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Software:Die KI, die die Pokerprofis abhängt

Poker-Turniere werden üblicherweise im Mehrspieler-Modus ausgetragen. Wer seinen Chipstapel los ist, fliegt raus. Sieger ist, wer am Ende alle Chips hat.

(Foto: John Locher/AP)
  • In nur wenigen Tagen hat sich eine KI-Software die Grundzüge des Pokerspiels beigebracht.
  • Einige weitere Tage trainierte sie gegen menschliche Gegner. Dann besiegte sie die Stars der Szene.
  • Zuvor hatten Computer bereits Schach und Go gemeistert.

Ein klassischer Pokerspruch lautet: Wenn du nach 20 Minuten nicht weißt, wer der Depp am Tisch ist, dann bist du es selbst. Der Satz soll Anfängern klarmachen: Poker ist kein reines Glücksspiel. Man kann es mehr oder weniger gut beherrschen. Und Könner merken, ob ein Anfänger mit am Tisch sitzt, den man früher oder später ausnehmen wird - oder ob ein noch besserer Spieler zwei Plätze weiter gefährlich werden kann.

"Lady Luck", wie die Amerikaner sagen, kann zwar phasenweise sehr ungleiche Karten austeilen, und, klar, vier Asse sind besser als eine Straße. So kann es durchaus passieren, dass ein blutiger Anfänger zwischendurch einen dicken Stapel Chips einschiebt. Doch über viele Spiele und längere Zeiträume hinweg wird die Glücksgöttin, so will es das mathematische Gesetz der großen Zahlen, alle Spieler gleich behandeln (außer es wird gemogelt). Und dann zeigt sich, wer Poker meistert. Es ist kein Wunder, dass in der internationalen Szene einige Spielernamen immer wieder auf vorderen Turnierrängen auftauchen.

Doch von nun an muss der Satz mit dem Deppen erweitert werden: Sobald Pluribus mitspielt, ist jeder andere ein Depp.

Künstliche Intelligenz Meister an allen Brettern
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Schach, Go und das japanische Shogi: Die Software AlphaZero spielt sie besser als jeder Mensch und jeder Computer vor ihr. Dabei hat sie sich die Spiele selbst beigebracht.   Von Patrick Illinger

Pluribus ist eine Software. Sie wurde von Forschern der amerikanischen Carnegie Mellon University in Pittsburgh sowie dem KI-Labor von Facebook in New York erschaffen. In einem 10 000 Runden dauernden Pokermarathon besiegte der Algorithmus mehr als ein Dutzend internationale Pokerprofis, von denen jeweils fünf gleichzeitig gegen die Maschine antraten. Unter ihnen waren Poker-Legenden wie Chris Ferguson, den die Szene wegen seiner Haarpracht "Jesus" nennt, und Darren Elias, der bereits viermal die World Poker Tour gewonnen hat.

Eine von denselben Forschern entwickelte KI namens Libratus war bereits 2017 im Poker erfolgreich - allerdings nur im Eins-zu-Eins-Wettkampf, dem Heads-up. Pluribus bewies seine Dominanz nun in Mehrspieler-Partien gegen fünf menschliche Profis gleichzeitig. Wie Pluribus seine Poker-Fähigkeiten erlangt hat, beschrieben die Computerexperten in der vergangenen Woche in Science.

Ein wesentlicher Unterschied zu Schach, Dame oder Go ist die Unvollständigkeit der Information

Ein wesentlicher Unterschied zu Schach, Dame oder Go besteht in der Unvollständigkeit der Information. Die Brettspiele, bei denen die gesamte Stellung für alle sichtbar ist, lassen sich - zumindest theoretisch - mit genügend Rechenkraft vollständig durchkalkulieren. Im Poker gibt es unbekannte Information, allem voran die Karten der Gegner. Auch kommen bei der meistgespielten Poker-Variante Texas Hold'em nach und nach einige weitere Karten ins Spiel, während man bereits die ersten Setzrunden absolviert.