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Tiere:An der Grenze des Möglichen

Blitzschnelle Schnapper: Flohkrebse an der Grenze des Möglichen; Flohkrebs

Flohkrebse sind auf der ganzen Welt verbreitet. Den meisten Arten dienen zwei Extremitäten als Greifzangen.

(Foto: Patek Lab)

Ausgerechnet den kleinen Flohkrebse gelingt eine der schnellsten Bewegungen im Tierreich: Mit ihren Greifern schnappen sie blitzschnell zu - und das sogar im Wasser.

Von Walter Willems

Eine der schnellsten Bewegungen im Tierreich schaffen ausgerechnet die winzigen Flohkrebse: wenn sie mit ihren Greifern zupacken. Noch schneller sind nur manche Ameisen mit ihren zuschnappenden Kiefern. Aber die Flohkrebse leben im Wasser - und haben damit einen wesentlich höheren Widerstand zu überwinden. Ihre Leistung beim schnellen Greifen sei an der Grenze des Möglichen, schreiben US-Forscher um die Biologin Sheila Patek von der Duke University in Durham im Fachblatt Current Biology offenkundig beeindruckt.

Flohkrebse leben sowohl in Süß- als auch in Salzwasser und sind auf der Erde weit verbreitet. Zu ihnen zählen auch die in Europa heimischen Strandhüpfer. Die meisten Arten haben zwei Extremitäten als Greifwerkzeuge. Besonders ausgeprägt sind diese Greifer bei der Art Dulichiella appendiculata - bei deren Männchen stellt einer der Greifer etwa ein Drittel der gesamten Körpermasse.

Eben diese Art hat das Team um Sheila Patek untersucht. Den Schnappvorgang analysierten die Forscher, indem sie 16 Tiere nach haardünnen Objekten greifen ließen. Die Szenen filmten sie unter dem Mikroskop mit einer Hochgeschwindigkeitskamera, die 300 000 Bilder pro Sekunde schießt.

"Wenn sie noch mehr beschleunigen würden, würden ihre Körper zerbrechen"

Die insgesamt 60 Schnappvorgänge dauerten im Mittel 93 Mikrosekunden (Millionstelsekunden) und erreichten eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 17 Metern pro Sekunde - umgerechnet gut 61 Kilometer pro Stunde. Das schnellste Schnappen dauerte sogar unter 50 Mikrosekunden: Es erreichte eine Geschwindigkeit von 29 Metern pro Sekunde (gut 104 Kilometer pro Stunde) und war damit 10 000-mal schneller als ein Wimpernschlag. Zwar seien die Kiefer mancher Ameisen und Termiten etwas schneller, räumt das Team ein. Aber diese müssten eben nicht den Widerstand des Wassers überwinden. Beim Schnappen der Flohkrebse entstehen dagegen nicht nur ein Wasserstrahl und hörbare Töne, sondern mitunter sogar Blasen.

Wozu das schnelle Schnappen dient, wissen die Forscher um Sheila Patek nicht. Mögliche Gründe seien Kommunikation, die Verteidigung von Fressgründen oder die Interaktion mit Weibchen. Verblüffend sei generell, dass viele Schnelligkeitsrekorde im Tierreich nicht von großen Arten stammen, sondern von Winzlingen, schreibt das Team. "Es ist wirklich erstaunlich, dass diese Flohkrebse an der Grenze dessen agieren, was wir noch für möglich halten", wird Patek in einer Mitteilung der Zeitschrift zitiert. "Wenn sie noch mehr beschleunigen würden, würden ihre Körper zerbrechen."

© SZ/dpa/bern
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