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Lederindustrie:Gift auf unserer Haut

Schuhe sind für viele Menschen Wegwerfprodukte. Einige Manufakturen wollen gegensteuern.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bis zu 20 Kilo Chemie benötigt die Haut eines Bullen, bis sie tragbar ist: In vielen Schuhen und Taschen aus Leder stecken Giftstoffe. Ökopioniere suchen nach Alternativen.

Von natur-Autorin Kristin Oeing

Schwallweise strömt schmutziges Waschwasser aus einem riesigen Fass heraus. Graue Schaumkronen schieben sich einige Meter über den Boden, bevor sie in einen breiten Abfluss sickern. Es sind die Überreste von Blut, Dung und Schmutz, die da über den nackten Betonboden der Lederfabrik Heinen im nordrhein-westfälischen Wegberg fließen. Die jahrzehntelange schwere Arbeit hat in der Produktionshalle ihre Spuren hinterlassen, Fenster sind zerbrochen, Putz bröckelt von den Wänden, in die Metallgegenstände frisst sich der Rost.

Der kühle Wind, der durch das weit geöffnete Tor von draußen hereinweht, kann den Geruch von totem Tier, nassem Fell und Chemikalien nicht vertreiben. An schweren Klammern werden triefende Tierhäute durch die Halle gezogen. 40 Kilo wiegt die Haut eines Bullen, bis zu 20 Kilo Chemie benötigt sie, bis sie tragbar ist. Naturfett und Eiweiß müssen aus der Haut herausgewaschen, die Haare entfernt, Schwanzwurzel, Bauchnabel, Kniescheiben abgetrennt werden. Dann erst beginnt das Gerben, jener Prozess, der die Haut haltbar macht.

Aus natur 01/2016

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  • natur 01/2016

    Der Text stammt aus der Januar-Ausgabe von natur, dem Magazin für Natur, Umwelt und nachhaltiges Leben. Er erscheint hier in einer Kooperation. Mehr aktuelle Themen aus dem Heft 01/2016 auf natur.de...

Dieses schmutzige Traditionshandwerk ist hierzulande fast ausgestorben. Die Globalisierung der Märkte, der Wettlauf um die niedrigsten Kosten und strenge Umweltauflagen haben Deutschland als teuren Herstellungsstandort ins Abseits katapultiert. Die Schuhproduktion hat sich längst ins Ausland verlagert, nur wenige Gerber können mit den Billiglohnländern in Fernost konkurrieren. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Industrie spricht von einem "gravierenden Schrumpfungsprozess", den die deutsche Lederindustrie in den letzten Jahrzehnten durchlaufen hat. Von den 173 Betrieben zum Jahresende 1970 sank die Zahl bis 2014 auf 18, mehr als 10 000 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Der Grund dafür liegt jedoch nicht in der abnehmenden Beliebtheit von Lederwaren. Im Gegenteil, Deutschlands Lederimporte wachsen, die Einfuhrzahlen überstiegen die Ausfuhren im vergangenen Jahr fast um das Doppelte.

Die Gefahr lauert im Produktionsprozess

So bringt es dem Konsumenten hierzulande wenig, dass die deutsche Lederindustrie aufgrund der strengen Gesetzgebung und der weitreichenden Umweltauflagen zu den saubersten der Welt gehört. Denn die Gefahr lauert im Produktionsprozess. Stoffe, die beim unsachgemäßen Gerben entstehen, gefährden nicht nur die Gesundheit der Arbeiter, sondern auch die der Konsumenten. Vor allem in Billiglohnländern, in denen der Preiskampf tobt, schwelt die Gefahr. Deutschland zeigt sich davon unbeeindruckt und importiert fast die Hälfte seiner Leder und Lederwaren aus China, Vietnam und Indien - drei Länder, die nicht unbedingt für gute Umweltschutz- und Arbeitsbedingungen bekannt sind.

Immer wieder prangern Tier- und Menschenrechtsorganisationen die Lederindustrie in Fernost an. Vor zwei Jahren zeigte die ZDF-Dokumentation "Gift auf unserer Haut" erschreckende Bilder: Arbeiter in Bangladesch, die knietief in der giftigen Brühe aus Chrom und krebserregenden Säuren stehen, Tiere, abgemagert und erschöpft, mit gebrochenen Schwänzen, und giftige Abwässer, die aus dem Fluss in einem Gerberviertel eine tödliche Kloake machen und ungefiltert in die Flüsse geleitet werden. Trotzdem importierte Deutschland im gleichen Jahr Leder und Lederwaren im Wert von gut 63 Millionen Euro aus Bangladesch, ein Umsatzplus von knapp 30 Prozent zum Vorjahr.

Thomas Heinen, 44, kennt die schlechten Arbeits- und Produktionsbedingungen in den Billiglohnländern. Der stattliche Mann leitet die Lederfabrik Heinen in der vierten Generation. Es ist die letzte vollstufige Oberledergerberei in Deutschland, also eine, in der die Mitarbeiter die rohe Haut bis zum fertigen Schuhleder verarbeiten. Etwa 200 000 Tierhäute pro Jahr. Die Bilder aus Bangladesch zerren am Vertrauen der Verbraucher, umso wichtiger ist dem Geschäftsführer und seinen Kunden Transparenz. "Das Gerben ist ein schmutziges Handwerk", sagt er, "extrem chemie- und wasserintensiv." Daran kann auch Heinen wenig ändern, "aber man kann vieles besser und sauberer machen".

Taschen und Schuhe - für die meisten Wegwerfprodukte

Schon beim Einkauf steht für den Gerber die Qualität und nicht der Preis im Vordergrund. "Unsere Häute kaufen wir in Deutschland und den angrenzenden Ländern." Ware aus Übersee vertraut er nicht. Gleiches gilt für Flüssigchemikalien, die er aus Zentraleuropa bezieht und die über Pumpen direkt in die Produktion eingeleitet werden. So kommt kein Mitarbeiter mit dem gefährlichen Inhalt in Berührung. Bei der Stromerzeugung setzt die Lederfabrik zum Teil auf eigene Blockheizkraftwerke und nutzt die dabei entstehende Wärme für das Trocknen des Leders. Etwa 2000 Häute baumeln von der Decke im Trockenraum.

Und das Engagement schlägt sich auch in Zahlen nieder: Innerhalb von fünf Jahren konnte nach eigenen Angaben der Energieverbrauch um 15 Prozent, der CO2-Ausstoß um 50 Prozent gesenkt werden. Internationale Auszeichnungen und Zertifikate schmücken den Namen des Traditionsbetriebs. "Wir versuchen, ein ökologisch sehr hohes Level zu fahren, das aber auch noch verkaufsfähig ist. Wir könnten nochmal alles umbauen und den I-Punkt auf den I-Punkt setzen, aber dann bin ich als Gerber tot." Wie so viele vor ihm.

Taschen und Schuhe sind für die meisten Menschen Wegwerfprodukte. In den Geschäften reihen sich hunderte Modelle aneinander. Eine Saison sollen die neuen Schuhe halten, vielleicht noch eine zweite, dann landen sie sowieso im Müll. Die Risiken für Mensch und Umwelt, die im unsachgemäß hergestellten Leder lauern, blenden viele Kunden aus. Kleinste Fehler in der Herstellung schaden dem Ökosystem auf Jahre oder sorgen, wie in Bangladesch, für giftige Tümpel, die den Tod in die Nachbarschaft tragen. Auch in den Lederprodukten selbst können giftige Stoffe entstehen, die schwere Allergien oder sogar Krebs auslösen. Doch woran erkenne ich einen krankmachenden Schuh? Die Antwort lautet: Gar nicht. Und genau da liegt das Problem. Offizielle Etiketten, die Angaben über die Herkunft der Tierhäute, den Ort oder die Art der Gerbung geben, gibt es nicht - egal, ob billige Galoschen oder teure Designerstiefel. Selbst Händlern und Vertragspartnern ist es bislang fast unmöglich, die Zulieferkette, die zahlreichen Vorlieferanten und die Produktionswege ihrer Waren nachzuvollziehen.

Problemstoffe im Leder

Der Verband der Deutschen Lederindustrie poche schon lange auf eine Herkunftsbezeichnung für Lederprodukte, sagt Thomas Schroer, Geschäftsführer des Deutschen Lederverbands, doch der Gegenwind sei zu stark. "Es würde ja schon helfen, wenn zumindest Produkte aus Europa als solche gekennzeichnet würden", aber nicht einmal darauf könne man sich einigen. Es gebe viele Parteien, die an einem reibungslosen Geschäft interessiert sind, nicht zuletzt auch Ministerien und die Europäische Union. Das Risiko trägt der Verbraucher - im wahrsten Sinne des Wortes. Doch der ist ahnungslos.

Das Landeslabor Berlin-Brandenburg versucht gegenzusteuern. Auf den Tischen des militärgrünen Baus unweit des Berliner Hauptbahnhofs stapeln sich Schuhe, Portemonnaies und Badelatschen in grauen Kartons, viele noch originalverpackt. Chemiker Mike Neumann hält einen Kinderschuh in die Luft, die Nähte wurden aufgeschnitten, Teile des Innenleders und der Sohle entfernt. In der Regel bestehen Lederartikel aus verschiedenen Teilstücken, die separat produziert und dementsprechend auch untersucht werden müssen. "Unser Augenmerk liegt auf den Stellen, die Körperkontakt haben."

Die Problemstoffe im Leder tragen teils unaussprechliche Namen wie Dimethylfumarat oder Alkylphenolethoxylate. Doch der Schwerpunkt ihrer Untersuchungen, so Mike Neumann, beziehe sich immer noch auf Chrom VI, das nicht nur Allergien auslöse, sondern in höheren Dosen und bei dauerhaftem Hautkontakt auch als krebserregend und akut toxisch gilt. Auf der Ablage stehen Glaskolben mit rosafarbener Flüssigkeit, mal farbintensiver, mal schwächer. "Je pinkfarbener, desto mehr Chrom VI war in der Probe", erklärt Neumann. "Die da", sagt er und zeigt auf eine kräftig pinke Probe, "hat die Grenzwerte deutlich überschritten, aber so große Ausbrecher sind selten." Am Bundesinstitut für Risikobewertung schätzt man, dass mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland empfindlich auf Chrom VI reagieren.

Ein Viertel der Produkte enthält zu viel Chrom VI

Auf die Frage, worauf die Labormitarbeiter beim Schuh- und Taschenkauf achten, lachen sie. Es gibt keinen Schnelltest, ein optisches Urteil sei unmöglich. Aber wenn ein Produkt schon künstlich und nach Chemie rieche, sagt eine Laborantin, lasse man besser die Finger davon. Im Jahresbericht schreibt das Landeslabor: "Verbraucher haben keine Möglichkeit, die Qualität der Gerbung anhand äußerer Parameter wie Geruch, Griff, Rückstellvermögen oder Ähnlichem zu beurteilen. Da die verschiedenen Produktionsstufen eines Erzeugnisses oft international verflochten sind, lassen sich auch keine Empfehlungen für einen gezielten Einkauf geben." Das klingt nicht gerade vielversprechend.

Vor allem nicht, wenn man die Zahlen kennt. Im Jahr 2013 wurden im Landeslabor insgesamt 84 Lederproben untersucht, ein Viertel davon hatte die Höchstmenge an Chrom VI überschritten, die derzeit bei drei Milligramm je Kilogramm Leder liegt. "Die Kontrollen stellen nur Stichproben dar", sagt Neumann. "Für Personen, die gegen Chrom VI sensibilisiert sind, ist es daher ratsam, chromgegerbte Leder konsequent zu meiden und zum Beispiel auf rein pflanzlich gegerbte Leder auszuweichen."

"Stand der Technik seit Jahrzehnten"

Gerber Thomas Heinen ärgert die Chrom VI-Diskussion, "weil es giftig und deswegen längst verboten ist". In Deutschland gilt bereits seit 2006 ein Verbot von sechswertigem Chrom oberhalb der Grenzwerte und jeder Gerber sollte wissen, wie er die Entstehung des gesundheitsgefährdenden Stoffes verhindern kann. Chrom gibt es in zwei Oxidationsstufen. Chrom III, das bei der Gerbung eingesetzt wird, kann Sauerstoffgruppen anziehen und dadurch zu Chrom VI werden. Das müsse der Gerber vermeiden, sagt Heinen. "Daher setzen wir der Haut Produkte zu, die frei werdende Sauerstoffgruppen einfangen", erklärt er. "Das ist kein Hightech der Firma Heinen, sondern Stand der Technik seit Jahrzehnten." Das Problem: Nicht jeder wendet die Technik ordnungsgemäß an.

Der Gesetzgeber muss eine Kennzeichnungspflicht einführen, findet der Gerber, dann könnten die Kunden selbst entscheiden, ob sie Schuhe für 9,99 Euro aus Bangladesch kaufen wollen. Doch kurzfristig werde das nicht geschehen. "Es bestehen zu viele unterschiedliche Interessen, zumal viele Händler gar nicht sagen können, wo die Materialien für ihre Schuhe herkommen." Heinen jedoch weiß es und hat das Label Terracare ins Leben gerufen. "Es steht für deutsche Handwerkskunst, die hohe Umwelt- und Sozialstandards erfüllt." Doch statt jubelnder Händler traf er auf Skepsis. "Bei keinem bin ich der alleinige Lieferant", gibt der Gerber zu bedenken. "Modell Anton steht mit seinem Terracare-Etikett dann zwar gut da, aber Berta daneben schneidet ohne Herkunftsnachweis dementsprechend schlecht ab." Die Begeisterung für die Etiketten halte sich daher in Grenzen.

Und der Konsument? Der schweigt vermutlich aus Unwissenheit. Noch ist der Preis für die meisten Käufer das ausschlaggebende Verkaufsargument. Geiz ist geil, Taschen, Schuhe und Gürtel aus Asien türmen sich für wenige Euro auf den Grabbeltischen in den Einkaufszentren. Im ersten Halbjahr 2014 importierte Deutschland über 4,1 Millionen Lederhandtaschen, über 70 Prozent kamen aus den wachsenden Märkten in China und Indien. Auch der Schuhimport wächst. Waren es vor fünf Jahren noch Schuhe im Wert von knapp sechs Milliarden Euro, ist die Zahl im vergangenen Jahr auf über acht Milliarden angestiegen und liegt damit doppelt so hoch wie die Exportsumme. Im Durchschnitt haben die Bundesbürger 13 Paar Schuhe im Schrank stehen - zu jedem Trend den passenden Treter.

Ökopioniere wollen den Markt umkrempeln

"Vielleicht sollte man sich fragen, wie viele Schuhe und Taschen man überhaupt braucht", sagt daher Anne-Christin Bansleben. Ihr Leipziger Unternehmen Deepmello ist der Shootingstar unter den pflanzlich gegerbten Produkten. Während ihres Ökotrophologiestudiums an der Hochschule Anhalt schloss sie sich einer Forschungsgruppe an, gemeinsam stießen sie auf die Gerbkraft der Rhabarberwurzel. Über vier Jahre tüftelte die Wissenschaftlerin zusammen mit ihren zwei Mitstreitern an der Idee, bis sie ihr erstes Produkt in den Händen hielten: einen sogenannten Shopper, eine große Hand- und Einkaufstasche, "zeitlos, schlicht, funktional". Bansleben dreht und wendet sie wie eine Dame vom Teleshopping-Kanal, ihre Begeisterung ist ansteckend.

Doch nicht jeder teilt sie. Die Vorurteile gegenüber den Newcomern der Branche sind groß, ihr Leder sei nicht farbecht, nicht so weich wie chromgegerbtes, ihr Rhabarber würde Nutzpflanzen die Fläche stehlen. Anne-Christin Bansleben schüttelt den Kopf: "Wir können nur unsere bisherigen Erfahrungen weitergeben und bislang hat sich kein Vorurteil bestätigt." Wie sie ihren Gerbstoff herstellen und welche Mengen sie benötigen, will sie trotzdem nicht sagen, das sei ein Firmengeheimnis. Der Produktionsort hingegen nicht, "wir stellen unsere Produkte zu 100 Prozent in Deutschland her". Das Silk Leather Dress kostet 499 Euro, der Urban Shopper 449 Euro. Billig ist anders, aber billig soll es auch gar nicht sein, "schließlich ist ein Tier dafür gestorben".

Unbelehrbare "Chromfetischisten"

In einem alten Berliner Fabrikgebäude reibt Jörg Wlotzka das Leder für die neueste Deepmello-Tasche zwischen seinen kräftigen Fingern. In den langen Regalen der Ledermanufaktur Papoutsi in Kreuzberg liegen Hunderte aufgerollte Lederballen in den langen Regalen, das pflanzliche Deepmello-Leder nicht weit entfernt vom chromgegerbten Heinen-Leder. Inhaber Wlotzka arbeitet seit 27 Jahren als Täschner, er ist einer der letzten dieser Zunft, die aus Leder und Textilien Koffer und Taschen herstellt. Er blickt auf das Leder in seinen Händen. "Es ist kein undankbares Leder, weicher zwar, aber es hat eine gute Haptik und ist angenehm in der Verarbeitung." Seine Ledermanufaktur hat schon viele Trends miterlebt, "vor 15 Jahren, als die Naturranzen modern waren, gab es schon mal einen Boom des vegetabilen Leders, danach ist er wieder abgeflaut". Nun kämen erneut mehr Aufträge für pflanzlich gegerbtes Leder. Von einem neuen Boom möchte er dennoch nicht sprechen, zu viele europäische Betriebe hätten in den letzten Jahren schließen müssen. "Man weiß nie, was als nächstes kommt."

Keine Alternative zur pflanzlichen Gerbung gibt es dagegen für Johann-Peter Schomisch, Gründer des Allgäuer Ledergroßhandels Ecopell. Er lässt sein Leder in Lohngerbereien in Nordbayern produzieren und vertreibt es weltweit. Statt Chrom verwendet er zum Beispiel peruanische Tara und Valonea, eine mediterrane Eichenart, oder auch die Wurzel der Rhabarberpflanze, wenn er das Leder für Deepmello gerben lässt. Seine Rohware, allesamt Rinderhäute aus Biohaltung, kauft er in Süddeutschland. "Doch die Beschaffung der Rohhäute ist ein Problem", sagt der selbsternannte Querdenker der Branche. "Biorinder werden nicht in Massen geschlachtet." Zudem sei der Aufwand für die Zertifizierung von Biorinderhäuten für die Bauern hoch, "viele schrecken daher davor zurück".

Ohne Biohäute kein Bioleder. "Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", sagt Schomisch. Für die konventionelle Lederbranche hat er wenig Verständnis. "Die vom Lederverband sind doch von Vorgestern." Seit Jahren versucht er, die Branche zum Umdenken zu bewegen. Aber da sei nichts zu machen, "die Chromfetischisten" seien unbelehrbar. "Die haben Angst vor Reklamationen", sagt er, denn pflanzlich gegerbtes Leder sei nicht unbedingt pflegeleicht. Zudem hätten Biohäute mehr Naturmerkmale, weil die Lebensdauer der Tiere länger sei. Kratzer, Bienenstiche, Schorfwunden hinterließen nun mal Narben. "Aber wir prägen sie trotzdem nicht nach und versiegeln sie auch nicht mit Kunststoff." Natürlichkeit müsse man nicht verstecken. Das sehen die meisten Konsumenten jedoch anders, Macken sind unerwünscht, makellos muss ihr Produkt sein - und billig. Den Preis dafür zahlen andere.

© SZ.de/chrb/rus

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