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Wettervorhersage:In 30 Minuten ein Sturzregen

Urricane Isaac arriving on Grande Riviere.

Das Wetter in den Tropen ist oft unberechenbar: Innerhalb von 30 Minuten kann es von blauem Himmel zu heftigem Regen umschlagen.

(Foto: Marka/UIG/Getty)

Meteorologen scheitern regelmäßig bei der Wettervorhersage für die Tropen. Zu schnell können sich lokale Unwetter zusammenbrauen. Eine schwedische Firma vermeldet nun Erfolge mit einem neuen System.

Eines Tages blickte Abas Mohammed auf das Display seines Mobiltelefons und rettete damit seine Ernte. Der Bauer aus Sanga im Norden Ghanas hatte eine einfache Wettervorhersage abonniert, die ihm für den Gegenwert von zwei Dollar-Cent per SMS jeden Morgen sagte, ob und wann es an dem Tag und dem folgenden regnen würde. Im Gegensatz zu seinen Nachbarn konnte er so die richtigen Entscheidungen für seine Felder treffen.

Liisa Petrykowska erzählt diese Geschichte gern, denn ihre Firma war es, die die SMS geschickt hat. Sie heißt Ignitia, hat ihren Sitz in Stockholm und Büros in Accra (Ghana) und Lagos (Nigeria), und behauptet, als erste überhaupt eine zuverlässige Wettervorhersage für eine tropische Region zu produzieren. In Ghana können Bauern die Kurznachrichten abonnieren, indem sie die Zeichenfolge *455# in die Tasten ihres Handys tippen.

"Regen fällt dort zu 99 Prozent aus Gewitterwolken, die sehr klein anfangen und plötzlich gewaltig wachsen können", sagte Petrykowska vor einiger Zeit, als sie ihr Projekt bei einem Google-Wettbewerb für Start-ups vorstellte. "Es geht oft ohne Vorwarnung vom blauen Himmel zum massiven Gewitter in 30 Minuten." Die Methoden der Wettervorhersage, die in gemäßigten Breiten gut funktionierten, versagten in den Tropen, weil die Auflösung der Rechenmodelle zu grob ist und die Physik des Wetters am Äquator anders funktioniert.

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Das bestätigt Andreas Fink vom Karlsruher Institut für Technologie, der seit 20 Jahren das Wetter in Westafrika untersucht. "Die Vorhersage aus den Computerberechnungen ist dort meist nicht besser als die Klimatologie", sagt er, also als die Erfahrungswerte, die auf dem statistischen Mittel über dreißig oder mehr Jahre beruhen. "Gewitterzellen entstehen auf der Skala von wenigen Kilometern, aber die globalen Wettermodelle haben Gittermaschenweiten von 9 bis 50 Kilometern." Alles, was in einem solchen Kästchen passiert, wird nur abgeschätzt, nicht explizit berechnet. "Die erkennen relativ kleine Gewitterwolken oft überhaupt nicht."

Anders als in gemäßigten Breiten, wo große Wettersysteme mit ihren Hochs, Tiefs und Fronten die Wolken herumschieben, entstehen Niederschläge in den Tropen vor allem lokal. Der wichtigste Mechanismus ist die Konvektion, bei der warme und feuchte Luft aufsteigt, bis in der Höhe das Wasser auskondensiert. Die Tröpfchen werden schnell zu gewaltigen Dampfgebilden. "Dabei wirken die in den Tropen dominanten Wellen in der Atmosphäre, die mehrere Tausend Kilometer lang sein können, direkt auf die Sturmzellen von wenigen Kilometern Durchmesser ein", sagt Axel Seifert vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. "Das macht die Vorhersage deutlich schwieriger."

Konvektion auf kleinem Raum in schwül-heißer Luft, das kann auch in Deutschland zu Problemen mit dem Wetterbericht führen. Hier brechen häufig Gewitter an Sommerabenden aus Wolken hervor, die sich tags über der erhitzten Landschaft vollgesogen haben. Auch hierzulande ist schwer vorherzusagen, wo genau es dann kracht; das hat sich im Mai und Juni 2016 gezeigt, als sich Sturzfluten über den Orten Braunsbach, Stromberg oder Simbach ergossen, mehrere Menschen kamen ums Leben. Hier hatte auch die Tallage der Dörfer die Fluten anschwellen lassen.