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Verhaltensbiologie:Warum man sich nicht selbst kitzeln kann

Lachen, Niesen, Kitzeln, Curious Behavior von Robert Previne

Kinder und junge Ratten sind besonders kitzel-empfindlich. Für alle gilt: Es geht nur bei guter Laune.

(Foto: Heiko Wolfraum / dpa)
  • Biologen der Humboldt-Universität haben an Ratten einiges über die neuronalen Grundlagen der Kitzligkeit herausgefunden.
  • Im Gehirn der Nager gibt es spezialisierte Zellen, die besonders stark auf diese Art von Berührung reagieren.
  • Berühren sich die Tiere selbst, wird die Aktivität der Zellen dagegen unterdrückt.

Unkontrollierte Lachanfälle gepaart mit einem gequälten Gesichtsausdruck - das seltsame Verhalten von Menschen, die gekitzelt werden, ist Wissenschaftlern bis heute nahezu unerklärlich. Und warum kann man sich eigentlich nicht selbst kitzeln? Das hat sich schon Aristoteles gefragt. Der griechische Gelehrte vermutete, dass das nicht funktioniert, weil das Überraschungsmoment fehlt. Ähnlich wie man sich selbst ja auch nicht erschrecken kann.

Biologen der Humboldt-Universität in Berlin haben jetzt an Ratten einiges über die neuronalen Grundlagen der Kitzligkeit herausgefunden (Current Biology). Demnach gibt es im Gehirn der Nager "kitzlige" Stellen, genauer gesagt Zellen, die besonders stark auf diese Art von Berührung reagieren. Sie befinden sich im somatosensorischen Kortex, in dem auch Tastempfindungen verarbeitet werden.

Wenn die Forscher ihre Versuchstiere am Rücken kitzelten, waren diese Neuronen hochaktiv. Zugleich lachten sich die Ratten schier kaputt, allerdings in einem für Menschen nicht hörbaren Ultraschallbereich von 50 Kilohertz. Dieselben Gehirnzellen waren aktiv, wenn die Wissenschaftler ihre Versuchstiere streichelten. Auch dabei ertönte das Ultraschallgekicher, wenn auch etwas verhaltener. Putzten die Tiere sich dagegen selbst - was nach Ansicht der Forscher als Selbstkitzeln gewertet werden kann - gab es kaum messbare Reaktionen. Sowohl die Aktivität der "Kitzelzellen" als auch das Gekicher waren unterdrückt.

Die Nager lachen sich kaputt - allerdings im für Menschen nicht hörbaren Ultraschallbereich

Die Forscher gehen davon aus, dass es beim Menschen einen ähnlichen Unterdrückungsmechanismus gibt, der es unmöglich macht, sich selbst zu kitzeln. Und der - anders als Aristoteles postulierte - nichts damit zu tun hat, dass wir uns selbst nicht überraschen können. Dass sich die Ergebnisse von Kitzelversuchen mit Ratten wahrscheinlich auf den Menschen übertragen lassen, weiß man aus Experimenten, in denen sich erstaunliche Parallelen gezeigt haben. Sowohl Ratten als auch Menschen sind am Bauch besonders kitzlig. Und wie beim Menschen gibt es auch bei den Tieren Individuen, die schon bei der leichtesten Berührung losprusten, während anderen kaum ein Ton zu entlocken ist.

Bei beiden hängt Kitzligkeit zudem vom Alter ab: Kinder und junge Ratten sind besonders empfindlich. Eine weitere Parallele ist, dass Kitzeln nur funktioniert, wenn alle Beteiligten gute Laune haben. Für Menschen ist das schon lange bekannt. Dass es auch für Ratten gilt, haben die Berliner Forscher in einem früheren Experiment gezeigt: Sie setzten Ratten auf einen Podest und strahlten sie mit zwei Lampen an. In dieser für die Tiere äußerst unangenehmen Situation konnten die Forscher kitzeln soviel sie wollten. Den Ratten entschlüpfte nicht das leiseste Gekicher.