"Individuelle Gesundheitsleistungen" (IGeL):Nutzt nur dem Arzt

"Individuelle Gesundheitsleistungen" (IGeL) müssen von den Patienten selbst erstattet werden, da die Krankenkassen sie für nutzlos halten. Eine Untersuchung der häufigsten IGeL zeigt: zu Recht.

Werner Bartens

Sie gelten als fragwürdig oder nutzlos. Deshalb werden sie von Krankenkassen nicht erstattet, Patienten müssen selbst zahlen. Trotzdem werden "Individuelle Gesundheitsleistungen" (IGeL) für 1,5 Milliarden Euro jährlich in Deutschland angeboten, schätzt das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), das dem Gesundheitsminister untersteht.

Für das DIMDI haben Gesundheitswissenschaftler jetzt eine Übersichtsarbeit erstellt. Das Glaukom-Screening auf Grünen Star ist mit bis zu 40 Prozent der Angebote häufigste IGeL. Es folgen Ultraschall mit 25 Prozent und Krebsfrüherkennungs-Tests, etwa die PSA-Bestimmung auf Prostatatumore sowie andere Laborleistungen.

Die häufigsten IGeL untersuchten die Autoren genauer. Vernünftige Studien, die einen Nutzen der Augeninnendruckmessung im Rahmen des Glaukom-Screenings belegen, finden sich nicht.

Die zweithäufigste IGeL, der vaginale Ultraschall auf Eierstock- und Gebärmutterkrebs, nutzt ebenfalls wenig, sondern führt im Gegenteil zu vielen unnötigen Eingriffen.

Nur bei einer von 20 Operationen aufgrund der Ultraschall-Diagnostik findet sich tatsächlich Krebs.

© SZ vom 16.09.2011/mcs
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