Audi A3 vs. BMW Einser vs. Mercedes A-Klasse Kopf-an-Kopf-Rennen in der Kompaktklasse

Mercedes hat die A-Klasse neu erfunden, BMW den Einser neu eingekleidet und Audi den A3 aufgewertet. Die Kompaktmodelle der deutschen Premiumhersteller sind frisch überholt und stellen sich einem ersten Vergleich. Der zeigt: Knapper hätte das Kräftemessen kaum ausgehen können. Die Entscheidung fällt mit der Ausstattung.

Von Georg Kacher

Audi A3, BMW Einser, Mercedes A-Klasse - alle drei kamen innerhalb der letzten elf Monate neu auf dem Markt. Alle drei nach bewährtem Technikrezept gemixt. Und alle drei so dicht beisammen wie Formel-1-Renner bei der Windschattenschlacht. Was ist passiert? Mercedes hat die A-Klasse neu erfunden, weg von der an sich genialen Sandwichboden-Architektur und hin zu einer unerwartet ausgeprägten Sportlichkeit, die ganz andere Zielgruppen anspricht als bisher. Audi hat beim A3 mithilfe des modularen Querbaukastens ein leichteres, agileres und sparsameres Auto mit aufgewertetem Infotainment und noch gediegenerem Interieur gebaut. BMW schließlich hat den Einser neu eingekleidet, Motoren und Getriebe aus der Dreier-Serie adoptiert, den Allradantrieb auch in der kleinsten Modellreihe eingeführt, den Zweitürer noch coupéhafter und sportlicher gestaltet. Bahn frei für ein Kräftemessen, das knapper kaum ausgehen könnte.

Audi RS3 Sportback Kompakt-Rakete

Audis sportliche RS-Reihe hat ein neues Mitglied: Den RS3 Sportback. Die Unterschiede zum normalen A3 Sportback sind dabei markant.

(Video: Süddeutsche)

Audi gab den Takt für diesen Vergleich vor, als sie uns einen A3 1.8 TFSI Quattro vor die Tür stellten. Allradantrieb plus 180-Turbo-PS plus Sechsgang-S-Tronic macht laut Liste 31.650 Euro. Doch der Endpreis mit Extras beträgt mehr als 48.000 Euro. Ein Ausrutscher? Mitnichten. Der Basis-A250 mit 211 PS und Siebengangautomatik kostet 33.498 Euro. Gut ausgestattet und mit AMG-Paket repräsentiert der Viertürer einen Gegenwert von 48.080 Euro. BMW verlangt für den nackten 125i mit 218 PS und Achtgangautomatik 33.150 Euro. Hübsch hergerichtet und mit den wichtigsten Technikfeatures liegt die Latte bei 52.550 Euro. Da kommt man ins Grübeln.

Eine oder zwei Antriebsachsen?

Front-, Heck- oder Allradantrieb, das ist immer noch eine Glaubensfrage. Allerdings erst im Bereich ab 250 PS und 450 Newtonmeter, wenn genug Drehmoment vorhanden ist, um das Eigenlenkverhalten mit dem Gasfuß zu diktieren. In den schwächeren Leistungsklassen spielt das Thema vor allem im Winter eine Rolle, wenn vier angetriebene Winterreifen einen nicht zu unterschätzenden Vorteil bieten. Selbst BMW, einst Hochburg der Heckantriebs-Verehrer, offeriert längst in allen Klassen die 4x4-Option. Dennoch bereitet der 125i in manchen Situationen die meiste Freude am Fahren. Das Fahrwerk ist auf niedrigen Reibwerten ausgesprochen unterhaltsam, die Automatik harmoniert perfekt mit dem hochdrehenden Vierzylinder, die Bremse hinterlässt einen beruhigenden Eindruck. Doch es gibt auch Schattenseiten. Ab 4500 Kurbelwellenumdrehungen pro Minute wird der Motor laut und kernig, die variable Sportlenkung spricht in der Sport-plus-Stellung ziemlich giftig an, das adaptive Fahrwerk tritt auf schlechter Straße an der Hinterhand gelegentlich nach. Obwohl man zwischen einer sport- oder komfortbetonten Kennung von Dämpfern und Lenkung sowie von Motor und Getriebe wählen kann, würden wir uns die 1550 Euro sparen und für die Serienabstimmung optieren.

Auch bei der A-Klasse macht erst der Vergleich wirklich sicher. Engagierte Fahrer werden den A250 Sport lieben, der eine von AMG entwickelte Vorderachse mit einer speziellen Feder-Dämpfer-Abstimmung und der Normallenkung kombiniert. Das Ergebnis: nicht zu hart, unglaublich knackig, jede Menge Grip, tolle Bremsen und ein Lenkgefühl mit viel Fahrbahnkontakt. Das AMG-Paket sieht zwar nett aus, aber eigentlich braucht man weder die leicht synthetische Direktlenkung noch das übertrieben spröde Sportfahrwerk. Audi hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und den A3-Testwagen mit 17-Zöllern besohlt, die verbindlicher abrollen als die 18-Zöller der Konkurrenz.

Auf Wunsch gibt's vier Abstimmungsoptionen: Magnetic Ride (verstellbare Dämpfer), Dynamikfahrwerk (etwas straffer), Sportfahrwerk (viel straffer), S-line-Sportfahrwerk (viel zu straff). Drive Select ändert in vier Stufen das Ansprechverhalten von Motor und Getriebe sowie die Servounterstützung der Lenkung. Auch hier ist weniger mehr: Wir würden die hübscheren 18-Zöller mit dem aufpreisfreien Dynamikfahrwerk kombinieren.