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Ölkatastrophe im Golf von Mexiko:Auf die Entlastungsbohrungen kommt es an

Ein Zylinder soll das Öl stoppen, das aus dem Bohrloch im Golf von Mexiko sprudelt. Doch nur eine der Entlastungsbohrungen kann das Ende der Ölpest bringen.

Christopher Schrader

München - Techniker des Konzerns BP haben einen Absaugstutzen auf dem Förderrohr entfernt, und durch einen besser passenden, 100 Tonnen schweren Zylinder ersetzt.

Entlastungsbohrungen Golf von Mexiko

Die Entlastungsbohrungen im Golf von Mexiko. Die Ingenieure von BP müssen mitten im Erdreich die außer Kontrolle geratene Macondo-Bohrung treffen.

(Foto: SZ-Grafik: Ilona Burgarth; Quelle: BP)

Das fesselt zwar die Aufmerksamkeit der Medien, doch noch ist unklar, ob die Operation "Top Hat 10" erfolgreich ist. Und im Kampf gegen die Ölpest ist dieser Stutzen auch nur von untergeordneter Bedeutung.

Ziel ist, das Loch zu stopfen und irgendwann die Quelle wieder unter Kontrolle zu bringen. Für diesen Zweck ruhen alle Hoffnungen auf dem Bohrschiff Development Driller III.

Dieses Schiff treibt seit dem 2. Mai eine Entlastungsbohrung in den Meeresboden. Zunächst ging es 850 Meter vom Macondo-Loch entfernt 1500 Meter nach unten. Dann knickte der Kanal schräg ab und näherte sich dem ursprünglichen Bohrloch auf sechs Meter, um danach wieder senkrecht nach unten zu gehen.

Der Bohrkopf stand zuletzt nach vier Kilometern durchfressenem Fels bei 5428 Metern Tiefe noch 4,5 Meter vom Unglücksloch entfernt. Etwa 60 Meter tiefer soll es noch gehen, bevor die Ingenieure zur Seite steuern, um das Krisenbohrloch zu treffen. Sie liegen etwa eine Woche vor dem Zeitplan, schätzen aber, dass sie Mitte August fertig sind; das sagen Experten seit Anfang Mai.

Die schwierigste Aufgabe steht den Ingenieuren auf der Development Driller III noch bevor: Sie müssen mitten im Erdreich die außer Kontrolle geratene Macondo-Bohrung treffen. Diese ist in jener Tiefe nicht ganz 18 Zentimeter dick. Dazu müssen die Experten wissen, wo ihr eigener, diamantbesetzter Bohrkopf gerade rotiert.

Beschleunigungsmesser haben jede seiner Bewegungen aufgezeichnet und verraten dem Team die Position bis auf wenige Meter genau. Präzisere Daten liefern elektromagnetische Messungen. Dazu setzen die Mitarbeiter das Metall der Macondo-Bohrung unter Strom. So bildet sich ein Magnetfeld, das Instrumente im Entlastungskanal anpeilen.

Das wiederholt sich nun alle fünf Meter. Zunächst haben die BP-Leute ihren Bohrer angehalten, zurückgezogen, den Magnetdetektor installiert und die Position bestimmt; es kostete jedes Mal zwei Tage. Inzwischen benutzt das Team einen Doppelsensor direkt im Drillstrang; jetzt dauern die Messungen nur einen halben Tag und zeigen präziser, wo der Bohrkopf relativ zum 18-Zentimeter-Ziel steht. Die Ingenieure wollen die sprudelnde Quelle unmittelbar über dem Ölreservoir in dessen Deckschicht anstechen.

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