Wissenschaftsbetrug:Empört euch über gefälschte Forschung!

Lesezeit: 2 min

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(Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich)

Im Fachmagazin "Science" wird mal wieder ein Artikel wegen manipulierter Fotos zurückgezogen. Die Reaktion der Forscherwelt? Achselzucken.

Kommentar von Astrid Viciano

Fast hätte man die Meldung überlesen. In einer Randspalte des Fachmagazins Science erklärt Chefredakteur Jeremy Berg, dass eine Studie aus dem Jahr 2010 zurückgezogen wird. Einer der Verfasser gilt als Superstar seines Fachs. Er und vier seiner Co-Autoren haben zugegeben, dass gleich sechs verschiedene Abbildungen der Publikation manipuliert wurden. Dass es sich bei den gefundenen Ungereimtheiten "um ausgedehnte und unangemessene Bilddopplungen und Manipulationen handelt", schreibt Science. Und der Erstautor der Studie will sich zu den Vorwürfen noch immer nicht äußern. Dennoch wird es keinen Aufschrei geben. Geradezu gespenstisch ruhig wird es bleiben, sogar bei einem Skandal diesen Ausmaßes.

Grundsätzlich wollen Wissenschaftler natürlich immer etwas Neues entdecken

Längst haben wir uns daran gewöhnt, dass es manche Forscher mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. In einer Übersichtsarbeit der University of Exeter aus dem Jahr 2009 gaben zwei Prozent der Wissenschaftler an, selbst schon einmal gefälscht zu haben; jeder Dritte traute das anderen Kollegen zu. Allerdings liegt der Fehler nicht nur bei den Wissenschaftlern, sondern im System an sich. Bislang ist es für die Karriere eines Forschers enorm wichtig, seine Arbeit in bekannten Fachzeitschriften zu publizieren.

Das ist die Währung auf dem Marktplatz der Wissenschaft. Gelingt das, verbessern sich die Chancen auf eine Beförderung enorm, auf einen neuen Job, auf ein Stipendium. Um in den berühmten Fachjournalen zu landen, brauchen die Forscher jedoch besonders ungewöhnliche, aufsehenerregende Ergebnisse. Und genau da liegt das Problem.

Grundsätzlich wollen Wissenschaftler natürlich immer etwas Neues entdecken. Doch wenn man darauf fixiert ist, etwas ganz Besonderes, nie Dagewesenes zu suchen, verändert sich der Blick auf die Studienergebnisse. Dann werden gern mal Daten ignoriert, die nicht zu der bahnbrechenden, neuen Theorie passen wollen. Oder sie werden im schlimmsten Fall passend gemacht.

Sind die Ergebnisse erst einmal publiziert, gibt es meist wenig Interesse daran, mögliche Manipulationen aufzudecken. Wenn ein Fehler in einem bereits publizierten Artikel auffällt, ist das nicht gut für den Ruf der Zeitschrift, in der die Ergebnisse erschienen sind. Auch das Forschungsinstitut des möglichen Betrügers macht nicht gern publik, dass ein Mitarbeiter Daten manipuliert hat.

Dabei wird oft vergessen, worum es eigentlich geht: um neue Erkenntnisse, die in vielen Fällen der Menschheit dienen sollen, besonders natürlich im Bereich der Medizin. Beruhen klinische Studien auf falschen Daten, kann das Menschenleben kosten. Auch deswegen müssen Betrügereien in der Forschung weiterhin als das gelten, was sie sind: ein Skandal!

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