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Artenschutz:Mit Chili auf Elefanten schießen

Chilikanone gegen Elefanten

Für eine erfolgreiche Elefantenabwehr braucht es nicht viel Material aber eine Menge Mut.

(Foto: Eva Gross)

Elefanten im Maisfeld können lästig sein. Damit ein Zusammenleben mit den Tieren 
dennoch möglich ist, greifen die Menschen in Sambia zu Chili-Kanonen.

Die Nacht ist heiß und schwül. Beko Mumba sitzt auf dem hölzernen Wachturm unweit eines Feldes unter einem Moskitonetz und schaut in die dunkle Stille. Ihm entgeht kein Geräusch, er hört, wie sich das Gras bewegt, wie Äste zur Seite geschoben werden, ein leises Knacken. Nur schemenhaft erkennt er einen massigen, dunklen Körper weit hinten am Fluss.

Schnell weckt Beko die neben ihm dösenden Männer und ruft in die Dunkelheit: "Njovu" - das Wort für "Elefant" in Senga, eine der vielen Sprachen, die in Sambia gesprochen werden. Stimmen aus der Dunkelheit erwidern seinen Ruf. Plötzlich wird es betriebsam am Feldrand. Sechs Männer mit Taschenlampen, Stöcken und Metallgegenständen zum Trommeln bringen sich in Stellung.

Aus natur 4/2019

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  • natur 4 / 2019 natur 4/19

    Der Text stammt aus der April-Ausgabe von natur, dem Magazin für Natur, Umwelt und nachhaltiges Leben. Er erscheint hier in einer Kooperation. Mehr aktuelle Themen aus dem Heft 04/2019 auf natur.de ...

Beko schultert seine Chili-Kanone und lädt sie mit einem der orangefarbenen Ping-Pong-Bälle, die er in der Tasche trägt. Er sprüht einen Stoß Insektenspray in ihren Tank, schraubt ihn wieder zu und bewegt sich in die Richtung, aus der er das leise Mampfen eines Elefanten hört. Sein Kollege Elias ist ihm dicht auf den Fersen. Auch er hat seine Chili-Kanone geladen und schussbereit. Nun müssen sich die Männer langsam an den Elefanten anschleichen und dürfen dabei keine weiteren Tiere übersehen. Sie haben Glück, die kleine Gruppe von drei Elefanten steht nahe des Flusses, in leicht überschaubarem Gelände.

Aus 30 Metern Entfernung feuert Beko seinen Schuss ab. Der Ping-Pong-Ball trifft das Leittier an der Schulter und zerplatzt. Zurück bleibt ein dunkler Fleck. Der Elefant zuckt, tastet mit seinem Rüssel nach dem Fleck, schüttelt den Kopf. Der Ball war mit einem selbst hergestellten Chili-Öl-Extrakt gefüllt, das den empfindlichen Rüssel des Elefanten stark reizt. Angewidert zieht sich der Elefant zurück. Nicht panisch, aber schnell. Die anderen beiden Elefanten folgen ihm. Der Plan der Männer ist aufgegangen.

Beko ist einer von 20 Chili-Schützen, die ich am Rande des Nord-Luangwa-Nationalparks in Sambia ausgebildet habe, um Mais- und Hirsefelder vor hungrigen Elefanten zu schützen. Zusammen mit Bauern, deren Felder oft von Elefanten heimgesucht werden, bewachen sie, sobald Mais oder Hirse zu reifen beginnen, die Grenze eines Farmblocks. Ziel ist es, die Elefanten effektiv von den Feldern fernzuhalten, ohne ihnen dabei Schaden zuzufügen.

Elefant in Dorf

Einen Elefanten hält man nicht mit Kaninchendraht auf, auch nicht im North Luangwa National Park, Sambia.

(Foto: Daniel Rosengren; Daniel Rosengren/Zoologische Gesellschaft Frankfurt)

Seit über zehn Jahren bin ich für verschiedene Naturschutzorganisationen tätig und begleite seither die Bauern im sambischen Luangwatal bei der Lösung von Konflikten mit Elefanten. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) hat es mit ihren Maßnahmen zum Wildtierschutz geschafft, die Wilderei auf Elefanten massiv zu reduzieren.

Das Jahr 2018 war das erste seit über einem Jahrzehnt, in dem kein gewilderter Elefant im Nord-Luangwa-Nationalpark verzeichnet wurde. Der Erfolg sind langsam steigende Zahlen der großen Dickhäuter. Diese machen nun jedoch vermehrt den Bauern am Rande des Nord-Luangwa-Nationalparks zu schaffen. Hier, in der Pufferzone des Nationalparks, leben Menschen und Wildtiere nämlich in direkter Nachbarschaft.

Die ZGF, unterstützt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der USAID, startete deshalb ein Projekt, das den Bauern bei der Absicherung ihrer Felder helfen und gleichzeitig dem Schutz der Elefanten dienen soll. Zusammen mit meinem sambischen Kollegen Billy Banda von Conservation South Luangwa habe ich im Rahmen dieses Projektes im letzten Jahr über 500 Bauern darin geschult, ihre Felder mit unterschiedlichen Techniken gegen Elefanten zu schützen. Dazu gehört, dass, bevor die Regenfälle im Dezember einsetzen, die Bauern Wachtürme an strategisch wichtigen Stellen entlang großer Felder bauen und Wachschichten organisieren. Die Chili-Patrouillen sollen die bäuerliche Initiative unterstützen: ein System, das sich bereits seit fünf Jahren in Süd-Luangwa bewährt hat.