Vorbild für Goethe-Figur Wer war der echte Doktor Faust?

Diese historische Darstellung zeigt angeblich Georg Faust (1480-1540) aus Knittlingen. Viele Historiker glauben, dass er der berühmte Dr. Faust war.

(Foto: Mauritius)

Scharlatan, Heiler, Alchimist: Johann Wolfgang Goethes berühmteste Figur hat ein reales Vorbild. Mit seinem höllischen Ende schoss die Zahl der Legenden in die Höhe.

Von Florian Welle

Es ist der literarische Stoff schlechthin: Faust. Legion sind seine Bearbeitungen, seit 1587 der Frankfurter Verleger Spies die "Historia von D. Johann Fausten/dem weitbeschreyten Zauberer und Schwartzkuenstler ..." herausgegeben hat. Darin erzählt ein unbekannter, lutherisch geprägter Moralapostel erstmals vom Pakt des Gelehrten mit dem Teufel: Er darf 24 Jahre lang "die Elementa spekulieren", nach Himmel und Hölle fragen und Helena freien, dafür verschreibt er ihm seine Seele.

Das höllische Ende des "D. Fausti" ist dementsprechend "greuwlich" und hat nicht nur die Fantasie der Zeitgenossen beflügelt - die "Historia" wurde innerhalb von zwölf Jahren 22-mal neu aufgelegt -, sondern hat auch Generationen von Künstlern zu Bearbeitungen inspiriert: von Christopher Marlowe über Johann Wolfgang Goethe bis zu Thomas Mann und anderen. Nicht zu vergessen die Adaptionen von Musikern wie Hector Berlioz, Robert Schumann, Charles Gounod, Ferruccio Busoni, um nur einige zu nennen. Goethe beschäftigte der Faust-Stoff ein Leben lang.

Erste Szenen sind in den frühen 1770er-Jahren entstanden, zu einem Ganzen jedoch fügten sie sich nicht. 1789 erschien "Faust. Ein Fragment". Danach war erst einmal Schluss. An Friedrich Schiller schrieb er 1794: "Von Faust kann ich jetzt nichts mitteilen. Ich wage nicht, das Paket aufzuschnüren, das ihn gefangen hält."

Ein Teufelskerl

Die weitere Entstehungsgeschichte wurde vielfach beschrieben: Der "Faust" ließ Goethe nicht los, 1806 war der erste Teil fertig. Sein Lebensende widmete er dem zweiten Teil, sechs Jahre ununterbrochener Arbeit, bis "Faust, der Tragödie zweiter Teil" 1831 zum Abschluss kam.

Doch was haben die unzähligen Faust-Fantasien, von denen Goethes die berühmteste ist, mit dem historischen Vorbild zu tun, das es ja gab? Im Grunde nicht viel. Goethe etwa interessierte sich für den echten Faust nicht im Geringsten. Wer aber war dieser Mann wirklich, um den sich schon zu Lebzeiten und dann verstärkt nach seinem Tod um 1540 die Legenden wild rankten? Ein Teufelskerl? Ein herumziehender Scharlatan, der auf Märkten die Menschen unterhält? Oder war er ein "wahrer Alchemist", wie Günther Mahal, der einstige Leiter des Faust-Museums in Knittlingen kühn vermutet? Schnüren wir das Paket des historischen Faust ein bisschen auf.