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Klima:Wenn auf Wilfred Alpha und Beta folgen

Das Satellitenbild der US-Wetterbehörde Noaa vom 14. September zeigt erstmals seit Jahrzehnten fünf Tropenstürme zugleich, von links nach rechts: Sally, Paulette, Rene, Teddy und Vicky.

(Foto: NOAA/AP)

Erst zum zweiten Mal ist die Namensliste für Atlantik-Tropenstürme vor Ende der Saison ausgeschöpft. Nun muss das griechische Alphabet herhalten.

Von Marlene Weiß

Es wäre ja auch anders gegangen. Xenia ist doch ein schöner Name, von Yannick und Zora ganz zu schweigen. Aber die Weltwetterbehörde WMO beschränkt sich für Namen atlantischer Tropenstürme auf 21 der 26 Buchstaben: Auch Uriah, Uta, Quirina oder Quentin sind ausgeschlossen, weil es mit den Anfangsbuchstaben Q, U, X, Y und Z nach Auffassung der WMO zu wenig Auswahl von Namen beider Geschlechter gibt; es wird schließlich strikt abgewechselt. Normalerweise reichen 21 Buchstaben auch locker aus, um durch eine Saison zu kommen. In diesem extrem aktiven Sturmjahr jedoch ist wenig normal. Und so mussten die Meteorologen nun nach Sturm Wilfred mit Alpha und Beta bereits auf das griechische Alphabet zurückgreifen, erst zum zweiten Mal, seit das System rotierender Namenslisten 1979 eingeführt wurde. Dabei dauert die Saison noch bis Ende November und hat eben erst ihren Höhepunkt erreicht.

Üblicherweise beginnt die Zeit der Tropenstürme über dem Atlantik im Juni und produziert im langjährigen Mittel zwölf benannte Stürme, davon sechs, die sich mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 119 Kilometern pro Stunde zum Hurrikan entwickeln, wovon wiederum drei es auf eine der höchsten Kategorien drei, vier oder fünf bringen.

In diesem Jahr jedoch ging es schon im Mai mit Arthur und Bertha vor der Südostküste der USA los. Bis Ende Juli war mit Hurrikan Isaias schon der neunte Sturm benannt, mehr als je zuvor zu einem so frühen Zeitpunkt in der Saison. Die US-Wetterbehörde Noaa hatte schon vor Saisonbeginn ein ungewöhnlich aktives Sturmjahr mit bis zu 19 benannten Stürmen prognostiziert, davon bis zu zehn Hurrikans.

Der Klimawandel dürfte nicht unbedingt mehr Stürme bringen, aber stärkere

Diverse Faktoren sprachen dafür: So ist das globale Wetterphänomen El Niño, das Hurrikans unterdrückt, momentan nicht aktiv - eher geht es sogar in Richtung seines Gegenstücks, La Niña. Das Wasser im tropischen Atlantik ist in diesem enorm heißen Jahr wärmer als gewöhnlich, so dass mehr feuchte Luft aufsteigt, die Stürmen Energie verleiht. Hinzu kamen schwächere Passatwinde und ein stärkerer westafrikanischer Monsun, auch das bedeutet gute Bedingungen für Tropenstürme.

Im Verlauf des Sommers musste die Noaa ihre warnende Prognose jedoch immer weiter nach oben korrigieren. Inzwischen sind bereits 23 Stürme benannt, zuletzt der Subtropensturm Alpha vor Portugal und Tropensturm Beta, der am Sonntag weiter auf Texas zusteuerte. Erst einmal zuvor musste seit 1979 auf griechische Buchstaben zurückgegriffen werden, und das war im Jahr 2005, als Katrina und Wilma wüteten. Im Jahr 2020 erreichten bislang sieben Stürme Hurrikan-Stärke, zuletzt Teddy, der momentan in der Nähe der Bermudainseln nach Norden zieht. Mitte September waren von Paulette bis Teddy zeitweise fünf benannte Stürme gleichzeitig über dem Atlantik aktiv, ein Phänomen, das zuletzt 1971 aufgetreten war.

Es ist jedoch schwer zu sagen, was all das zu bedeuten hat und welche Rolle der Klimawandel dabei spielt. Forscher erwarten bislang eher nicht mehr Tropenstürme durch die Erwärmung der Erde, allerdings legen Modelle nahe, dass die mittlere Intensität zunehmen und der Anteil stärkerer Stürme steigen sollte. Lange war es wegen der relativ geringen Anzahl starker Hurrikans und Lücken in der Erfassung schwer, diese Entwicklung auch eindeutig aus den Daten zu lesen. Im Mai veröffentlichten Forscher um James Kossin von der Noaa jedoch eine neue Analyse im Fachblatt PNAS, wonach die seit 1979 erfassten Tropenstürme tatsächlich im Mittel signifikant stärker geworden sind. Unklar bleibt jedoch, ob der Klimawandel auch zu der großen Zahl aller Tropenstürme in diesem Jahr beigetragen hat.

© SZ/mikö
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