Gefährlicher Darmkeim Ehec-Welle ebbt ab

Das Robert-Koch-Institut nährt Hoffnungen auf ein Ende der Ehec-Krise. Immer weniger Menschen stecken sich mit dem gefährlichen Darmkeim an. Die Kritik am Krisenmanagement der Regierung dagegen bleibt.

Die Welle der Ehec-Neuerkrankungen ebbt weiter ab. Das Robert-Koch-Institut (RKI) teilte am Mittwoch mit, es erhalte seit etwa einer Woche deutlich weniger Meldungen über Ehec- und HUS-Erkrankungen.

Aus Angst vor einer Ehec-Infektion hatten 58 Prozent der Deutschen zeitweilig auf Gurken und anderes Gemüse verzichtetet.

(Foto: dpa)

Seit Anfang Mai sind dem Institut zufolge 36 Menschen in Deutschland an den Infektionen mit dem Darmkeim gestorben. Insgesamt seien 3.244 Ehec- oder HUS-Fälle übermittelt worden. Drei Viertel der Fälle stammten aus den vier Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Betroffen seien aber alle Bundesländer. Die höchste Zahl an Infektionen registrierte die Behörde im Zeitraum vom 21. bis 23. Mai.

In einer Umfrage äußerte sich derweil mehr als die Hälfte der Deutschen unzufrieden mit dem Ehec-Krisenmanagement der Bundesregierung. 58 Prozent bewerten das Verhalten der Regierung als "weniger gut" (35 Prozent) oder "schlecht" (23 Prozent), wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins Stern ergab. Rund ein Drittel der Deutschen bewertet das Krisenmanagement dagegen als "gut" (35 Prozent), vier Prozent als "sehr gut".

Nur knapp ein Drittel der Bundesbürger fühlt sich der Umfrage zufolge ausgewogen informiert. 44 Prozent klagen, es habe zu viele Hinweise gegeben, 21 Prozent meinen, es seien zu wenige gewesen. Auf dem Höhepunkt der Ehec-Krise hat nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte der Deutschen ihre Essgewohnheiten geändert. 58 Prozent der Bundesbürger verzichteten auf bestimmte Gemüsesorten. Jeder vierte Deutsche wusch sich zudem häufiger die Hände.

Keine Ehec-Funde im Saatgut

Die Suche nach dem Quell der Infektionen geht unterdessen weiter. Als Auslöser der Epidemie gelten Sprossen von einem Biohof in der Lüneburger Heide, wie die Bakterien allerdings an die Sprossen gelangten, ist aber ist weiter unklar. Bei der Auswertung von mehr als tausend Proben von Saatgut, Futter- und Lebensmitteln seien bislang jedoch keine weiteren Ehec-Spuren entdeckt worden, teilte das Landwirtschaftsministerium in Hannover mit. Der Hof in Bienenbüttel hatte Saatgut aus der ganzen Welt, unter anderem aus Asien, Südeuropa und Deutschland bezogen. "Wenn wir Pech haben, war ein Sack der Auslöser dieser ganzen Problematik. Und dieser ist schon verkauft, gegessen", sagte Ministeriumssprecher Gert Hahne. Saatgut war in das Visier der Ermittler geraten, nachdem eine Familie in Niedersachsen nach dem Verzehr von selbstgezogenen Sprossen erkrankt war.

EU verärgert über Gemüse-Einfuhrverbot Russlands

In Brüssel wird unterdessen Unmut laut, dass Russland das wegen der Ehec-Krise verhängte Einfuhrverbot für europäisches Gemüse immer noch nicht aufgehoben hat. Die Europäische Kommission forderte am Mittwoch die umgehende Rücknahme des Verbots, so wie es der russische Präsident Dmitri Medwedew Kommissionspräsident José Manuel Barroso bereits vor fünf Tagen bei einem Gipfeltreffen zugesagt hat.

Nach der Identifizierung des Erregers seien alle weiteren Einschränkungen absolut unberechtigt, sagte eine Kommissionssprecherin. Die Quelle des Darmkeims sei eindeutig erkannt und von den Märkten eliminiert worden, sagte die Sprecherin. EU-Handelskommissar Karel de Gucht wolle jetzt Druck auf Russland ausüben.