Homosexualität bei Vögeln Zwei Männer im Nest

Bei etlichen Vogelarten haben Wissenschaftler Homosexualität beobachtet. In einigen Fällen gibt es Hinweise darauf, dass das Verhalten den Erfolg von Brutkolonien begünstigt.

Von Atlant Bieri

Schwäne zieren als Zuckerfigürchen oft Hochzeitstorten, weil die Tiere als Sinnbild für die perfekte Ehe gelten. Verlieben sich Männchen und Weibchen erst einmal, bleiben sie sich ein Leben lang treu.

Schwäne gelten als treu. Doch vor allem die Männchen neigen zu außerehelichen Flirts - mit anderen Männchen.

(Foto: dpa)

Doch die Schwäne selbst halten sich nicht allzu strikt an die biedere Rolle, die ihnen der Mensch zugedacht hat. Vor allem die Männchen neigen zu außerehelichen Liebschaften. Dabei turteln sie nicht immer mit anderen Weibchen herum, sondern gerne mit anderen Männchen: Viele Schwäne sind schwule Ehebrecher.

Homosexuelles Verhalten bei Vögeln haben Wissenschaftler bis heute bei 130 Arten beobachtet. Warum es dazu kommt, ist in den meisten Fällen unklar. Nun ist ein australischer Forscher auf einen erstaunlichen Zusammenhang gestoßen. Demnach neigen Vögel besonders dann zu außerehelichen homosexuellen Beziehungen, wenn sie bei der Aufzucht der Jungen nur wenig mithelfen müssen. Mit anderen Worten: Hat ein Männchen zu viel Freizeit, flirtet es vermehrt mit anderen Männchen. Dasselbe gilt auch für die Weibchen.

Zu diesem etwas eigenartigen Resultat kam Geoff MacFarlane von der Universität von Newcastle an der Ostküste Australiens. Er durchforstete die wissenschaftliche Literatur der vergangenen 125 Jahre nach publizierten Beobachtungen. Seine Ausbeute in diesem ornithologischen Niemandsland war ziemlich mager. In nur 112 Publikationen wurde er fündig.

Haben die Forscher Angst davor, dieses Thema anzufassen? Vielleicht, sagt MacFarlane, fügt jedoch hinzu: "Ein Grund dafür mag auch sein, dass Homosexualität bei den meisten Arten selten ist. Das heißt, man muss viel Zeit mit Beobachten verbringen, bevor man ein entsprechendes Verhalten überhaupt erst zu Gesicht bekommt."

Nichtsdestotrotz tauchten unter den Arten mit homosexuellen Neigungen ein paar sehr prominente Namen auf: zum Beispiel die Graugans, der Bartgeier, die Stockente, der Strauß oder Australiens Nationalvogel, der Kookaburra. Freilich waren nicht alle von ihnen in gleichem Maße dem eigenen Geschlecht zugetan.

Schwäne beispielsweise bleiben konsequent auf der Stufe des harmlosen Flirts. Während seine Angebetete die Eier ausbrütet, nimmt sich das Männchen ab und zu die Zeit, mit anderen Männchen zu balzen. Mehr aber auch nicht. Da geht es beim westamerikanischen Annakolibri ganz anders zu. Ein Viertel aller sexuellen Kontakte findet nicht zwischen Männchen und Weibchen statt, sondern zwischen Männchen und Männchen.

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