Verhaltensökonomie:Wie im echten Leben

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Wissenschaft findet oft im Labor statt. Jetzt haben Forscher - im Labor - untersucht, ob solche Erkenntnisse auch für das Leben da draußen gelten.

Von Sebastian Herrmann

Die Ergebnisse von Laborstudien aus den Wirtschaftswissenschaften lassen sich offenbar gut auf das echte Leben übertragen. Das berichten die Ökonomen Daniel Herbst und Alexandre Mas von der Universität Princeton im Fachmagazin Science (Bd. 350, S. 545, 2015). Die beiden Wirtschaftswissenschaftler werteten Studien zu sogenannten Spillover-Effekten aus, die entweder im Universitätslabor oder im Feld durchgeführt worden waren. In diesen Experimenten wurde - vereinfacht gesagt - untersucht, wie sich die Produktivität eines gesamten Teams verändert, wenn zum Beispiel ein neuer, besonders eifriger Kollege in der Gruppe tätig wird. Offenbar ziehen motivierte Mitarbeiter die anderen mit und steigern die Leistung der ganzen Gruppe. Doch das für die Wissenschaft aufregende Ergebnis der aktuellen Arbeit lautet: Dieser Effekt lässt sich sowohl in simulierten Situationen mit Studenten als auch im wirklichen Arbeitsumfeld belegen. Zudem zeigte sich in Labor- sowie Feldstudien die beinahe deckungsgleiche Stärke des Effektes.

"Die Studie ist dazu geeignet, die Haltung vieler Wissenschaftler zur Relevanz von Laborexperimenten zu verändern", schreiben die Ökonomen Gary Charness von der University of California in Santa Barbara und Ernst Fehr von der Universität Zürich in einem begleitenden Kommentar in Science. Studien aus den Sozialwissenschaften gelten vielen als artifizielle, schier hilflose Versuche, menschliches Verhalten zu verstehen. Die meisten dieser Versuche werden mit Studenten durchgeführt. Aber ist das Verhalten einer Gruppe von Erstsemestern repräsentativ für ganze Gesellschaften? Und agieren Probanden im Labor nicht sowieso ganz anders, wenn sie wissen, dass sie beobachtet und ihre Aktionen analysiert werden? Methodische Einwände wie diese klingen sehr plausibel. Doch ähnliche Probleme ergeben sich auch in Feldversuchen.

Die Analyse von 34 Studien - 23 Feldversuche und elf Laborexperimente - durch die Ökonomen Herbst und Mas legen nun nahe, dass diese Bedenken zumindest in dem untersuchten speziellen Fall irrelevant sind: Die erzielten Ergebnisse gleichen sich stark und sagen mutmaßlich wirklich etwas über den untersuchten Gegenstand aus. So lässt sich die Studie als Plädoyer für die experimentelle Ökonomie lesen.

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