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Physik:Einsteins Triumph - 100 Jahre Allgemeine Relativitätstheorie

Albert Einstein

Eine der berühmtesten Aufnahmen Albert Einsteins.

(Foto: dpa)

Vor 100 Jahren veröffentlichte Albert Einstein seine Allgemeine Relativitätstheorie. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr gelingt der Nachweis der von ihr vorhergesagten Gravitationswellen.

Albert Einstein hat genau heute vor 100 Jahren im Fachblatt Annalen der Physik seine Allgemeine Relativitätstheorie veröffentlicht. Einsteins Manuskript erreichte den Verlag bereits am 20. März 1916. Die Ausgabe mit dem Beitrag erschien am 11. Mai 1916. Mit der Veröffentlichung revolutionierte der Wissenschaftler das Weltbild der Physik - auch wenn das nicht sofort klar war.

Den Kern seiner Theorie hatte Einstein bereits ein paar Monate vor der Veröffentlichung in den Annalen an der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin vorgestellt.

Bereits zehn Jahre zuvor hatte Einstein seine Spezielle Relativitätstheorie veröffentlicht. Sie besagt, dass sich Raum und Zeit nicht getrennt voneinander messen lassen. In seine Allgemeine Relativitätstheorie bezog Einstein die Schwerkraft mit ein. Die Theorie besagt, dass die Raumzeit durch Masse verzerrt wird - ähnlich wie etwa eine Bowling-Kugel ein Trampolin einbeult. Dieser Effekt ist umso stärker, je größer die Masse ist. Der Theorie zufolge wird durch die Verkrümmung der Raumzeit auch das Licht messbar abgelenkt, wenn sein Weg an einer großen Masse wie der Sonne vorbei führt. Die korrekte Vorhersage dieser Ablenkung machte Einstein vier Jahre später auf einen Schlag weltberühmt.

"Ich denke, er würde sich freuen, dass er in beiden Punkten unrecht hatte."

Immer wieder haben sich Einsteins Vorhersagen in der Realität bestätigt. Im Jubiläumsjahr krönt nun der erste direkte Nachweis sogenannter Gravitationswellen die Allgemeine Relativitätstheorie. Die Wellen werden der Theorie zufolge von Massen erzeugt, wenn diese sich bewegen, und verzerren den Raum selbst. Das gerade aufgerüstete Ligo-Observatorium in den USA konnte erstmals Gravitationswellen auffangen, sehr wahrscheinlich stammen sie von zwei Schwarzen Löchern, die in rund 1,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung von der Erde verschmolzen waren.

"Das ist mit Sicherheit der Beginn einer neuen Ära in der Astronomie", urteilte der Direktor am Albert-Einstein-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Potsdam und Hannover, Prof. Bruce Allen, bei der Präsentation der Entdeckung im Februar. An Allens Institut, das an der internationalen Ligo-Kooperation beteiligt ist, war das Signal zuerst bemerkt worden.

Die Allgemeine Relativitätstheorie hat sich damit selbst dort als erfolgreich erwiesen, wo ihr Entdecker es nicht für möglich hielt. "Einstein hat nicht geglaubt, dass man Gravitationswellen jemals nachweisen können wird, und er hat nicht an Schwarze Löcher geglaubt", sagt Allen. "Ich denke, er würde sich freuen, dass er in beiden Punkten unrecht hatte."

© SZ.de/dpa/fehu
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