Zoologie Kampf den Parasiten

Die Fellpflege der Affen ist nur ein Beispiel, wie Tiere Parasiten loswerden.

(Foto: Heungjin Ryu (CC BY-NC 4.0))

Toilettenhygiene und chemische Keule: Tiere wehren sich gegen Blutsauger, Würmer und andere Quälgeister auf erstaunlich ausgeklügelte Weise.

Von Katrin Blawat

Gibt es etwas Schöneres, als an einem warmen Juniabend durch den Wald zu reiten? Ja, gibt es: den gleichen Ausritt bei kühlem, windigen Wetter zu unternehmen. Dann nämlich hat man Ruhe vor den vielen Bremsen, die Pferd und Mensch blutig stechen. Andererseits sollten Ross und Reiter nicht jammern, bekommen sie während eines solchen Ausritts doch nur einen schwachen Eindruck davon, womit sich Wildtiere in viel stärkerem Ausmaß plagen müssen: mit Bremsen, Fliegen, Würmern, Zecken, Milben, Flöhen, Läusen und ähnlichem Getier.

Parasiten sind überall. Ihre "Wirte", also die Tiere, die sie befallen, müssen sich mit ihnen genauso auseinandersetzen wie mit Fressfeinden. "Parasiten üben vielleicht eine stärkere selektive Kraft auf ihre Wirte aus als Raubtiere", schreiben Cecile Sarabian von der Universität Kyoto und ihre Kollegen in einer Artikelsammlung im Fachmagazin Philosophical Transactions, welche die vielen Facetten tierischer Abwehrstrategien gegen Blutsauger, Würmer und andere Quälgeister beleuchtet.

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Der Einfluss der Parasiten erstaunt zunächst angesichts der Größenverhältnisse. Selbst wenn eine große Bremse mehrere Zentimeter misst - was kann sie einem Pferd von einer halben Tonne Gewicht schon antun? Das Problem ist nicht das einzelne Insekt, sondern deren Vielzahl. So hat eine amerikanische Studie ergeben, dass Bremsen einem Pferd an einem einzigen Tag einen Blutverlust von einem halben Liter zufügen können.

Doch nehmen die Opfer solche Angriffe nicht wehrlos hin. Das Prinzip des evolutionären Wettstreits hat auf der einen Seite Parasiten hervorgebracht, die äußerst einfallsreich darin sind, ihre Wirte zu entern. Auf der anderen Seite kennen auch die Wirte Tricks, um dem zu entgehen.

Eine dieser Taktiken, die vor allem Wurminfektionen verhindern soll, fällt auf Rinder- oder Pferdeweiden ins Auge. Oft gibt es dort Flecken mit hohem, saftigem Gras, wo aber kein Tier frisst. Stattdessen knabbern alle ein paar Meter weiter an schon arg heruntergefressenen Stängeln. Dahinter steckt das aus hygienischen Gründen sinnvolle Prinzip, Toilette und Esszimmer zu trennen. Die Tiere koten auf den Weiden immer an den gleichen Stellen. Infizierte Tiere scheiden dabei Parasiteneier aus. Durch den Kot werden die Stellen ordentlich gedüngt und das Gras gedeiht dort besonders gut. Trotzdem sind diese Flecken zum Fressen tabu, denn mit den saftigen Stängeln würden die Tiere auch die Wurmeier aufnehmen. Also verzichten sie lieber auf einen Leckerbissen, als sich mit ihm eine Ladung Parasiten einzufangen. In einer Studie mit Rindern achteten diejenigen Tiere, denen man experimentell besonders viele Parasiten verabreicht hatte, am penibelsten darauf, abseits der Kotplätze zu fressen.

Andererseits tolerieren Tiere oft eine erstaunlich hohe Parasitenlast: Mit einer Null-Toleranz-Strategie bliebe vielleicht der Magen wurmfrei, aber auch leer. "Wildtiere sind nie so frei von Parasiten, wie es äußerlich erscheinen mag. Ein beherrschbares Maß an Parasiten beeinflusst die Fitness wohl nicht wesentlich. Und alle Abwehrstrategien haben auch Kosten", schreiben Benjamin und Lynette Hart von der University of California in Davis.