Russische Mars-Sonde Brandneuer Weltraumschrott

Rückschlag für Russlands Raumfahrt: Die Mars-Sonde "Phobos-Grunt", die Bodenproben vom Marsmond Phobos nehmen soll, ist in einer Erdumlaufbahn gestrandet und könnte verlorengehen. Doch noch besteht Hoffnung.

Von Alexander Stirn

Nach vielen Fehlschlägen und einer Zwangspause von knapp 15 Jahren hat Russland am Dienstagabend wieder ein unbemanntes Raumschiff in Richtung Mars gestartet.

Die Sonde Phobos-Grunt, die Bodenproben vom Marsmond Phobos einsammeln soll, steckt in großen Schwierigkeiten, nachdem ihre Triebwerke nicht wie geplant gezündet werden konnten.

(Foto: dpa)

Doch die Sonde Phobos-Grunt, die Bodenproben vom Marsmond Phobos einsammeln soll, steckt in großen Schwierigkeiten. Nachdem ihre Triebwerke nicht wie geplant gezündet werden konnten, ist die Sonde in einer niedrigen Erdumlaufbahn gestrandet. Nun bleibt den Russen zwei Wochen Zeit, um das Problem zu beheben und die Mission doch noch zu retten.

Dabei sah zunächst alles perfekt aus. Auf die Sekunde genau startete Phobos- Grunt am Dienstag um 21.16 Uhr deutscher Zeit vom kasachischen Kosmodrom Baikonur in den Himmel.

Die Zenit-2-Rakete mit ihrer 13,5 Tonnen schweren Fracht beförderte das Raumschiff zunächst in einen 350 Kilometer hohen Parkorbit. Dort sollte das Antriebsmodul der Sonde, eine umgebaute Oberstufe vom Typ Fregat, wie sie auch in Sojus-Raketen zum Einsatz kommt, zweimal zünden und Phobos-Grunt auf den Weg zum Mars bringen. Nach Informationen der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos fand allerdings keine dieser beiden Zündungen statt.

Da die Missionsmanager nur während des Flugs über Russland Kontakt mit ihrem Raumschiff aufnehmen können, ist bislang wenig über die Hintergründe des Problems bekannt. Offensichtlich arbeitete ein Sternensensor nicht wie geplant, sodass Phobos-Grunt keine Möglichkeit hatte, sich im Weltall zu orientieren.

Ohne korrekte Ausrichtung brach der Bordcomputer die geplante Zündung der Triebwerke ab, er ging automatisch in einen Notfallmodus über. "Ich würde daher nicht von einem Fehlschlag sprechen", sagt Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin. "Es ist vielmehr eine außergewöhnliche Situation - aber eine, mit der wir arbeiten können."

Noch ist unklar, warum der Sternensensor nicht funktionierte. Falls es sich um ein Problem mit dem Bordcomputer oder einen Fehler in der Steuersoftware handeln sollte, könnten die Ingenieure den Fehler vom Boden aus beheben.

Sie würden eine korrigierte Programmsequenz an Phobos-Grunt schicken und eine erneute Zündung der Triebwerke versuchen. Sind die Sensoren allerdings gravierend beschädigt, stehen die Chancen schlecht. Die Sonde würde innerhalb der nächsten Monate als 120 Millionen Euro teurer Weltraumschrott zurück zur Erde stürzen.

Für das russische Marsprogramm wäre das der achte Fehlschlag in Folge. Zuletzt hatte Roskosmos im November 1996 versucht, eine interplanetare Sonde auf die Reise zu schicken. Doch auch bei Mars 96 gab es Probleme mit der Zündung des Antriebsmoduls; das Raumschiff stürzte in den Pazifik. Von den bislang knapp 20 russischen Mars-Sonden haben lediglich sechs ihr Ziel erreicht und nur zwei lieferten wie vorgesehen Daten.

Mit Phobos-Grunt sollte alles besser werden. Nach einem Jahrzehnt des Niedergangs, der geprägt war von Geldmangel und dem Exodus von Fachkräften, wollten die russischen Forscher nun wieder ganz vorne mitspielen: Phobos-Grunt ist nicht nur eine Marsmission, es wäre auch das erste Raumfahrzeug, das Bodenproben von einem fernen Mond zur Erde bringt.

Noch hat das Wissenschaftlerteam, an dem auch deutsche Planetenforscher und ihre Instrumente beteiligt sind, die Hoffnung nicht aufgegeben, in drei Jahren etwa 200 Gramm Gestein analysieren zu können. Dazu müssen sie Phobos-Grunt aber erst einmal dazu überreden, sich tatsächlich auf die Reise durchs All zu machen.