bedeckt München 12°

Klimakrise:Klimakiller Kondensstreifen

Kondensstreifen

Flugzeuge sind zwar viel sparsamer geworden, doch konnte das bislang den enormen Zuwachs im Luftverkehr nicht ausgleichen.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Der Luftverkehr trägt 3,5 Prozent zur globalen Erwärmung bei. Dabei machen die CO₂-Emissionen nicht den größten Effekt aus.

Von Marlene Weiß

In einer umfassenden Arbeit haben Forscher analysiert, wie sich der Luftverkehr auf den Klimawandel auswirkt. Das Ergebnis der Studie, an der auch das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt war: Von 1940 bis 2018 hat die Branche 32,6 Milliarden Tonnen CO₂ emittiert, etwa so viel, wie die Menschheit derzeit pro Jahr durch die Nutzung aller fossilen Brennstoffe ausstößt.

Das ist jedoch nur ein Bruchteil der gesamten Klimawirkung des Fliegens: Auch Kondensstreifen und die zerfaserten Zirruswolken, die sie hinterlassen, tragen dazu bei, weil sie Wärmestrahlung zur Erde zurückwerfen. Hinzu kommen Stickoxide, die unter anderem zur Ozonbildung führen und ebenfalls den Treibhauseffekt verstärken, sowie diverse Aerosole, die teils wärmend, teils kühlend wirken. Unter dem Strich ist der Einfluss dieser Effekte rund doppelt so groß wie jener von CO₂ allein. Damit, so die Forscher um David Lee von der Manchester Metropolitan University, habe die Luftfahrt insgesamt bislang rund 3,5 Prozent zur globalen Erwärmung beigetragen.

Die Unsicherheiten sind allerdings groß, vor allem, was die Effekte jenseits von CO₂ betrifft. Nicht ganz einfach ist es auch, den jährlich neu angerichteten Schaden durch die Fliegerei zu beziffern. Bis zum Beginn der aktuellen Pandemie, die zu einem heftigen Einbruch des weltweiten Luftverkehrs geführt hat, stiegen die Emissionen der Branche rasant an, auf rund eine Milliarde Tonnen CO₂ im Jahr 2018, etwa drei Prozent der gesamten weltweiten fossilen Emissionen. Zusammen mit den Nicht-CO₂-Effekten kommt das Team um Lee jedoch sogar auf etwa das dreifache CO₂-Äquivalent. Allerdings hängt der angerichtete Schaden davon ab, welchen Zeithorizont man betrachtet: Während das emittierte CO₂ jahrhundertelang in der Atmosphäre verbleibt, halten sich Kondensstreifen nur ein paar Stunden am Himmel.

Zwar sind Flugzeuge viel sparsamer geworden, aber das konnte nicht den enormen Zuwachs im Luftverkehr ausgleichen. Seit dem Jahr 2000 haben sich die geflogenen Kilometer aller Passagiere weit mehr als verdoppelt. Rund die Hälfte des gesamten CO₂-Ausstoßes in der Geschichte der Luftfahrt kam laut der Studie in den vergangenen zwanzig Jahren zusammen.

Die Studie zeigt auch, wie weit der Weg zum klimaneutralen Fliegen noch ist: Biotreibstoffe ermöglichen zwar CO₂-neutrale Flüge und können auch die Rußemissionen verringern, aber ein erheblicher Teil der Treibhauswirkung bleibt. Neue Antriebe könnten einen Ausweg bieten. Das DLR forscht zudem an Verfahren zur Optimierung von Flugrouten, sodass auch bei herkömmlichen Flügen weniger Kondensstreifen entstehen.

© SZ
rays of light 01, sw

SZ PlusKlimaforschung
:Dem Himmel so nah

Wolken kommunizieren miteinander, haben einen Tag-Nacht-Rhythmus und einen sensiblen Charakter. Ihre Launen und Eigenheiten könnten über die Zukunft der Menschen unten auf der Erde entscheiden.

Text: Marlene Weiß, Fotos: Thomas Finkler

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite