Mexikos Ex-Präsident Fox Vom Broccoli-Bauern zum Cannabis-Aktivisten

Die Freigabe von Drogen gilt zahlreichen Experten als Wunderwaffe im Kampf gegen die Gewalt in Lateinamerika. Mexikos Ex-Präsident Fox ist einer der rührigsten Streiter für eine Legalisierung. Kritiker vermuten dahinter handfeste wirtschaftliche Interessen.

Vicente Fox war schon immer Landwirt. Die Familie des ehemaligen mexikanischen Präsidenten baut auf ihren Ländereien im Bundesstaat Guanajuato Broccoli, Kohl und andere Gemüsesorten an. Seit einiger Zeit gilt das Interesse des hochgewachsenen Farmers allerdings einer anderen Pflanze: Cannabis.

Während seiner Präsidentschaft von 2000 bis 2006 war die Legalisierung von Marihuana für Fox kein Thema. Mittlerweile hat sich der frühere Staatschef aber zu einem entschlossenen Aktivisten entwickelt. Am Wochenende lud Fox zu einem Symposium zur Legalisierung der Droge auf seine Ranch San Cristóbal del Rincón.

Zahlreichen Fachleuten gilt die Freigabe von Rauschgift als einfaches und effizientes Instrument im Kampf gegen die Drogenkriminalität. Bereits im Mai hatte eine Arbeitsgruppe der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) ein Papier vorgelegt, in dem unter anderem eine Legalisierung des Konsums zur Debatte gestellt wird.

Die Idee dahinter: Wenn Drogen nicht mehr verboten sind, sinkt die Gewinnspanne für die Kartelle und der Handel mit Rauschgift wird weniger attraktiv. Experten hoffen, so die endemische Gewalt in Mexiko und Mittelamerika eindämmen zu können.

Fox ist nicht der erste lateinamerikanische Ex-Präsident, der sich für die Freigabe von Marihuana erwärmen kann. Auch sein Vorgänger Ernesto Zedillo, der Brasilianer Fernando Henrique Cardoso und der Kolumbianer César Gaviria unterstützen den Vorschlag.

Der Mexikaner mit seinem Hang zur Polemik ist allerdings der rührigste der prominenten Legalisierungsbefürworter. Im Falle einer Freigabe würde er sogar selbst Cannabis anbauen, sagte Fox kürzlich auf die Frage eines Journalisten. "Wenn es legal wäre, klar. Ich bin Landwirt."

Der kontrollierte Anbau von Drogen würde den Kriminellen Millionen von Dollar entziehen, sagte Fox. Dieses Geld könnte von Unternehmern statt von Drogenbossen verdient werden. Kritiker wie der Vertreter des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Mexiko, Antonio Mazzitelli, vermuten hinter den Legalisierungsbemühungen deshalb auch handfeste wirtschaftliche Interessen. Bereits jetzt würden Investitionen für das neue Geschäft mit Marihuana eingesammelt, sagt Mazzitelli.

Die Legalisierung des Cannabis-Konsums in den US-Bundesstaaten Colorado und Washington sowie der jüngste OAS-Bericht haben der Debatte nach Einschätzung des Drogen- und Sicherheitsexperten Jorge Chabat vom mexikanischen Forschungsinstitut Cide neuen Schwung verliehen.

"Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Marihuana noch vor Ende dieses Jahrzehnts in praktisch allen Ländern der Welt legal sein wird", sagt Chabat. Sollte er recht behalten, könnten auf Fox' Feldern in Guanajuato neben Broccoli und Kohl schon bald Cannabis-Pflanzen sprießen.