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Forschung in der Dancefloor Version:Tanz des Titanium Man

Wenn Wissenschaftler erklären sollen, an was sie eigentlich arbeiten, dann greifen sie zu Fachausdrücken, Grafiken und Tabellen. Oder sie nehmen am Wettbewerb "Dance your PhD" teil. Der Gewinner dieses Jahr: Titanium Man.

"Show, don't tell" ist eine der wichtigsten Regeln in der schreibenden Kunst. Auch Wissenschaftler setzen häufig auf Grafiken, die eine neue Erkenntnis illustrieren sollen.

Dance your PhD 2001

"Titanium Man" im Einsatz. Joel Miller setzt die These seiner Doktorarbeit wunderbar in Szene.

(Foto: screenshot/Joel Miller)

(Das Video finden Sie hier)

Einen völlig anderen Ansatz, um ihre Arbeit auch einem breiten Publikum verständlich zu machen, verfolgen die Teilnehmer eines vom Wissenschaftsjournalisten John Bohannon (GonzoLabs) und dem Fachmagazin Science initiierten Wettbewerbs.

"Dance Your PhD" - "Tanze Deine Doktorarbeit", dazu fordert die Redaktion junge Wissenschaftler seit 2008 jedes Jahr aufs Neue auf. Und die Resonanz war auch diesmal wieder groß. 55 Videos wurden eingesandt, eine Jury aus Gewinnern der vorherigen Wettbewerbe traf eine Vorauswahl von 16 Beiträgen.

Aus diesen suchten Forscher der Harvard University und des Massachusetts Institute of Technology im amerikanischen Cambridge, der Boston University sowie Mitglieder der Tanzgruppe Pilobus aus Washington DC die Sieger aus.

Die Leistung der Doktoranden besteht darin, ihre meist extrem komplizierten Thesen zu tanzen oder zumindest in irgendeiner Form von Bewegung darzustellen - ohne Worte oder Powerpoint-Illustrationen, aber dafür gern unterstützt von mittanzenden Kolleginnen und Kollegen.

Und das ist eine echte Herausforderung, wie schon die Titel der Doktorarbeiten belegen: So heißt der Siegerfilm 2011: "Microstructure-Property relationships in Ti2448 components produced by Selective Laser Melting". Es geht um den Einsatz von Lasern, um Titanlegierungen herzustellen, die stark und zugleich flexibel genug sind, um haltbare künstliche Hüftgelenke herzustellen. Und, so viel verrät der Sieger Joel Miller in einer Erweiterung des Titels, es geht um "A Love Story".

Miller, Biomedizin-Ingenieur an der University of Western Australia in Perth, ist Hauptsieger und besetzt zugleich den ersten Platz in der Kategorie Physik. Weitere Preise wurden vergeben in den Kategorien Biologie (Smell mediated response to relatedness of potential mates), Chemie (The Holy Grail to X-ray crystal structure of human protein phosphatase) und Sozialwissenschaften (A Study of Social Interactivity Using Pigeon Courtship)

Der Sieger aus Australien erhält 1000 Dollar und wird im November auf der TEDxBrüssel-Konferenz, einem Treffen von Wissenschaftlern, Künstlern und Unternehmern, von der auch die Gewinnerprämien stammen, zum Sieger gekürt.

Besonders außergewöhnlich sei, betonte die Redaktion von Science, dass Miller den "Tanz" gar nicht filmte, sondern das Video aus einer Serie von 2200 Fotos als "Stop-Motion-Animation" hergestellt hat - aus dem einfachen Grund, dass er keine Videokamera hatte. Die Technik erlaubte ihm, als "Titanium Man" sogar vom Boden abzuheben.

Einziger Makel des Films: Miller lässt den Zuschauer hin und wieder Erklärungen lesen, während doch der Tanz für sich sprechen sollte. Das aber ist, wie alle Filme zeigen, extrem schwierig. Wer nicht schon weiß, worum es geht, dürfte das in keinem einzigen Fall nur anhand der Bilder verstehen.

Die Veranstalter sind trotzdem zufrieden - ihnen reicht es, wenn der Tanz auf der These basiert und der Doktorand selbst mitmacht. Und das ganze dann auch noch gut aussieht. Und das tut es.

Die drei weiteren Sieger erhalten immerhin noch jeweils 500 Dollar, viel Aufmerksamkeit und vielleicht ein wenig Ruhm und Ehre. Und sie hatten, wie alle Teilnehmer, mit Sicherheit eine Menge Spaß. Das zumindest sieht man allen Beiträgen an.

(Weitere Teilnehmer-Viedos hier)