Wissenschaft:"Bahnbrechende Einblicke": Einzelner Orca tötet Weißen Hai

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Ein toter Weißer Hai liegt an einem Srand (undatiertes Handout) Foto: Christiaan Stopforth/Drone Fanatics SA/dpa (Foto: dpa)

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Mossel Bay (dpa) – Vor Südafrika hat ein Forscherteam erstmals beobachtet, wie ein einzelner Orca einen Weißen Hai getötet hat, und zwar innerhalb von nur zwei Minuten. Es belegte damit, dass Orcas nicht in Rudeln jagen müssen, um die zu den größten Raubtieren der Welt gehörenden Weiße Haie zu erlegen.

Meeresbiologin Alison Towner von der südafrikanischen Rhodes Universität, die das internationale Team leitete, sprach von "bahnbrechenden Einblicken" in das Jagdverhalten von Orcas. 

Jagd in Gruppen

Normalerweise arbeiten Orcas, die auch Schwertwale oder Killerwale genannt werden, in Gruppen, um Weiße Haie aber auch andere große Beutetiere zu jagen und zu töten. Dazu gehören Seelöwen, Robben, andere Haiarten und manchmal sogar Wale. Orcas können die meisten dieser Beutetiere auch allein jagen. Bislang wurde jedoch noch nie ein einzelner Orca bei der Jagd nach einem Weißen Hai beobachtet, dessen fettreiche Leber für ihn eine Delikatesse ist.

Im Juni 2023 verfolgten die Wissenschaftler erstmals, wie ein Orca vor der Küste der Kleinstadt Mossel Bay in der Provinz Westkap einen zweieinhalb Meter langen jungen Weißen Hai jagte und später mit dessen Leber im Maul an einem Boot vorbeischwamm. "Diese Sichtung gab Hinweise auf die alleinige Jagd von mindestens einem Schwertwal, was das in der Region bekannte konventionelle kooperative Jagdverhalten infrage stellt", sagte Towner. Die Forscher präsentieren ihre Beobachtungen im "African Journal of Marine Science". 

Orca-Paar tötete systematisch Weiße Haie

Ein Team um Towner  hatte bereits im Jahr 2022 herausgefunden, dass ein Orca-Paar im Küstengebiet des Ortes Gansbaai Weiße Haie systematisch tötete. Dieses galt als eines der legendärsten Gebiete weltweit, um Weiße Haie zu sichten. Die Ergebnisse dieser fünfjährigen Studie deuten darauf hin, dass die Attacken eine schnelle und langfristige Massenvertreibung der Weißen Haie ausgelöst hatten. Sichtungen von Weißen Haien seien in der Region daraufhin "dramatisch zurückgegangen". 

Die Abwesenheit der Weißen Haie sei für die Region beispiellos und verändere das Ökosystem des Meeres, hatte Towner bereits 2022 gesagt. Weniger Weiße Haie führten beispielsweise zu einer größeren Anzahl von Kap-Pelzrobben. Dies habe einen negativen Einfluss auf die vom Aussterben bedrohten afrikanischen Pinguine, die von den Robben gejagt werden.

© dpa-infocom, dpa:240302-99-191720/1

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