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Tierhaltung:Die Weidehaltung auszuweiten, hätte massive Folgen für den Planeten

Ist die Debatte damit also beendet? Mit Sicherheit nicht. Neben dem Land Stewardship Project trommeln eine ganze Reihe ähnlicher Organisationen und Aktivisten für die Weiderinder als Lösung für den Klimawandel, mit Blogbeiträgen, auf Konferenzen oder in Videos. Ein Ted-Talk zu dem Thema mit dem Titel "Wie man die Wüstenbildung bekämpft und den Klimawandel umkehrt" wurde mehr als vier Millionen Mal aufgerufen. In dem Vortrag erklärt der selbsternannte Ökologe Allan Savory, Kühe lieferten Anlass für "mehr Hoffnung, als ihr euch vorstellen könnt". Es gebe nur noch eine Option, um das Klima zu retten und die Wüsten der Welt wieder zu begrünen: die Weidehaltung von Wiederkäuern massiv auszuweiten.

Mit dem nach ihm benannten Savory Institute arbeitet der Landwirt nun daran, die Idee weltweit zu verbreiten. Das Institut behauptet, bei einem großflächigen Wechsel zur Weidehaltung würden in den nächsten 40 Jahren 500 Milliarden Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre entfernt - genug, um fast alle Emissionen seit Beginn der Industrialisierung wieder einzufangen. Atemberaubende Zahlen, die durch keine seriösen Daten gestützt werden können.

Die amerikanische Umweltorganisation Sierra Club nennt die Idee ironisch eine "Win-win-Vision": mehr Rinder, mehr Hamburger, mehr Profit für die Fleischindustrie - aber auch mehr Klimaschutz. Nebenbei wäre es natürlich äußerst bequem für Konsumenten, müssten sie ihren Fleischverzehr doch überhaupt nicht hinterfragen.

Für die Forscher des "Food Climate Research Network" ist die Forderung nach einer Ausweitung der Weidehaltung der schädlichste Aspekt der ganzen Debatte. Denn eine Expansion der Weiderinder hätte in ihren Augen vermutlich gravierende Auswirkungen auf die Oberfläche der Erde. Schon heute belegen alle Wiederkäuer zusammen etwa ein Viertel der weltweit landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Bei einer Expansion des Weidelands müssten große Waldflächen abgeholzt werden, vor allem in Südamerika.

Umweltbewusste Kunden sollten Fleisch aus der Umgebung kaufen oder ganz auf Steaks verzichten

Die ideologisch getriebene Debatte verstellt zudem den Blick darauf, dass Weidehaltung in Einzelfällen tatsächlich nachhaltiger sein kann. "Auf manchen Flächen ist es kaum möglich, beispielsweise Gemüse anzubauen", sagt Peter Manning, der am Senckenberg-Biodiversität-und-Klima-Forschungszentrum zum Zusammenhang zwischen Klimawandel und Landwirtschaft forscht. Auf solchen Weiden sei es unter Umständen ökologisch sinnvoll, Rinder grasen zu lassen. "Aber dieses Modell global auszuweiten, ist unmöglich", sagt Manning. Dass eine richtige Haltung von Kühen den Treibhausgasausstoß zumindest reduzieren kann, ist auch durch Studien belegt. So ergab eine Untersuchung der TU München bei Pilotbetrieben in Deutschland, dass Weidegras bei der Haltung von Milchkühen energieeffizienter ist. Vor allem Biolandwirte haben laut der Studie einen geringeren Klimafußabdruck, da sie meist auf energieintensives Soja im Futter verzichten.

Zum Gewinn fürs Klima werden Rinder damit allerdings nicht. Peter Manning rät umweltbewussten Konsumenten, vor allem Rindfleisch zu kaufen, das regional produziert wurde. Denn in Europa seien die meisten Flächen für die Rinderhaltung meist schon vor langer Zeit angelegt worden - die Wahrscheinlichkeit, dass für das Steak Wald gerodet wurde, sei so also geringer als etwa bei Fleisch aus Südamerika. Auch Fleisch von Rindern, die auf der Weide gegrast haben, sei in Europa prinzipiell zu empfehlen. Am effektivsten für das Klima sei aber, den eigenen Fleischverzehr einzuschränken. "Nicht jeden Tag Fleisch essen, das würde den Klima-Fußabdruck ungemein senken."

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