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Homöopathie:Absonderlichkeiten im Kuhstall

Mit seinem Kollegen Christian Fidelak betreibt der Arzt in Potsdam heute eine veterinärmedizinische Beratungsfirma für die Milchviehhaltung, die mittlerweile sogar konventionelle Zulieferer großer Molkereien betreut - unter anderem in Bayern. Beide Tiermediziner haben zuvor beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau FIBL gearbeitet und langjährige Erfahrung mit der Homöopathie im Tierstall. Dabei hat Klocke vor allem eines gelernt: "Jeder macht es anders." Und nicht alle bleiben auf dem Boden der Tatsachen.

Das gilt zum Beispiel für sogenannte Nosoden, bei denen es sich um eine Art homöopathische Impfung handelt. Sie enthalten extreme Verdünnungen von Krankheitserregern oder kranken Zellen, bisweilen ist Eiter die Grundlage. Klocke zufolge ist die Verwendung dieser Mittel heute unüblich, aber in Seminarbeiträgen finden sich immer wieder Hinweise auf Nosoden, die zusätzlich zu den Globuli eingesetzt werden könnten. Nicht selten paaren sich diese Ratschläge mit anderen Absonderlichkeiten. So rät eine Veterinärhomöopathin dazu, drei Globuli in hundert Milliliter Wasser aufzulösen - aber nicht sechs Globuli in zweihundert Milliliter Wasser. "Da ist man dann rasch im Bereich des Esoterischen", sagt Klocke.

Oft steht man vor der Frage, ob das Tier überlebt. Dann helfen manchmal nur noch Antibiotika

Genauso wehrt sich Klocke gegen andere Übertreibungen - zum Beispiel die, man könne nun auf Antibiotika verzichten und stattdessen mit Globuli behandeln. "Mir ist die Aussage, dass Homöopathie eine Alternative zur Schulmedizin sein kann, viel zu plakativ", sagt der Tierarzt. Ähnlich sieht es die Veterinärmedizinerin Heidi Kübler. "Die Antwort ist klar: Nein, die Homöopathie ist keine Alternative zur Schulmedizin", sagt sie.

Auch für die Vorsitzende der Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin in Deutschland sind naturheilkundliche Verfahren eine sinnvolle Ergänzung zu dem, was sich mit der Schulmedizin bewerkstelligen lässt. Mehr aber auch nicht. "Man kann in der Rinder- und Schweinehaltung schon einiges mit ganzheitlichen Methoden bewirken", sagt Kübler. Aber oft stehe man vor der Frage, ob das Tier überlebt. Da komme man an Antibiotika nicht immer vorbei.

Wobei für Heidi Kübler ohnehin weniger im Mittelpunkt steht, ob und welche Medikamente gegen solche schweren Erkrankungen akut helfen. Sondern unter welchen Umständen diese Erkrankungen entstehen und sich im Tierstall ausbreiten. "Im Vordergrund stehen die Haltungsbedingungen", sagt die Ärztin. In voll belegten Ställe mit mangelhafter Lüftung und Hygiene würden die Tiere naturgemäß nun mal häufiger und meist auch schwerer krank. "Auf diese Missstände können wir Tierärzte zwar hinweisen", sagt Kübler. "Aber beseitigen können wir sie nicht."

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Homöopathie

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Kaum ein Thema in der Medizin ist ideologisch so umstritten wie die Homöopathie. Helfen Globuli und Co. wirklich über den Placebo-Effekt hinaus? Ein reicher Amerikaner hat nun sogar ein Preisgeld in Millionenhöhe ausgelobt, wenn endlich der Beweis angetreten wird, dass die Mittel tatsächlich wirken. Eine Videokolumne.