-Type selbst mutierte in 14-jähriger Produktionszeit mit einer Auflage von 72.529 Einheiten zum bis dahin meistgebauten Supersportler aller Zeiten, zuletzt mit mächtigem V12-Triebwerk.

Da hatte sich der einst schlanke Zweisitzer aber längst zum schwergewichtigen Tourensportler entwickelt - ein Tribut, der dem wichtigsten Markt, den USA, gezollt wurde. Vielleicht jedoch der passende Übergang zum XJS, der als üppig proportioniertes Coupé 1975 die Nachfolge des E-Type antrat.

Die Basis für die Erfolgsgeschichte des E-Type wurde im Dezember 1956 gelegt. Damals beauftragte Jaguar-Chef William Lyons den Designer Malcolm Sayer mit der Entwicklung eines Nachfolgers für die alternden XK-Sportwagen.

Mehr als bisher sollte die stärkste und schnellste Katze ein tourentauglicher Rennwagen für die Straße sein und deshalb wesentliche Technikkomponenten des mit motorsportlichem Lorbeer verwöhnten D-Type übernehmen. So positionierte Designer Sayer Motor und Vorderachse in einem Gitterrohrrahmen, der vom D-Type übernommen und mit der A-Säule eines Stahlblech-Monocoques verschraubt wurde.

Einzigartig war die nicht enden wollende Motorhaube, oft kopiert von Konkurrenten und Nachfolgern. In dieser Dominanz und schönen Schärfe wurde sie aber nie mehr erreicht. Bereits im Mai 1957 begannen die Testfahrten mit dem ersten Prototypen des nun offiziell E-Type genannten Sportwagens.