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Photovoltaik:So bombastisch sieht die Zukunft der Solarenergie aus

Solarstrom wird heute an den ungewöhnlichsten Orten gewonnen. Diese sieben Projekte zeigen, was die Technologie bewirken kann.

Von Christoph Behrens

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Energieautarkie für Großprojekte

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Quelle: Cochin International Airport

Die Strommenge von 100 Atomreaktoren soll in Indien künftig die Sonne liefern. Dieses Ziel, 100 Gigawatt Solarstrom, hat sich das Land bis 2022 gesteckt. Der Flughafen der Stadt Cochin im Bundesstaat Kerala ist da auf einem guten Weg: Auf einer Fläche von 50 Hektar liefern Tausende Solarpanele seit einigen Monaten genug Strom, um sämtliche Terminals zu versorgen. Jede Woche starten und landen in Cochin etwa 1000 Maschinen.

Mit zwölf Megawatt Leistung wird der Flughafen damit laut dem Solaranbieter Bosch "netzneutral", das heißt er speist etwa die gleiche Menge Strom ins Netz ein, wie er für den Verbrauch entnimmt. Ganz unabhängig von der Außenwelt ist der Flughafen damit noch nicht - falls die Sonne nicht scheint, muss Strom hinzugekauft werden. Die Stromrechnung sinkt dennoch ganz erheblich. Rund 8,5 Millionen Euro habe die Anlage gekostet, sagte der Flughafenchef der BBC. Innerhalb von sechs Jahren will er das Geld wieder eingespart haben. Andere indische Flughäfen hätten sich bereits nach dem Konzept erkundigt.

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Upgrade für alte Infrastruktur

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Quelle: Commission Air Ltd; Network Rail

4400 Solarpanele zieren das Dach der Blackfriars-Brücke in London seit Anfang 2014. Die 1886 errichtete Eisenbahnbrücke über die Themse liefert bei maximaler Sonneneinstrahlung nun etwa die Hälfte des Strombedarfs des gleichnamigen Bahnhofs.

"Elektrisch betriebene Züge sind bereits die grünste Form des öffentlichen Verkehrs", sagte David Statham, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, bei der Eröffnung. Das Dach sorge nun für eine "noch nachhaltigere Reise". Die Solarbrücke spart laut Hersteller im Vergleich zu fossilen Energieträgern etwa eine halbe Million Tonnen CO₂ pro Jahr.

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Solare Bettenburg

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Quelle: China.org

Schön anzusehen? Das ist bei diesem Bürogebäude im chinesischen Dezhou wohl Geschmackssache. Immerhin ist das "Riyuetan-Weipai Building" in der nordöstlichen Küstenprovinz Shandong mit einer Fläche von 75 000 Quadratmetern das größte solarbetriebene Gebäude der Welt. Die Energie für Warmwasser, Heizung und Klimaanlage liefern Photovoltaik-Module auf dem bogenförmigen Dach. Ein Teil des Bollwerks ist ein Hotel.

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Schwimmende Kraftwerke

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Quelle: Kyocera

Im japanischen Yamakura-Stausee baut die Firma Kyocera seit Anfang diesen Jahres am größten schwimmenden Solarpark der Welt. 51 000 Solarmodule sollen ab 2018 rund 14 Megawatt Strom liefern, das reicht für etwa 5000 Haushalte.

Nach dem Reaktorunglück von Fukushima 2011 hat Japan alle Atomreaktoren abgeschaltet. Der Preis dafür ist hoch: 2014 kaufte das Land 90 Prozent der benötigten Energie in Form von Öl und Gas im Ausland ein. Erst langsam löst sich Tokio mithilfe erneuerbarer Energien aus der Abhängigkeit. Da die Fläche für den Photovoltaik-Ausbau immer knapper wird, weichen Solaranbieter zunehmend auf Gewässer aus. Vergangenes Jahr hat Kyocera drei solcher schwimmenden Kraftwerke in Betrieb genommen. In Großbritannien, Indien und Brasilien gibt es ähnliche Versuche, vorwiegend auf Stauseen.

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Erneuerbare Energie als Mittel der Außenpolitik

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Quelle: Quaid-e-Azam Solar Power (Pvt.) Limited

Gerade in abgelegenen Regionen könnten erneuerbare Energien womöglich die größten Zuwachsraten in den nächsten Jahren erzielen. So haben in Indien über 300 Millionen Menschen noch überhaupt keinen Stromanschluss. "In abgelegenen Gebieten sind dezentrale Lösungen mit Wind oder Sonne oft schon günstiger als fossile Energieträger", sagt Manfred Fischedick, Energieexperte am Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie.

So ist es nicht verwunderlich, dass in einer recht abgelegenen Ecke der pakistanischen Provinz Punjab derzeit eine der größten Solarfarmen der Welt entsteht. Die chinesische Firma Xinjiang SunOasis hat die Module für die ersten 100 Megawatt des "Quaid-e-Azam Solar Power Parks" innerhalb von drei Monaten hochgezogen, zu einem Preis von umgerechnet 115 Millionen Euro. Schon 2017 sollen es zehn Mal so viele Solarmodule sein, insgesamt fünf Millionen Stück. Das ist genug, um 300 000 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Für China sind diese Infrastrukturprojekte zugleich ein Werkzeug der Außenpolitik geworden. Der Solarpark ist Teil des geplanten "chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridors", einer neuen Handelsroute, die von China über Pakistan zum Indischen Ozean führen soll. Investitionen von 47 Milliarden US-Dollar wurden zwischen den Staaten vereinbart, der gemeinsame Rivale Indien wird größtenteils umgangen.

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Sonnenstrom als Lückenfüller

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Quelle: Enfinity / Infrabel

Gegen die asiatische Megalomanie nimmt sich dieser Zugtunnel zwischen Holland und Belgien bescheiden aus: Auf einer Strecke von 3,5 Kilometern hat der belgische Eisenbahnnetzbetreiber Infrabel 16 000 Solarmodule installieren lassen.

Für den Schienenverkehr sei Photovoltaik eine gute Ergänzung, sagte ein Sprecher des Solaranbieters Enfinity dem britischen Guardian. Die Panele könnten ungenutzte Flächen aufwerten, zudem drohten keine Proteste von Anwohnern wie etwa bei der Planung von Windrädern. Infrabel sieht den Verkauf von Solarstrom nach eigenem Bekunden als vielversprechende neue Einnahmequelle.

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Alternativen zur Photovoltaik

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Quelle: Fadel Senna/AFP

Die Solaranlage Noor in Marokko erstreckt sich derzeit auf einer Fläche von über 2000 Fußballfeldern. 537 000 Parabolspiegel bündeln das Sonnenlicht auf Leitungen, in denen ein synthetisches Ölgemisch fließt. Die Flüssigkeit wird erhitzt und bringt über einen Wärmetauscher Wasser zum Verdampfen. Der Dampf treibt wiederum einen Generator an.

Noor nutzt damit keine Photovoltaik, also die direkte Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, sondern gehört in die Kategorie Solarthermie, da zunächst Hitze erzeugt wird. Die Parabolrinnen-Technik funktioniert nur in Gegenden mit konstant hoher Sonneneinstrahlung wie dem Maghreb. In kleinerer Dimension könnte die Technologie aber auch für Europa interessant werden.

© SZ.de/beu

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