Sozialverhalten Nettsein schadet der Karriere

Freundliche Kollegen werden sehr geschätzt - aber in Führungspositionen sind sie selten zu finden. Es sind eher die dominanten Egoisten, die Karriere machen. Warum eigentlich? US-Forscher bieten eine Antwort.

Von Christian Weber

Es ist eine Erfahrung aus vielen Unternehmen: Ist eine Führungsposition zu besetzen, kommen häufiger die Ellenbogen-Typen zum Zuge als die freundlichen und geschätzten Kollegen - warum eigentlich?

Nick Hendricks (Jason Bateman, links) ist ein netter Kerl, der sich nicht gegen seinen Chef Dave Harken (Kevin Spacey) durchsetzen kann und darum beruflich nicht vorankommt. Das geht vielen Menschen auch im wirklichen Leben so, aber im Hollywood-Film "Kill the Boss" beschließen Hendricks und seine Freunde, ihre Chefs umzubringen.

(Foto: Warner Bros.)

Eine mögliche Antwort liefert jetzt ein Forscherteam um Nir Halevy von der Stanford University in einer Studie, die im Fachmagazin Journal of Personality and Social Psychology erscheinen wird. Ihre Vermutung: Die Netten werden gemocht, aber ihnen wird nicht wirklich zugetraut, dass sie durchsetzungsfähig genug für den harten ökonomischen Wettbewerb sind.

Zum Beleg ihrer These veranstalteten die Forscher einige einfache spieltheoretische Experimente, bei denen die Teilnehmer zehn Chips im Wert von insgesamt 20 Dollar behalten oder in einen gemeinsamen Topf einzahlen konnten.

Dabei hatten die Spieler die Option, dass sie beim Teilen ihres Vermögens mit der eigenen Gruppe zugleich einer zweiten Gruppe schaden konnten. Bei einer nachfolgenden Befragung ergab sich, dass ein egoistisches Verhalten und die bewusste Schädigung der Parallelgruppe dazu führte, dass der entsprechende Spieler zwar als unangenehm, aber immerhin als dominant wahrgenommen wurde.

Teilte er hingegen seine Spielchips mit der eigenen Gruppe, gewann er zwar an Sympathie, aber die Dominanz-Wahrnehmung unter den anderen Versuchsteilnehmern schwand. Am schlechtesten schnitten jedoch jene Versuchsteilnehmer ab, die ihr Vermögen großzügig mit der eigenen und der fremden Gruppe teilten: Sie galten weder als besonders angenehm noch als dominant.

Dies bestätigte auch eine anschließende Wahl, bei der die Studienteilnehmer einen Chef bestimmen mussten, der sie in einem fiktiven Wettbewerb mit der anderen Gruppe führen sollte: Am meisten Erfolg hatten die dominanten Egoisten. "Die netten Kerle schaffen es nicht an die Spitze, wenn ihre Gruppe einen dominanten Führer braucht, der sie in Zeiten des Konflikts leiten soll", folgert Halevy.