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Fledermäuse:So gelingt der Höhenflug

Europäische Bulldoggfledermaus (Tadarida teniotis).

(Foto: Teague O'Mara)

Europäische Bulldoggfledermäuse fliegen teils mehr als 1000 Meter hoch. Biologen haben sie dabei beobachtet - und rasante Geschwindigkeiten gemessen.

Von Christoph von Eichhorn

Dass viele Fledermäuse schwindelerregende Höhen erklimmen, wussten Forscher bereits. Viele Arten fliegen in Hunderten oder gar Tausenden Metern über dem Boden. Allerdings sind die nachtaktiven Räuber im Vergleich zu Vögeln, die am Tag ihre Bahnen ziehen, im Nachteil: Nachts ist die Thermik weitaus schwächer, die etwa Möwen geschmeidig unter die Flügel greift. Im Fachblatt Current Biology lüften Forscher nun das Geheimnis des Fledermausflugs. Demnach nutzen die Tiere sehr geschickt die Form der Landschaft aus, um Vertikalwinde nach oben zu erwischen.

Die Wissenschaftler um Teague O'Mara von der Southeastern Louisiana University und vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell statteten dazu acht Europäische Bulldoggfledermäuse im Nordosten Portugals mit GPS-Empfängern aus, um ihre Flüge zu überwachen. Meist zog es die Bulldoggfledermäuse, die zu den größten Fledermäusen Europas zählen, in Höhen um die 600 Meter. Ein Tier stieg sogar bis auf 1680 Meter über dem Boden auf. Anhand des Höhenprofils der recht zerklüfteten Landschaft ließ sich erkennen, dass die Aufstiege ihren Ausgang meist unten im Tal an steil aufsteigenden Hängen nahmen. Dort lenkt die Form des Gebirges den Wind nach oben ab, und die Fledermäuse bekommen quasi einen Lift, der ihren Aufstieg zumindest erleichtert. Das ist für die Tiere enorm wichtig, um Energie für die eigentliche Jagd zu sparen.

Warum einzelne Fledermäuse aber so hoch hinaus wollen - in den USA erreichen Verwandte der Bulldoggfledermäuse sogar 3000 Meter - bleibt dennoch ein gewisses Rätsel. Denn ihre Beute, die zumeist aus Motten besteht, bewegt sich in der Regel in Schwärmen in nur einigen 100 Metern über dem Boden. Möglicherweise nutzen die Fledermäuse die großen Höhen zur Orientierung, etwa an bekannten Punkten am Boden oder in der Ferne. Denn Fledermäuse müssen häufig Dutzende Kilometer bis zum nächsten Jagdgebiet zurücklegen. Dabei hilft ihnen auch ihre hohe Fluggeschwindigkeit, die von den Biologen ebenfalls gestoppt wurde. Demnach sind Europäische Bulldoggfledermäuse bis zu 135 Kilometer pro Stunde schnell, und zwar nicht im Sturzflug, sondern auf gerader Strecke.

© SZ/cvei
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