Impfstoff gegen Schweinegrippe:"Signale der Kulanz"

Lesezeit: 2 min

Die Bundesländer können aufatmen. Sie müssen wohl nicht den vollen Umfang des bestellten Schweinegrippe-Impfstoffs vom Hersteller beziehen.

Die Bundesländer dürfen deutlich weniger Schweinegrippe-Impfstoff vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) abnehmen als ursprünglich geordert. Das ist das Ergebnis eines Treffens von Vertretern der Gesundheitsministerien von Ländern und Bund mit GSK-Vertretern in Berlin.

Zuviel bestellt: Die Bundesländer müssen nun wohl doch nicht die gesamte Menge an Schweinegrippe-Impfstoff vom Hersteller abnehmen. (Foto: Foto: dpa)

"Wir haben vom Pharmakonzern Signale der Kulanz erhalten, einen größeren Teil der überschüssigen Impfstofflieferungen zu stornieren", sagte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Niedersachsens Ressortchefin Mechthild Ross-Luttmann (CDU), nach dem Treffen. Sie sprach von "harten - aber fairen -Verhandlungen", die den Weg zu einem guten Kompromiss freigemacht hätten.

Welche Bestellmengen an Impfstoffen storniert werden, wurde zunächst nicht bekannt. Die Länder hatten ursprünglich 50 Millionen Impfstoff-Dosen für etwa 416 Millionen Euro geordert. Sie gingen davon aus, damit 30 Prozent der Bevölkerung impfen zu können.

Inzwischen stellte sich jedoch heraus, dass - entgegen erster Annahmen von Experten - zur Immunisierung nur eine statt zwei Impfungen notwendig ist. Zudem war aufgrund des milden Verlaufs der Schweinegrippe in Deutschland die Nachfrage nach der Impfung deutlich geringer als zunächst erwartet. Die Länder fürchteten deshalb, auf Millionen Impfdosen und damit auch auf Kosten in Millionenhöhe sitzen zu bleiben.

Nach Angaben eines Ministeriumssprechers in Hannover müssen die Gesundheitsminister der Länder das Verhandlungsergebnis am Freitag noch in einer Telefonkonferenz bestätigen. Erst dann könnten genauere Zahlen veröffentlicht werden. Die endgültige Abstimmung aller Vertragspartner wird bis Mitte nächster Woche erwartet.

Anhörung zum Korruptionsverdacht

Unterdessen erreicht die Kontroverse um die Massenimpfungen gegen Schweinegrippe nun auch den Europarat. Wie ein Sprecher bestätigte, wollen Mitglieder der Parlamentarier-Versammlung Ende Januar Vertreter der Weltgesundheitsbehörde (WHO) und der Pharma-Industrie anhören. Der Unterausschuss Gesundheit hat außerdem eine Dringlichkeitsdebatte zu dem Thema beantragt.

Ziel sei es, eine Untersuchung zu den Hintergründen der von Deutschland und anderen Ländern beschlossenen Massenimpfungen zu erreichen, sagte der Vorsitzende des Unterausschusses, der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wodarg. Wodarg bekräftigte seine Überzeugung, dass Pharmakonzerne gezielt Wissenschaftler und die WHO beeinflusst haben, damit diese vor einer Pandemie warnten.

Dies habe dazu geführt, dass viele Staaten Unsummen für überflüssige und zudem potentiell gefährliche, weil ungenügend getestete Impfungen ausgaben. Den Pharmaunternehmen habe die angebliche Pandemie einen "Jackpot" beschert.

Wodarg wirft der WHO zudem vor, nach dem Ausbruch der Vogelgrippe ihre Kriterien für die Ausrufung einer Pandemie geändert zu haben. Dadurch sei nun nicht mehr die Gefährlichkeit einer Erkrankung, sondern nur die Geschwindigkeit, mit der sich ein Virus ausbreite, das wesentliche Kriterium.

In Paderborn ist derweil ein 34 Jahre alter Mann an den Folgen der Schweinegrippe gestorben. Das teilte die Kreisverwaltung mit. Der Mann war vor Weihnachten mit starken Grippesymptomen in ein Paderborner Krankenhaus gebracht worden. Es wurde eine Lungenentzündung diagnostiziert. Später wurde er in eine Universitätsklinik verlegt.

Trotz aller Bemühungen sei er schließlich gestorben. Der Mann litt unter keinerlei Vorerkrankungen. Dem Robert-Koch-Institut zufolge wurden bislang bundesweit rund 160 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Grippevirus H1N1 gemeldet.

Mehr als 900 Leser haben bislang auf sueddeutsche.de über die Schweinegrippe-Impfung diskutiert. Hier können Sie ihre Ansichten und Erfahrungen lesen und uns schreiben.

© AFP/dpa/Reuters/gal - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: