Allerdings muss Li dazu bis zu seinem Hochzeitstag überleben, denn Millionen Anfänger sind auf Chinas Straßen unterwegs. Für den Führerschein wird in Fahrschulen außerhalb der Stadt geübt, die Prüfer sind bestechlich, die Lizenz käuflich. Der Straßenverkehr in Peking erinnert an das traditionelle Stierrennen in Pamplona, jedenfalls aus der Perspektive der Fußgänger. Rette sich, wer kann.

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Ein ganzes Land voller Anfänger am Steuer. Niemand blinkt beim Wechseln der Fahrspur; mit einem kurzen Schwenker nach links oder rechts wird die eigene Absicht angedeutet. Und wenn es hupt, zieht man sich eben wieder zurück. Wird der Stau zu ärgerlich, geht es über den Bürgersteig weiter. Und wer auf der Autobahn eine Abfahrt verpasst hat, setzt auf der rechten Fahrspur in aller Ruhe zurück - und biegt dann ab.

Bei der theoretischen Führerscheinprüfung müssen die Chinesen pro Frage eine von drei möglichen Antworten ankreuzen - Multiple Choice. Die falschen Antworten lesen sich dabei wie eine akkurate Beschreibung dessen, was auf Chinas Straßen wirklich los ist. Zum Beispiel Frage 282. "Wenn Sie an einen Bahnübergang kommen, dann sollten Sie...a) Gas geben und schnell rüberfahren; b) nur Gas geben, wenn Sie einen Zug kommen sehen; c) abbremsen und sich vergewissern, dass eine sichere Überquerung der Gleise möglich ist." Oder Frage 77. "Beim Überholen eines anderen Fahrzeuges sollte der Fahrer...a) auf der linken Seite überholen; b) auf der rechten Seite überholen; c) wo auch immer, je nach Situation." Interessanterweise ist die dritte und letzte Antwort korrekt. Und in der Praxis wird selbstverständlich überall da überholt, wo auch nur die kleinste Lücke im Verkehrsfluss aufreißt.

Manchmal ist das alles komisch, manchmal auch nicht. Nirgendwo auf der Erde sterben so viele Menschen bei Autounfällen wie in China. 27.000 Unfalltote waren es der offiziellen Polizeistatistik zufolge in der ersten Hälfte dieses Jahres, 67.759 Tote waren es 2009. Es ist, als würde pro Jahr die Bevölkerung einer ganzen Kleinstadt ausgerottet. Und das sind bloß die offiziellen Unfallzahlen, von denen jeder weiß, dass sie geschönt sind. Und die vielen Amputationen! Die Chirurgen in der Provinz machen Überstunden; künstliche Oberschenkelknochen und dergleichen sind in China ein Wachstumsmarkt, interessant für ausländische Investoren. Doch wen kratzt es.

Dieser schwarze Lingyue aus der chinesischen Dongnan-Autofabrik in der Küstenprovinz Fujian war keineswegs Li Qiangs Traumwagen. "Wenn ich den abbezahlt und wieder Geld gespart habe, will ich einen VW", sagt er. Ein Modell namens VW Maitang. Oder einen Jetta, wie ihn sein bester Freund von seinem Vater geschenkt bekommen hat, damit er nicht mehr ständig mit dem Auto des Vaters rumfährt. Aber er müsse auch für die Hochzeit sparen, also könne es auch ein Mazda werden. Immerhin habe sein gerade erstandener Lingyue einen aus Japan importierten Motor, sagt er stolz. Von Mitsubishi.

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  1. Der große Traum des Li Qiang
  2. Sie lesen jetzt Nirgendwo gibt es so viele Verkehrstote wie in China
  3. Der Sprit ist billig, noch
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