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Heizen und Energiesparen:18 oder 15 Grad?

Dabei gilt auch: Ist die Heizung lange auf eine niedrigere Temperatur gestellt, also für einen zehnstündigen Arbeitstag und nicht für das zweistündige Einkaufen, dann lohnt sich das Herunterregeln tendenziell mehr, weil die Phase des dazwischenliegenden Sparens länger dauert.

Gut für den Bewohner ist es zudem, wenn die Nachbarn länger zu Hause sind als er selbst. Weil dann Wärme auch aus deren Wohnungen durch die Trennwände fließt, dauert es länger, bis die eigene Bleibe die eingestellten 16 Grad erreicht und der Heizkörper wieder warm werden muss. Und umgekehrt schlägt es auf den Komfort, wenn die Heizung eher schlecht als recht funktioniert, weil sie dann lange braucht, bis sie nach der Rückkehr des Bewohners wieder eine angenehme Temperatur erzeugt hat.

Womöglich schadet dem Mieter, dessen Heizung zum Wiedererwärmen der Räume mit voller Leistung losbollert, noch eine Eigenheit der oft verwendeten Messgeräte für die Heizkostenabrechnung. Enthalten sie kleine Ampullen mit einer farbigen, langsam verdunstenden Flüssigkeit, kann das schnelle Aufheizen etwas teurer werden. Solche Instrumente zeigen höhere Werte an, wenn die Heizung für eine relativ kurze Spanne bis zum Anschlag heiß ist, als wenn die Radiatoren die gleiche Wärmemenge über längere Zeit abgeben. In beiden Fällen hätte der Bewohner zwar die gleiche Energie verbraucht, er würde dafür aber beim schnellen Hochheizen etwas mehr bezahlen.

Um solche Unterschiede - auch zwischen Nachbarn mit unterschiedlichen Gewohnheiten und Wohnungslagen - auszugleichen, werden in der Regel nur 70 Prozent der Heizkosten nach dem gemessenen Verbrauch und 30 Prozent nach der Fläche abgerechnet.

Etwas höhere Temperatur gegen Schimmel

Außer in solchen extremen Fällen können Menschen aber meistens Energie und Geld sparen, wenn sie die Heizung bei Verlassen der Wohnung herunterdrehen. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass das Umweltbundesamt offenbar gerade dabei ist, seine Tipps für die Heizungsabsenkung zu überarbeiten. Die Behörde prüft, ob sie künftig eine höhere Mindesttemperatur von 18 statt 15 Grad empfiehlt, sagt der dafür zuständige UBA-Mitarbeiter Jens Schuberth.

Hintergrund seien aber ausdrücklich nicht Erwägungen zum Energiesparen, sondern zur Raumhygiene. "Wenn ein Raum 15 Grad hat, dann können es öfter in Außenecken oder Nischen hinter der Heizung oder einem Vorhang weniger als 12 Grad sein - und dann schlägt sich da Feuchtigkeit nieder", sagt er. Es kann sich ungesunder Schimmel bilden.

Der Grund dafür ist eine Eigenheit der Luft. Sie kann bei höherer Temperatur mehr Feuchtigkeit aufnehmen. So erreicht Luft mit einer relativen Feuchtigkeit von 60 Prozent (einem im Winter in Wohnungen typischen Wert) ihr Limit, wenn sie auf 12 Grad abkühlt. Der enthaltene Wasserdampf beginnt dann, an geeigneten Flächen zu Tröpfchen zu kondensieren. "Wenn wir 15 Grad als Absenktemperatur angeben, dann ist das zu nahe an den 12 Grad, wo Ecken feucht werden können", sagt Schuberth. "Gesundheitsschutz geht vor."

Seine Behörde hält ohnehin die energetische Sanierung von Häusern für wichtiger als Verhaltensumstellungen ihrer Bewohner. In einem gut gedämmten Haus macht das Herunterdrehen der Heizung viel weniger aus als in einer zugigen Bude.

Allerdings nimmt das von Schuberth beschworene Problem mit der Feuchtigkeit eher zu. Weil die Luft sich nicht mehr von selbst austauscht, durch undichte Fenster zum Beispiel, müssen die Bewohner aktiv dafür sorgen, dass der Wasserdampf nach außen befördert wird. Er entsteht fortwährend beim Atmen, Kochen, Duschen und durch Zimmerpflanzen, was bei längerer Abwesenheit viel weniger der Fall ist. Acht bis 15 Kilogramm pro Tag können es in einem Vier-Personen-Haushalt sein, hat das Darmstädter IWU berechnet.

Sie loszuwerden, ist im Winter besonders wichtig, aber auch besonders einfach. Die kalte Luft draußen ist nämlich sehr trocken. Es genügt schon, vier bis sechs Minuten das Fenster ganz zu öffnen, beim Querlüften durch mehrere Zimmer sollen es sogar nur drei Minuten sein, empfehlen Fachleute.

Und wer sich nicht damit abfinden möchte, seine Wohnung auch während seiner Abwesenheit auf 18 Grad zu heizen, für den hat Marc Großklos vom IWU noch einen Tipp. Wer direkt vor dem Absenken noch einmal lüftet, treibt die Feuchtigkeit aus dem Raum.

© SZ vom 04.02.2013/mcs/bavo

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