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Ozeane:Klimawandel verändert das Nahrungsnetz im Meer

"Antarktis" Ausstellung in München, 2008

Fressen und gefressen werden: Krill kommt in allen Ozeanen vor und ist eine wichtige Nahrungsquelle.

(Foto: lok)

Krille machen Nährstoffe erst für größere Arten nutzbar. Der Klimawandel ändert die Bedingungen.

Antarktischer Krill hat im Nahrungsnetz des Ozeans eine Art Vergrößerungsfunktion. Obwohl die Krebstiere der Art Euphausia superba eine stattliche Größe von bis zu sechs Zentimetern erreichen, ernähren sie sich hauptsächlich von Mikroalgen, die sie mit ihren winzigen Beinen effizient massenhaft aus dem Wasser filtern können. Nur wenige Tiere dieser Größe können von etwas leben, das so winzig ist. Darum macht der antarktische Krill die Nährstoffe, die die Algen per Photosynthese produzieren, erst nutzbar für viele weitere, noch viel größere Arten: Von Fischen über Robben, Pinguine und Seevögel bis hin zu Walen sind viele Tiere auf riesige Mengen Krill als Nahrungsquelle angewiesen.

Für eine Studie in Nature Climate Change haben Wissenschaftler um Devi Veytia von der University of Tasmania nun anhand von Klimamodellen untersucht, wie der Krill als so wichtiges Verbindungsglied im Nahrungsnetz mit den Veränderungen im Ozean zurechtkommt. Schließlich erwärmt sich der Südliche Ozean rund um die Antarktis derzeit überdurchschnittlich stark. Was, wenn das den Krill am Ende empfindlich treffen sollte?

Die Krebstiere dürften sich künftig näher an der antarktischen Küste wohlfühlen

Teilweise haben die Experten eher beruhigende Nachrichten: Auf 85 Prozent der betrachteten Fläche dürfte der Lebensraum im Ozean aus Krill-Sicht insgesamt akzeptabel bleiben, zumindest was Temperatur und Nahrungsangebot angeht. Demnach könnten die Bestände dort um maximal 20 Prozent zurückgehen oder sogar wachsen. Andere Einflüsse wie die Versauerung des Ozeans oder das Meereis haben die Forscher allerdings nicht einbezogen.

Laut der Modellanalyse dürften sich jedoch der Jahresrhythmus und der regionale Schwerpunkt der Krill-Bestände verschieben. So sagen die Forscher für Krill das voraus, was auch für viele andere Arten erwartet wird: Je wärmer das Wasser wird, desto wohler dürften sich die Tiere in den höheren Breiten fühlen, wo es kälter ist, also in diesem Fall weiter südlich, näher am antarktischen Kontinent. Das wären schlechte Nachrichten für jene Arten, die dem Krill kaum nach Süden hinterherwandern können, etwa die Tiere auf den subantarktischen Inseln.

Hinzu kommt, dass die Bedingungen für Krill laut der Prognose der Forscher im Frühling besser, im Sommer und vor allem im Herbst jedoch schlechter werden dürften. Das könnte den Lebensrhythmus des Krills stören, der in Sommer und Herbst Energie für die Fortpflanzung braucht.

Es könnte auch Folgen für die Krill-Fischerei im Südlichen Ozean haben - das Krebstier ist vor allem als Futter für Aquakulturen interessant. "Sowohl für den Naturschutz als auch für das Fischereimanagement ist es wichtig zu verstehen, wie Krill auf den Klimawandel reagiert und was die ökologischen Folgen dieser Veränderungen sind", sagte die Erstautorin Veytia.

© SZ vom 19.05.2020
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