bedeckt München 25°

CO₂-Emissionen:Einmalige Chance

Gerade in Entwicklungsländern lohnt es sich in Solarenergie zu investieren.

(Foto: Jaar Ashitiyeh/AFP)

Trotz Corona-Pandemie sind die CO₂-Emissionen schon fast wieder auf Vorjahresniveau. Aber das muss nicht sein.

Eine "Chance, die es nur einmal im Leben gibt", hat Fatih Birol, Direktor der Internationalen Energieagentur IEA, den Wiederaufbau nach der Corona-Pandemie genannt: Jetzt, nach dem drastischen Einbruch der Weltwirtschaft, hätten Regierungen die Möglichkeit, eine sauberere, resilientere Zukunft zu schaffen. Aber wenn man die neuesten Zahlen zu den Emissionen betrachtet, muss man konstatieren: Diese einmalige Chance ist dabei zu verstreichen.

Um 17 Prozent waren die täglichen globalen Emissionen nach Berechnungen eines Forscherteams Anfang April eingebrochen, als die Maßnahmen gegen die Pandemie ihren Höhepunkt erreichten. Doch seither geht es wieder nach oben. Nun haben die Forscher ihre Zahlen aktualisiert. Demnach war der CO₂-Ausstoß Mitte Juni fast wieder auf Normalniveau, nur noch fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Kein Wunder, kommentieren die Wissenschaftler. Die Autos, die Kraftwerke, die Fabriken, sie sind ja alle noch da. Kaum flauen die Infektionen ab, geht es weiter wie zuvor, munter auf den Abgrund zu.

Dabei hat sich die Weltwirtschaft noch längst nicht erholt, aber Emissionen kommen schneller zurück als Arbeitsplätze. Im schlechtesten Fall könnte es wie nach der Finanzkrise von 2008 ablaufen, als auf einen kurzen Rückgang der Emissionen ein umso stärkerer Anstieg folgte.

Aber das muss nicht sein. Die Voraussetzungen sind heute anders. Erneuerbare Energien sind billig, Batterien haben Fortschritte gemacht, mit Ökostrom produzierter Wasserstoff ist im Prinzip einsatzbereit. Die IEA hat mit dem Internationalen Währungsfonds einen Plan erstellt, wie Konjunkturpakete am besten wirken - so, dass viele Arbeitsplätze entstehen und zugleich Emissionen eingespart werden. Demnach lohnt es sich besonders, in Recycling (gerade in Entwicklungsländern), Gebäudesanierung, Energieeffizienz, Solarenergie und öffentlichen Nahverkehr zu investieren. Mit diesen und weiteren Maßnahmen könnte der CO₂-Ausstoß endlich dauerhaft sinken.

Das ist nun wenig überraschend, denn natürlich fordern Experten das seit Langem, weil es ökonomisch, ökologisch und klimapolitisch sinnvoll ist. Aber vielleicht ist der Moment gekommen, es einfach zu tun, wenn man schon Geld in die Hand nimmt. Wenn nicht jetzt, wann dann?

© SZ vom 20.06.2020/hmw
ACHTUNG max. 1spaltig!

SZ Plus
Klimaschutz
:"Das Budget der Lobbyisten wird immer größer"

Die Journalistinnen und Autorinnen Susanne Götze und Annika Joeres über verpasste Klimaziele, warum Lobbyisten in Europa so viel Einfluss auf Regierungen haben - und einen nahenden Großkonflikt.

Interview von Alex Rühle

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite