Fischfang Im Schlaraffenland der Schleppnetz-Fischer

Schleppnetz-Fischerei auf einem Krabbenkutter in der Nordsee.

(Foto: dpa)
  • Die Schleppnetzfischerei auf dem Meeresgrund schädigt das marine Ökosystem.
  • Welcher Anteil des Ozeanbodens derart befischt wird, war jedoch bislang unklar.
  • Einer neuen Analyse zufolge wird das Ausmaß dieser Fischereiform überschätzt. Doch die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen sind beträchtlich.
Von Sebastian Kirschner

Einen ganzen Wald abholzen, um Pilze zu sammeln: So oder so ähnlich könnte man die Schleppnetzfischerei auf dem Meeresgrund umschreiben. Bei dieser Methode ziehen spezielle Schiffe, sogenannte Trawler, ihre Netze bis in Tiefen von 1000 Metern vor den Küsten über den Meeresboden. Unter Wissenschaftlern herrscht Einigkeit darüber, dass diese Fangform schlecht für das Ökosystem im Meer ist.

Forscher berichten im Fachmagazin PNAS nun erstmals, wie viel Ozeanboden genau überhaupt auf diese Weise befischt wird. Demnach wird das Ausmaß "oft substanziell überschätzt", resümieren die Autoren in der von der Fischerei-Industrie unterstützten Studie. Durchschnittlich würden 14 Prozent des küstennahen Ozeanbodens mithilfe der Netze befangen.

Zu diesem Ergebnis kommen die Forscher nach der Analyse von 24 Meeresregionen vor Europa, Afrika, Amerika und Australien. Mithilfe eines bis zu drei Quadratkilometer großen Kartenrasters erfassten sie die Schleppnetzfischerei eigenen Angaben zufolge in nie dagewesener Genauigkeit. Bisherige Studien basierten auf Rastern von 1000 oder mehr Quadratkilometern.

In der Adria sind Schleppnetze besonders verbreitet

Alles also halb so schlimm mit der Schleppnetzfischerei? Wohl kaum, denn die wesentlichen Ergebnisse der Studie stecken in den Details: Die 14 Prozent bilden den Durchschnitt aus den Ergebnissen der untersuchten Regionen.

Die Einzelbefunde aber schwanken stark. Sie reichen von 0,4 Prozent befangener Fläche im Süden Chiles bis zu über 80 Prozent in der Adria, der am stärksten befischten Region der Untersuchung. Auch in Nord- und Ostsee liegen die Werte mit 52 und 36 Prozent deutlich über dem Durchschnitt.

Zugleich schränken die Autoren ein: Manche Regionen, darunter etwa Südostasien, berücksichtigt ihre Analyse gar nicht. Zwar sei bekannt, dass dort Schleppnetzfischerei eine große Rolle spiele, aber detaillierte Daten dieser Gegenden seien nicht verfügbar gewesen.

Fast ein Viertel des weltweiten Fangs ­- etwa 19 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte - stammen aus der Fischerei mit Schleppnetzen. Damit gehen beispielsweise Seezungen, Schollen oder Garnelen ins Netz. Kritiker warnen, dass dieses Verfahren den Meeresboden zerstört und viele der dort heimischen Lebewesen vernichtet.