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Schizophrenie:Trauer der Schwangeren kann Kind gefährden

Erlebt eine Frau während der Schwangerschaft Schicksalsschläge, steigt das Risiko, dass ihr Kind später an Schizophrenie erkrankt.

Schicksalsschläge während einer Schwangerschaft können das Wohl des Ungeborenen beeinträchtigen. Stirbt etwa ein Verwandter während der ersten drei Monate einer Schwangerschaft, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder der betroffenen Mütter später an Schizophrenie erkranken um 67 Prozent.

Ist das Ungeborene älter als drei Monate, steckt es Stress offenbar besser weg.

(Foto: Foto: istock)

Dies berichten britische und dänische Wissenschaftler im Fachmagazin Archives of General Psychiatry (Bd.2, S.146, 2008).

Der Befund bezieht sich auf Familien, in denen zuvor keine psychischen Erkrankungen aufgetreten waren. Die Forscher werteten die Daten von 1,4 Millionen Frauen aus dem dänischen Geburten- und Krankheitsregister aus.

36.193 der Frauen hatten vor oder während ihrer Schwangerschaft den Tod oder die schwere Erkrankung mindestens eines nahen Verwandten erlebt. Todesfälle hatten nur in den ersten drei Monaten Auswirkungen auf das Risiko der Kinder, später an Schizophrenie zu erkranken. Schwere Erkrankungen von Angehörigen vor oder während der Schwangerschaft erhöhten das Krankheitsrisiko der Kinder nicht.

Die Autoren vermuten, dass die Föten in den ersten Monaten besonders empfindlich auf mütterlichen Stress reagieren. Schizophrenie gilt als komplexe psychische Erkrankung, die je zur Hälfte auf genetische Ursachen und Umweltfaktoren zurückgeführt wird.

"Es gibt ein Bündel von Risikofaktoren, die schon im Mutterleib einen Einfluss auf spätere psychische Erkrankungen eines Kindes haben können", sagt der Psychiater Peter Falkei von der Universität Göttingen. Der Befund weise auf einen weiteren nicht-genetischen Risikofaktor hin.