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Umweltverschmutzung:China sprengt die Statistik

Die Einwohner Chinas leiden besonders heftig unter Smog.

(Foto: AFP)

China sprengt damit praktisch die Statistik. Bezogen auf jeweils 100 000 Bewohner sind es hier 101 vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung. Dies treibt daher den globalen Durchschnitt in die Höhe; rechnet man ohne China, sinkt der Mittelwert von 48 auf 36. Für Deutschland zeigt die Auswertung 34 000 vorzeitige Todesfälle, eine Quote von 42 pro 100 000, die fast zur Hälfte durch landwirtschaftliche Emissionen und zu einem Fünftel durch Verkehr bedingt sind. Es liegt damit auf Rang 12 der Statistik der Länder.

"Das ist eine spannende Studie, besonders, weil sie die einzelnen Quellen des Feinstaubs untersucht", sagt Annette Peters von Helmholtz-Zentrum München. Ein Fragezeichen setzt sie aber hinter die Aussage, Landwirtschaft sei in Ländern wie Deutschland die dominierende Quelle. "Von diesen Partikeln gibt es tatsächlich viele, aber es ist in der Forschung unklar, ob sie so relevant für die Gesundheit sind wie die aus Verbrennungsprozessen."

Das fragen sich auch Lelieveld und sein Team. Um diesen Einwand mit Zahlen zu beziffern, haben sie im Computermodell probeweise angenommen, Rauchpartikel seien fünfmal so giftig wie Landwirtschaftsemissionen. Das kehrt für Deutschland die Reihenfolge der Quellen um: Es macht Verkehr zur größten Todesursache und halbiert den Effekt der Landwirtschaft.

"Diese Studie kann sehr wichtig für den öffentlichen Gesundheitsschutz sein", kommentiert Michael Jerrett von der University of California in Los Angeles in Nature. Damit ließen sich jährlich eine Million Menschen retten. Der Kampf gegen Feinstaub müsste je nach Land anders gefochten werden. In China ändert der Schutz vor Passivrauchen nicht viel an der Belastung. Er ist aber in Ländern wichtig, die keine großen Probleme mehr haben.

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