Artenschutz:Weniger Wilderei, mehr Konflikte

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Chilikanone gegen Elefanten

Die Kanonen, die mit Chili-Öl gefüllte Ping-Pong-Bälle verschießen, werden aus Plastikrohren zusammengeklebt.

(Foto: Eva Gross)

Ähnlich wie Wildschweine hierzulande verursachen Elefanten in afrikanischen und asiatischen Ländern große Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen. Besonders am Rande von Nationalparks und anderen Schutzgebieten können Landwirte über Nacht eine gesamte Ernte verlieren, wenn die Elefanten unentdeckt bleiben oder sich nicht effektiv vertreiben lassen. Wenn dann die Unterstützung durch die Wildtier- oder Naturschutzbehörde ausbleibt, fühlen sich die Bauern ohnmächtig und vom Staat allein gelassen. Denn als vom Aussterben bedrohte Tierart genießt der Elefant den höchsten Schutzstatus und darf nicht, oder nur in extremen Ausnahmesituationen, gejagt werden. Wut und Unverständnis machten sich in den letzten Jahren bei der ländlichen Bevölkerung breit. Ein Bauer erklärte einmal, er hätte das Gefühl, das Leben der Elefanten sei den Behörden wichtiger als das der Landwirte.

Wenn die Ernte dann eingeholt wird, folgen die Elefanten dem Mais in die Dörfer. In traditionellen, aus Reisig geflochtenen großen Körben wird der Mais vor dem Haus aufbewahrt. Dies ist verführerisch für Elefanten, die die Maisspeicher massenhaft zerstören. Als die Dickhäuter in Süd-Luangwa schließlich begannen, auch die Häuser nach Futter abzusuchen und dabei zu zerstören, und so Familien in Angst und Schrecken versetzten, habe ich zusammen mit meinem Team vor Ort einen neuen, elefantensicheren Maisspeicher entwickelt. Der ist dem traditionellen Maisspeicher nachempfunden, doch besteht er aus einem festen Betonfundament und Betonblöcken. Nach der Ernte wird er mit getrockneten Maiskörnern gefüllt und versiegelt. Nur über eine kleine, verschließbare Tür am unteren Teil des Speichers lässt sich der Mais portionsweise entnehmen. Bisher wurden schon über 140 dieser Maisspeicher hergestellt, und noch hat es kein Elefant geschafft, einen von ihnen zu knacken.

Vor knapp zehn Jahren dann kamen im Luangwatal lokale Jäger auf die Idee, Chili anstatt Schrot in ihre Vorderladergewehre zu stopfen und damit auf Elefanten zu schießen, die auf den Feldern Mais fraßen. Der Effekt war erstaunlich. Die Elefanten nahmen Reißaus und ließen sich lange nicht mehr blicken. Doch die nächtlichen Chilischüsse waren nicht von Schüssen der Wilderer zu unterscheiden. Die Ranger verzeichneten in der Zeit einen Anstieg der Wilderei und eine Lösung musste her. Nach einer Testphase verwenden die Bauern heute Chili-Kanonen nach dem Vorbild einer Erfindung aus Simbabwe. Während meiner Tätigkeit bei der französischen Organisation Awely half ich, in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt und dem Julius-Kühn-Institut in Dossenheim, diese weiter zu verbessern. Die Waffe lässt sich aus preiswerten Materialien vor Ort zusammenbauen und ist wartungsarm. Das Ganze besteht aus einem Brunnen-, einem Abwasserrohr und einem Piezozünder.

Damit das Abwehrsystem gegen Elefanten zuverlässig funktioniert, bedarf es einiger Logistik. Ausreichend Chili-Öl-Extrakt muss hergestellt und in Hunderte Ping-Pong-Bälle gefüllt werden, bevor die Saison beginnt. Die Wachschichten der Bauern müssen organisiert werden, die Chili-Patrouillen brauchen Stiefel und Regencapes. Notwendig ist auch ein Überwachungssystem. So lässt sich dokumentieren, wann und wo Elefanten vertrieben wurden und wie sie reagierten.

Im Oktober 2018 habe ich gemeinsam mit meinem sambischen Kollegen die neue Chili-Patrouille für Nord-Luangwa ausgebildet. Meist sind es erfahrene Jäger oder sogar Wilderer, die Chili-Schützen werden. Sie wissen, wie mit großen Wildtieren umzugehen ist und wie man sich nachts im Busch verhält.

In Süd-Luangwa sind die Bauern sehr zufrieden mit der Unterstützung durch die Chili-Patrouillen. Hier kamen im letzten Jahr 2500 Einsatztage zusammen, dabei wurden 900 Mal Elefanten von Feldern vertrieben. Zwar müssen die Bauern noch immer Wachdienste schieben, denn die Chili-Patrouillen werden nur dort eingesetzt, wo Bauern Eigeninitiative zur Bewachung zeigen. Doch sie sind nicht mehr allein und die Abwehr erfolgt nun strategisch und effektiv. Im letzten Jahr haben die Elefanten wesentlich weniger Schäden angerichtet, meint einer der Bauern, doch seine Ernte sei stark von der Trockenheit bedroht. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Jahr in Nord-Luangwa ähnlich große Erfolge erzielt werden, wenn die Ernte im April oder Mai beginnt.

Kräuter gegen die Elefanten

Um langfristig ein friedliches Zusammenleben mit den großen Pflanzenfressern am Rande von Schutzgebieten zu ermöglichen, muss jedoch noch mehr getan werden. Für Elefanten hoch attraktive Feldfrüchte wie Mais oder Hirse mit nächtlichen Wachsystemen und Chili-Gewehren zu verteidigen, ist nicht nur arbeits- und kostenintensiv, sondern auch noch sehr gefährlich. Bei der Suche nach weiteren Strategien, um die Konflikte zwischen Menschen und Elefanten zu verringern, kam mir der Umstand zugute, dass mir Bauern immer wieder von einzelnen Nutzpflanzen erzählt haben, die nicht von Elefanten gefressen würden. Diese zu kultivieren und zu verkaufen könnte einträglicher sein, als dort den traditionellen Mais zu produzieren, wo Elefanten regelmäßig zu Besuch kommen und sich der Maisanbau kaum lohnt.

In Feldexperimenten konnte ich zeigen, dass Afrikanische und auch Asiatische Elefanten die Hauptnahrungspflanzen Mais und Reis bevorzugen und Heilkräuter wie Zitronengras, Kurkuma oder Kamille und Gewürzpflanzen wie Chili, Knoblauch oder Basilikum meiden. Der Grund liegt in den chemischen Inhaltsstoffen dieser Pflanzen, die für den Elefanten zwar verdaulich sind, aber im Stoffwechsel neutralisiert werden müssen. Für diese Entgiftung braucht das Tier viel Energie und es müsste noch mehr fressen. Als Nährstofflieferant sind diese Pflanzen für Elefanten deswegen nicht gewinnbringend. Gewinn bringen sie allerdings den Bauern, denn die Ernte wird gut bezahlt.

Vielleicht liegt darin der Schlüssel; die Elefanten mögen solche Pflanzen nicht fressen. Also sollte man den Bauern helfen, solche Pflanzen zu produzieren und zu vermarkten. In Süd-Luangwa bringt die Produktion von Chili, Zitronengras und Kurkuma einigen Hundert Bauern bereits sichere Einnahmen. Doch es ist ein weiter Weg, die Landwirtschaft grundsätzlich elefantenfreundlich umzustellen. Bis dahin werden die Chili-Patrouillen noch gebraucht.

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