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Raumfahrt:Denkmalpflege auf dem Mond

Gleich 28 Teams von Wissenschaftlern und Ingenieuren versuchen derzeit, das erste private unbemannte Raumschiff zum Mond zu schicken. Dort könnten die Fahrzeuge Spuren und Geräte der "Apollo"-Missionen beschädigen, befürchtet die Nasa.

Vermutlich wird die Nasa nicht so schnell ein Raumschiff auf den Mond schicken. Trotzdem möchte die amerikanische Weltraumbehörde dem nächsten, der es schafft, ihre bürokratischen Weisungen mit auf den Weg geben. Angespornt von einem von Google ausgesetzten Preisgeld in Höhe von 30 Millionen Dollar, versuchen gerade 28 Teams im Rahmen des "Lunar X Prize", das erste private unbemannte Raumfahrzeug zum Mond zu schicken.

Mondauto der Apollo 17 Mission

Der Astronaut Eugene A. Cernan am 11.12.1972 im Mondauto. Die Nasa befürchtet, dass private Raumfahrzeuge das Erbe der "Apollo"-Missionen, also Spuren und Geräte, die die Astronauten auf der Mondoberfläche zurückgelassen haben, beschädigen könnten.

(Foto: Nasa/JSC)

Der Gewinner kassiert 20 Millionen Dollar, wenn sein Raumfahrzeug auf dem Mond landet, 500 Meter weit fährt und Fotos zur Erde funkt. Einen "Geschichtsbonus" von vier Millionen Dollar gibt es, wenn die Bilder Gerätschaften der sechs erfolgreichen Apollo-Missionen zum Mond zeigen, die Roboter also in deren Nähe landen.

Die Nasa sorgt sich, wie sie ihre rund 40 historisch wertvollen Artefakte auf dem Mond vor den Pionieren schützen kann, unter anderem die ersten Fußabdrücke, die Neil Armstrong 1969 im Mondstaub hinterließ. Noch in diesem Monat möchte die Nasa Richtlinien erlassen, die sie "Empfehlungen" nennt.

In einer frühen Version schlägt die Raumfahrtagentur vor, die X-Prize-Raumschiffe sollten sich den Apollo-Landeplätzen auf Tangenten nähern, damit sie nicht versehentlich in die Denkmäler krachen. Flugverbots- und Pufferzonen sollen eingehalten werden, um historische Ausrüstung wie den ersten Mondrover nicht mit Raketenabgasen oder Mondstaub zu bedecken. Mögliche Mondbesucher sollten zudem bitte gleich ein paar Forschungsaufträge erledigen, wenn sie schon mal dort sind.

So könnten die neuen Roboter Nahaufnahmen jener jahrzehntealten Spiegel schießen, mit denen Astronomen noch heute via Laser die Entfernung zum Mond messen. Oder die Neuankömmlinge könnten die Essensreste und Fäkalien untersuchen, welche die Apollo-Astronauten zurückließen. Die Nasa möchte wissen, ob in den Exkrementen noch Bakterien leben und wie die durch keine Atmosphäre abgeschwächte Strahlung diese verändert hat.

Es gibt noch viel zu entdecken

Rechtlich bindend ist das alles nicht, denn laut Weltraumvertrag von 1967 gehört der Mond niemandem. "Wir besitzen nicht einmal die Fußabdrücke der Apollo-Astronauten", sagt die Anthropologin Beth O'Leary, die schon vor zehn Jahren Regeln für lunare Denkmäler vorgeschlagen hatte, ohne auf viel Gehör zu stoßen.

Die Nasa hofft jetzt, dass viele Teams des X-Prize-Wettbewerbs die Richtlinien unterzeichnen. Die Regeln sollen klären, "wie wir die historischen Stätten erhalten und schützen können", sagt Robert Kelso, der sie erarbeitet hat.

"Es soll nicht dasselbe passieren wie in der Hütte von Robert Scott am Südpol", ergänzt Roger Launius, der am Washingtoner Luft- und Raumfahrtmuseum für Weltraumgeschichte zuständig ist. "Die Besucher nahmen Souvenirs aus der Hütte mit; erst als es schon zu spät war, versuchte man den Ort zu schützen."

Während die Nasa will, dass die Schauplätze der ersten und letzten bemannten Mondmissionen Apollo 11 und 17 ganz tabu bleiben, deutet sie zugleich an, dass bei historisch weniger bedeutsamen Landeplätzen noch viel zu entdecken sei. Fotos von alten Mondrovern etwa könnten zeigen, wie sehr kosmische Strahlung, Mikrometeoriten und Mondstaub den Gefährten über die Jahre zugesetzt haben.

Auch könne eine neue Landung klären, wie sehr die Sonne den Mondstaub aufwirbelt, in der Wissenschaft eine umstrittene Frage. Doch dafür bedarf es ausgefeilter Bildtechniken. Eine Nasa-Forscherin schlägt deshalb vor, Mondforscher in ein X-Prize-Team zu integrieren: "Das wäre sicher vorteilhaft - für beide Seiten."

Dieser Text erscheint heute in Sciencedem internationalen Wissenschaftsmagazin, herausgegeben von der AAAS. Weitere Informationen: www.sciencemag.org, www.aaas.org. Deutsche Bearbeitung: Christoph Behrens

© SZ vom 02.09.2011/mcs

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