Psychologie:Her mit der Kohle!

Psychologie: Teuer Einkaufen auf der Düsseldorfer Königsallee: Kann die Stimmung schon aufhellen.

Teuer Einkaufen auf der Düsseldorfer Königsallee: Kann die Stimmung schon aufhellen.

(Foto: Michael Gstettenbauer/Imago)

Mehr Geld macht nicht glücklich? Der populäre Glaubenssatz wurde jetzt erneut wissenschaftlich analysiert. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

Von Werner Bartens

Hey Boss, ich brauch' mehr Geld. Egal, ob man es direkt einfordert, wie Gunter Gabriel in seiner Malocher-Hymne von 1974 oder subtiler vorgeht: Höchste Zeit, die nächste Gehaltserhöhung auszuhandeln, ist jetzt allemal; eine Staffel, die eine weitere Steigerung des Einkommens vorsieht, inklusive. Schließlich profitieren Chefs wie Firma von zufriedenen Arbeitnehmern - und deren Lebensglück steigt nun mal mit dem Einkommen. Das hat die Wissenschaft gerade festgestellt. Und die Wissenschaft hat immer recht.

Der aktuelle Artikel in den Proceedings of the National Academy of Sciences widerspricht der verbreiteten Annahme, wonach Geld nicht glücklich macht - und mehr Geld demnach nicht glücklicher. Die Nobelpreisträger Daniel Kahneman and Angus Deaton hatten 2010 in einem vielbeachteten Beitrag gezeigt, dass in wohlhabenden Ländern Menschen nicht glücklicher werden, wenn ihr Einkommen ansteigt - sofern ein Jahreseinkommen von 60 000 bis 90 000 Dollar bereits erreicht ist.

Der daraus resultierende Mittelwert von 75 000 Dollar wurde weit über die Wissenschaft hinaus populär. Schließlich konnten sich Karrieremuffel auf die Forschung berufen, wenn sie ihre Ambitionen ad acta legten, und Arbeitgeber hatten prima Argumente, um den Lohn stagnieren zu lassen. Allerdings widersprach der Psychologe Matthew Killingsworth der 75 000-Dollar-These, als er 2021 darlegte, dass Menschen sehr wohl glücklicher werden, wenn sie mehr verdienen und dass sich dies auch bei Einkommen von 150 000 oder 300 000 Dollar noch zeige.

Nun haben sich die wissenschaftlichen Gegner zusammengetan

In einer bemerkenswerten Allianz haben Kahneman und Killingsworth ihre Kontroverse beigelegt. Die wissenschaftlichen Gegner haben sich zusammengetan ("adversarial collaboration") und mit der Psychologin Barbara Mellers als Schlichterin ihre Daten einer Re-Analyse unterzogen. "Für die meisten Menschen gilt, dass ein höheres Einkommen sie auch glücklicher macht", fasst Killingsworth das Ergebnis zusammen. "Die Ausnahme bilden jene, die wohlhabend, aber unglücklich sind." Wer reich und unzufrieden ist, dem hilft auch mehr Geld nicht aus seinem Elend.

Offenbar finden sich in jeder Einkommensgruppe 15 bis 20 Prozent Menschen, die chronisch unzufrieden sind. Bei ihnen hellen sich Stimmung und Wohlbefinden auch dann nicht auf, wenn das Einkommen weiter steigt - sofern es im Bereich jenseits von 75 000 Dollar liegt und damit keine materielle Not droht, Miete und Strom bezahlt werden können und Reisen sowie verhaltener Luxus möglich sind. Es gibt also eine glückliche Mehrheit, die mit mehr Geld noch zufriedener ist - und eine unglückliche Minderheit, denen auch kein Geld hilft.

Zwar ist das Ausmaß an Glück von vielen Faktoren wie individueller Disposition, Gesundheit, erfüllenden Beziehungen und Tätigkeiten abhängig, doch auch in Sachen Geld lassen sich Lehren ziehen. Steuernachlässe, Gehaltserhöhungen oder Wechsel zu besser bezahlten Jobs sind für die Psychohygiene unbedingt zu empfehlen. "Geld ist zwar nicht das Geheimnis zum Glück, aber es hilft", so Killingsworth. Arbeitgeber müssen zudem keine übermäßigen Ansprüche befürchten. Ist ein Jahreseinkommen von 500 000 Dollar erreicht, konnte auch die aktuelle Studie keine Glückssteigerung mehr nachweisen.

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