Vorbild für Goethe-Figur:Als Gotteslästerer, Nekromant und sogar als Kinderschänder verleumdet

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Fausts Leben liegt weitgehend im Dunklen. Wie er aussah, ob er verheiratet war und Kinder hatte - darüber wissen wir nichts. Ein studierter Doktor war er gewiss nicht. Schon eher war er als Heiler ein Mann der Praxis. Außer neun Dokumenten, in denen er Erwähnung findet, gibt es keine hundertprozentig belastbaren Fakten. Schon der Geburtsort ist seit Jahrzehnten Anlass für eine rege Diskussion um Indizien, deren Rekonstruktion den Rahmen hier sprengen würde.

Kurz gesagt, stehen sich zwei Meinungen gegenüber: Diejenige, die davon ausgeht, dass Faust um 1480 als Georg Faust in Knittlingen in der Nähe von Pforzheim geboren wurde, konkurriert mit der, die ihn bereits 1466/67 das Licht der Welt erblicken lässt. Und zwar als Georg Helmstetter in Helmstadt bei Heidelberg. Für letztere These greife man zu den Arbeiten Frank Barons.

Von den neun Dokumenten, die Faust 1507, 1513, 1520, 1528 (da gleich zweimal), 1532, 1536, 1539 und schließlich in seinem mutmaßlichen Todesjahr 1540 erwähnen, ist besonders das erste interessant. Es handelt sich um eine Schrift aus der Feder des Abtes Johannes Trithemius. Der Text ist weniger sachliche Mitteilung als verleumderisches Traktat, das 1536 als Druck erschien. Darin heißt es über Faust: "... soll sich in Gegenwart vieler Leute mit gleicher Eitelkeit gerühmt haben, dass die Wunder unseres Erlösers Christi nicht anstaunenswert seien; er könne alles tun, was Christus getan habe, so oft und wann er wolle."

Der Eifer des Trithemius, der am Ende neben Nekromantie und dem Vorwurf der Blasphemie noch den der Unzucht mit Knaben ins Spiel bringt, stimmt mit der Wirklichkeit nur in Ansätzen überein. Man muss wissen: Trithemius verfasste den Brief, um sich selbst von dem Verdacht, ein Schwarzmagier zu sein, reinzuwaschen. Die Legendenbildung befeuerte er umso mehr - eine Steilvorlage für sittenstrenge Lutheraner.

In einer Welt der Umbrüche

Der historische Faust lebte in einer Welt der Umbrüche. Es war eine gute Zeit für jemand, der es verstand, den Aberglauben und die Ängste seiner Mitmenschen auszunutzen. Gutenberg erfand den Buchdruck, Kolumbus landete in Amerika, der "Hexenhammer" erschien, das einflussreiche Werk, in dem zur Jagd auf Hexen aufgerufen wird. Der Humanismus erlebte seine Blüte, Seuchen wüteten und die Reformation spaltete die Kirche.

Die anderen Quellen, in denen Faust Erwähnung findet, verraten, was er trieb: 1520 erstellte er zum Beispiel dem Bamberger Fürstbischof ein Geburtstagshoroskop und erhielt dafür stattliche zehn Gulden. 1528 setzte man ihn in Ingolstadt wegen Wahrsagerei vor die Tore. Und in Nürnberg ließ man ihn 1532 gar nicht erst ein: "Doctor Fausto, dem grossen Sodomitten und Nigromantico zu furr, glait ablainen."

Im Gefängnis saß Faust jedoch nie. Ob er sich in den Jahren, in denen er nirgends urkundlich erwähnt wird, wirklich alleine der Alchemie verschrieb, wie Günther Mahal vermutet, ist eine reizvolle Annahme. Immerhin ist die Frage berechtigt: Wenn Faust so ein marktschreierischer Scharlatan gewesen ist, warum findet man seinen Namen dann nicht öfter in den Archiven wieder?

Faust fand wohl im Jahr 1540 den Tod. Spätere Quellen nennen als Ort Staufen im Breisgau. Dort soll er im "Hotel zum Löwen" bei einer Explosion elendiglich umgekommen sein. Das könnte auf alchemistische Experimente hindeuten. Fest steht nur: Mit der Explosion schoss auch die Zahl der Legenden um Faust in die Höhe. In der "Historia" ist dann bereits klar, was der Knall bedeutete: "Das Hirn klebte an der Wandt, weil jn der Teuffel von einer Wandt zur andern geschlagen hatte."

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