Raumfahrt Japanische Raumsonde "Hayabusa2" erreicht den Asteroiden Ryugu

Der Asteroid Ryugu, aufgenommen mit der ONC-T-Kamera der japanischen Raumsonde Hayabusa2 aus einer Entfernung von 22 Kilometern.

(Foto: AFP)
  • Bevor sich die Raumsonde weiter nähern und sogar Landeversuche unternehmen wird, ist zunächst ein Formationsflug in 20 Kilometern Entfernung geplant.
  • Aus sicherer Entfernung sollen Daten und Bilder gesammelt werden, während sich der Himmelskörper neben der Sonde um seine eigene Achse dreht.
  • Verläuft alles wie geplant, dann wird anschließend ein schuhkartongroßes Landemodul Anfang Oktober auf der Asteroidenoberfläche aufsetzen.
Von Alexander Stirn

Der Asteroid Ryugu, ein gerade einmal 900 Meter großer Brocken aus den Tiefen des Alls, hat seit Kurzem einen Begleiter - einen aus Metall und Drähten. Nach einer 3,2 Milliarden Kilometer langen Reise ist am Mittwoch die japanische Raumsonde Hayabusa 2 an dem eckigen Himmelskörper angekommen. Bevor sie sich weiter nähern und sogar Landeversuche unternehmen wird, ist zunächst allerdings ein Formationsflug in 20 Kilometern Entfernung geplant, teilte Japans Raumfahrtagentur Jaxa mit. Aus sicherer Entfernung sollen Daten und Bilder gesammelt werden, während sich der Himmelskörper neben der Sonde um seine eigene Achse dreht.

Die Aufnahmen werden auch in Bremen auf großes Interesse stoßen. Am dortigen Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist eine der Tochtersonden entwickelt worden, die gemeinsam mit Hayabusa 2 die dreieinhalb Jahre lange Reise angetreten haben. Verläuft alles wie geplant, dann wird sich Mascot, so der Name des schuhkartongroßen Landemoduls, Anfang Oktober von seiner Muttersonde lösen und wenig später auf der Asteroidenoberfläche aufsetzen.

Offenbar ist die Anziehungskraft des Himmelskörpers nicht überall zur Mitte hin ausgerichtet

Mindestens 16 Stunden lang soll Mascot dann von Ort zu Ort springen und bei seinen einzelnen Hüpfern bis zu 70 Meter zurücklegen - eine Premiere in der robotischen Raumfahrt, so das DLR. Von der ungewöhnlichen Art der Fortbewegung erhoffen sich die Forscher, in kurzer Zeit möglichst viele unterschiedliche Stellen erkunden zu können. Aus der Vielzahl der Daten wollen die Astronomen Rückschlüsse ziehen auf Beschaffenheit und Entstehung des Asteroiden - eines vermutlich 4,5 Milliarden Jahre alten Himmelskörpers aus den Anfangszeiten des Sonnensystems.

Bereits der erste Blick auf Ryugu hat die Forscher überrascht. Aufnahmen, die Hayabusa 2 aus 20 Kilometer Entfernung zur Erde gefunkt hat, zeigen einen eckigen, diamantähnlichen Brocken. Offenbar ist die Anziehungskraft des Himmelskörpers, die ohnehin nur einem 60 000stel des irdischen Werts entspricht, nicht überall zur Mitte hin ausgerichtet; es konnte keine Kugel entstehen. Hinzu kommen unzählige Einschläge anderer Brocken, die über die Oberfläche verteilt sind. All das macht die Arbeit der Bremer Forscher nicht einfacher. "Die wissenschaftlich überraschende Form von Ryugu und seine vielen Krater werden die Auswahl eines geeigneten Landeplatzes für Mascot spannend, aber auch herausfordernd gestalten", sagt DLR-Projektleiterin Tra-Mi Ho.

Bei der Erkundung des Asteroiden ist Mascot nicht auf sich alleine gestellt. Auch drei Mini-Rover, die in Japan entwickelt worden sind, sollen auf Ryugu abgesetzt werden und sich über die Oberfläche bewegen. Am Ende der Mission wird Hayabusa 2 den Asteroiden mit einem etwa sieben Kilogramm schweren Projektil aus Kupfer und Sprengstoff beschießen. Das dabei freigesetzte Material soll nicht nur optisch analysiert werden, die Sonde soll sich dem Krater, der beim Einschlag entstehen wird, auch nähern und Gestein einsaugen. Für Dezember 2019 ist der Rückflug in Richtung Heimat geplant - einschließlich der wertvollen Asteroidenfracht.

Für die Japaner ist es nicht der erste Versuch, extraterrestrische Bodenproben zurück zur Erde zu bringen. Bereits die Vorgängermission Hayabusa sollte im Jahr 2005 gleich zweimal Material des Asteroiden Itokawa einsaugen. Aufgrund großer technischer Probleme, die sowohl das Einsammeln als auch den Rückflug beinahe unmöglich gemacht hätten, gelang es allerdings nur, etwa 1500 Staubkörner zurück zur Erde zu bringen. Dieses Mal, so die Hoffnung der Japaner, soll die Ausbeute deutlich größer sein.

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