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Hitzewelle und Dürre in den USA:Amerikas schwerste Umweltkatastrophe

Der Dust Bowl gilt bis heute als Amerikas schwerste und folgenreichste Umweltkatastrophe; sie hat sich ins kollektive Gedächtnis der Nation eingebrannt. Immer wenn der Boden austrocknet, wird an den Dust Bowl erinnert - und abgewiegelt.

One of the pools that are dry and closed at the Quivira National Wildlife Refuge in Hudson

Ausgetrocknete Seen, verdorrte Felder in der Kornkammer der USA. Die Lage erinnert an die Mitte der Dreißigerjahre, als innerhalb weniger Tage die Prärielandschaft zu einer trostlosen Wüste wurde.

(Foto: REUTERS)

So etwas könne heute nicht mehr vorkommen, heißt es dann, dank Technik und besserer Landnutzung sei die Lage unter Kontrolle. Ironischerweise hat das Unglück den Fortschrittsglauben der Amerikaner sogar befördert, sagt Christof Mauch, Amerikanist und Umwelthistoriker an der Universität München. Als der Dust Bowl vorbei war, folgte eine bessere Zeit; die Verletzlichkeit schien überwunden zu sein.

Doch jetzt warnen Fachleute, Klimawandel und eine weiterhin intensive Landwirtschaft in einer Region, die dafür nicht geeignet ist, könnten ihren Preis fordern. "Die USA haben es versäumt, die richtigen Lehren aus der Katastrophe zu ziehen", sagte der einflussreiche US-Umwelthistoriker Donald Worster, der über den Dust Bowl geforscht hat. Eine Katastrophe dieses Ausmaßes könne auch heute wieder passieren, fürchtet der Professor an der Universität von Kansas.

Die Ursachen für den Dust Bowl reichen zurück an den Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals hatten Farmer die Prärielandschaft in Weizen-Monokulturen verwandelt. Getreide war weltweit begehrt, und die neuen Mähdrescher machten es möglich, große Flächen zu bearbeiten. Wegen mehrerer außergewöhnlich regenreicher Jahre unterschätzten die Bauern die natürliche Trockenheit der Region.

Der Boden begann wegen des ständigen Weizenanbaus zu erodieren, durch das aride Klima der Prärie trocknete er zudem aus. Nach einigen besonders wasserarmen Sommern war das Erdreich regelrecht zu Staub zerfallen, und es bedurfte nur noch heftiger Winde. Später griff die Regierung in Washington ein, pflanzte 200 Millionen Bäume und ließ die verbleibenden Farmer Hecken anlegen und Terrassen in die rollenden Hügel schneiden. Die Monokultur wich einer angepassten Fruchtfolge.

So präsent die Staubstürme der Dreißigerjahre in der Erinnerung der Menschen sind, so nachlässig gehen die Bauern mit dieser Erfahrung um. Schon Mitte der 1990er Jahre untersuchte der Geograf Roger Kasperson von der Clark University in Massachusetts den Llano Estacado im Nordwesten von Texas und kam zu dem Schluss, dass die Gegend ökologisch gefährdet sei. Er diagnostizierte eine "intensive Landwirtschaft in einer dafür nicht geeigneten Region". Die Ausbeutung habe sie in einen Zustand versetzt, der dem Kollaps nahekommt, so sein Fazit.