Klimakrise:1,5-Grad-Schwelle könnte bis 2026 erstmals überschritten werden

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Klimakrise: Ein ausgetrocknetes Flussbett in Indien: Das Land wird derzeit von einer rekordverdächtigen Hitze geplagt.

Ein ausgetrocknetes Flussbett in Indien: Das Land wird derzeit von einer rekordverdächtigen Hitze geplagt.

(Foto: Manish Swarup/dpa)

Das bisher wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war 2016. Die Weltorganisation für Meteorologie warnt nun: Der nächste Hitzerekord könnte kurz bevorstehen.

Wetterexperten rechnen mit einem neuen Hitze-Rekordjahr bis 2026 und einem weiteren Anstieg der Durchschnittstemperatur in dem Zeitraum bis dorthin. Die Wahrscheinlichkeit dafür liege bei jeweils 93 Prozent, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf.

Auch das Risiko, dass die globale Erwärmung die kritische Marke von 1,5 Grad Celsius zumindest in einem der kommenden fünf Jahre erreicht, ist gestiegen und wird von den Wissenschaftlern mit nahezu 50 Prozent angegeben. Weltweit gesehen war das heißeste Jahr bislang 2016, als die globale Durchschnittstemperatur etwa 1,2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau (1850-1900) lag. Das Pariser Klimaabkommen von 2015 legt als Ziel fest, den globalen Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Ära zu begrenzen.

Im Jahr 2015, als sich die Weltgemeinschaft auf das Pariser Abkommen einigte, galt es noch als praktisch ausgeschlossen, dass die Marke von 1,5 Grad innerhalb von fünf Jahren erreicht wird. In den Jahren 2017 bis 2021 lag die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Wert überschritten wird, bei zehn Prozent.

Ab der Schwelle von 1,5 Grad Celsius werden Klimafolgen zunehmend schädlich

WMO-Generalsekretär Petteri Taalas sagte, die Schwelle von 1,5 Grad sei nicht zufällig. Sie markiere "den Punkt, an dem Klimafolgen zunehmend schädlich für Menschen und für den ganzen Planeten werden". Taalas wiederholte die Warnungen vor einem fortgesetzten Treibhausgasausstoß und den daraus resultierenden wärmeren und saureren Weltmeeren, einer Schmelze von Meereis und Gletschern, steigenden Meeresspiegeln und extremeren Wetterlagen. Die arktische Erwärmung sei unverhältnismäßig hoch. "Was in der Arktis passiert, betrifft uns alle", so der Chef der UN-Organisation.

Die Berechnungen hat die britische Meteorologiebehörde für die WMO vorgenommen. Leon Hermanson, Leiter der aktuellen Analyse beim britischen Wetterdienst Met, betonte, eine Überschreitung der 1,5-Grad-Celsius-Marke in einem einzigen Jahr bedeute noch nicht den Bruch der Schwelle des Paris-Abkommens. Aber sie zeige, "dass wir näher an eine Situation rücken, in der 1,5 Grad über einen längeren Zeitraum überschritten werden könnten". 2021 lag die globale Erwärmung laut einer vorläufigen WMO-Berechnung bei 1,1 Grad. Für die Jahre 2022 bis 2026 rechnen die Forscher mit Jahresdurchschnittstemperaturen von 1,1 bis 1,7 Grad Celsius über dem Mittelwert von 1850 bis 1900.

Weiter sagen die Prognosen bis 2026 eine höhere Niederschlagswahrscheinlichkeit in der Sahelzone, Nordeuropa, Alaska und Nordsibirien voraus, dafür trockenere Bedingungen im Amazonasgebiet. In den Wintermonaten dieses Zeitraums dürften Regenfälle in den Tropen zunehmen und in den Subtropen abnehmen.

Im November steht die nächste Klimakonferenz an

Die Meldung aus Genf kommt zur Halbzeit zwischen der vergangenen Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow und der nächsten Konferenz COP27 in Ägypten. Im November werden dazu im Badeort Scharm el-Scheich etwa 30 000 Teilnehmer erwartet, darunter 120 Staats- und Regierungschefs. Beobachter ziehen zur COP-Halbzeit eine ernüchternde Bilanz beim Klimaschutz, auch wegen des Krieges in der Ukraine.

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