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Zwergplaneten-Mission:"Dawn" im Anflug auf Baby-Planeten Ceres

  • Die Nasa-Sonde Dawn steht kurz vor der Ankunft am Zwergplaneten Ceres.
  • Astronomen wollen mit der Mission mehr über die Entstehung der Planeten erfahren. Der Asteroid Ceres hat sich seit der Entstehung des Sonnensystems kaum verändert.
  • Helle Flecken, die auf dem Himmelskörper zu sehen sind, lassen sich bislang nicht erklären.

Worum geht es bei der Mission?

Mehr als sieben Jahre nach ihrem Start trifft die Nasa-Raumsonde Dawn (deutsch: Morgendämmerung) am Freitag beim Zwergplaneten Ceres ein. Dieser umkreist im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter die Sonne. Schon im Anflug hat die deutsche Bordkamera von Dawn detailreiche Bilder der Ceres-Oberfläche aufgenommen und damit die Forscher verblüfft. Denn die Bilder zeigen rätselhafte helle Flecken auf dem Miniplaneten.

Zwergplanet Ceres aus 40 000 Kilometern Entfernung fotografiert

(Foto: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA)

Was macht Asteroiden so interessant für Wissenschaftler?

Ceres ist der größte Himmelskörper im Asteroidengürtel. Er gehört wie Pluto zu den fünf bekannten Zwergplaneten im Sonnensystem. Das sind Himmelskörper, die kleiner als Planeten sind und zugleich groß genug, dass ihre Gravitationskraft ausgereicht hat, sie zu einer Kugel zu formen.

Die Erforschung des Zwergplaneten Ceres mit 950 Kilometern Durchmesser soll Aufschluss über die Entstehung unseres Planetensystems geben. Denn seit mehr als vier Milliarden Jahren hat Ceres sich kaum verändert: Der 1801 entdeckte und nach der römischen Göttin des Ackerbaus benannte Himmelskörper blieb in der Frühphase seiner Entwicklung stecken und ist damit sozusagen ein Planeten-Embryo - wie auch der Asteroid Vesta, den die Dawn-Sonde bereits im Juli 2011 erreichte und bis September 2012 umkreiste.

Negativbild des Oppia-Kraters auf dem Zwergplaneten Vesta

(Foto: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA)

Sextilia-Krater auf Vesta

(Foto: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA)

Bei der Erforschung des 530-Kilometer-Brockens Vesta stießen die Wissenschaftler auf eine bizarre Welt mit Kratern, Bergen, Canyons und Furchen, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) berichtet. "Auch Ceres zeigt bereits während des Anflugs die unterschiedlichsten Formen an seiner Oberfläche", sagt Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin.

Ceres ist für die Forscher besonders spannend, weil sie unter der Kruste des Zwergplaneten einen Ozean vermuten. Ceres weist als "nasser" Asteroid vermutlich einen Wasseranteil von 15 bis 25 Prozent auf. Dawn ist die erste Raumsonde überhaupt, die einen Zwergplaneten besucht.

Geleitet wird die Dawn-Mission vom Jet Propulsion Laboratory der US-Weltraumbehörde Nasa, aber das Kamerasystem an Bord der Sonde hat deutsche Wurzeln: Entwickelt und gebaut wurden die Spähaugen der Sonde unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze in Braunschweig.

Wie sieht es auf Ceres aus?

Helle Flecken auf Ceres - möglicherweise Eis, das Sonnenlicht reflektiert

(Foto: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA)

Mit dem Kamerasystem nahm Dawn in den vergangenen Wochen die bislang detailreichsten Bilder von Ceres auf. Auf ihnen sind zahlreiche Krater zu sehen - und vereinzelte, extrem helle Flecken, die sich bislang nicht erklären lassen. "Strukturen dieser Art kennen wir von keinem anderen Körper im Asteroidengürtel", sagt der MPS-Forscher und wissenschaftliche Leiter des Kamerateams, Andreas Nathues. Möglicherweise sei es freigelegtes Eis, das Licht reflektiere, sagte Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Die Instrumente von Dawn sollen nun das Flecken-Rätsel lösen und weitere Geheimnisse von Ceres lüften. Mehr als 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt wird Dawn mindestens bis Mitte nächsten Jahres den kugelrunden Zwergplaneten erforschen und sich dabei dessen Oberfläche auf bis zu 375 Kilometer nähern. Doch zunächst wird am Freitag das Schwerefeld von Ceres die Dawn-Sonde einfangen und in eine Umlaufbahn lenken.

Wie verläuft die Ankunft der Sonde?

Dawn befindet sich zum Zeitpunkt der Ankunft auf der der Erde abgewandten Seite, sodass kein Funkkontakt bestehen wird. Das erlösende Signal, dass Dawn die Umlaufbahn mehr als 500 Millionen Kilometer entfernt von der Erde sicher erreicht hat, erwarten die Nasa-Wissenschaftler für den Freitagabend.