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Esoterik an deutschen Hochschulen:Das berühmte Scheunenexperiment

Überprüfbar sind jedoch die Argumente der Wünschelrutengänger - und ihre angeblichen Erfolge. "Wäre der Rutenausschlag eine Fiktion, wie einige behaupten, so wäre sie längst aufgegeben worden", behauptet Brönnle auf seiner Homepage. "Denn allein durch Versuch und Irrtum hätte man wohl kaum über Jahrhunderte Wasseradern zur Brunnenbohrung oder Erzgänge finden können." Dann verweist er insbesondere auf das Buch De re metallica des berühmten Bergbauexperten und Vaters der Mineralogie, Georgius Agricola (1495-1555).

In seinem Buch stellte Agricola allerdings vor fast 500 Jahren bereits fest: " ... so ergibt sich notgedrungen, dass die Handhabung die Ursache für die Bewegung der Rute ist." Der einfache Bergmann glaube jedoch deshalb an die Brauchbarkeit der Wünschelrute, weil die Rutengänger manchmal Gänge durch Zufall fänden, schreibt er. "Aber viel öfter wenden sie die Mühe vergeblich aus ..." ( De re metallica, Libri XII, Basel 1556).

Das verschweigt Brönnle allerdings lieber, und bezieht sich stattdessen auf eine alte Studie von Professor Herbert König von der Technischen Universität München. Der sei "in seiner Untersuchung im Auftrage des Bundesforschungsministeriums durch Doppelblindversuche mit künstlichen Magnetfeldern und Wasserleitungen zu dem Schluss" gekommen, "dass der Ausschlag einer Wünschelrute bei einem Radiästheten mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9999 % nicht als Zufall anzusehen ist".

Tatsächlich hatte die Bundesregierung in den achtziger Jahren eine Studie finanziert, die sich ursprünglich mit Erdstrahlen und Krebserkrankungen beschäftigen sollte. Die mit der Untersuchung beauftragten Münchner Physikprofessoren Herbert König von der TU und Hans-Dieter Betz von der LMU beschlossen jedoch, zuerst einmal zu überprüfen, ob Rutengänger eine Strahlung aus der Erde überhaupt feststellen können.

Nicht wiederholbare Ergebnisse

In Versuchen mit mehreren hundert Rutengängern auf Teststrecken im Freiland stellten sie 1989 fest: "dass der Anspruch, durchschnittlich ausgebildete Rutengänger könnten nach eindeutigen Kriterien bestimmte Orte identifizieren, in das Reich des Wunschdenkens verwiesen werden muss".

Dann aber unternahmen sie ihr berühmtes " Scheunenexperiment", bei dem Rutengänger vom ersten Stock einer Holzhütte aus Wasserleitungen im Stockwerk darunter aufspüren sollten. Die Leitungen wurden zufallsgesteuert verschoben. Dabei stellten die Forscher fest: "Die durchschnittliche Trefferwahrscheinlichkeit muss als gering eingestuft werden".

Einige der Rutengänger aber orteten Wasser zwar nicht so häufig, wie sie selbst vorhergesagt hatten. Doch immerhin lagen sie so oft richtig, "dass die Existenz des Phänomens rutengängerischer Ortserkennung im statistischen Sinn mit hoher Signifikanz nachgewiesen werden konnte".

Die Ergebnisse ließen sich in späteren Versuchen allerdings nicht wiederholen. Und 1995 überprüfte James Thomas Enright, Experte für Biorhythmen und Biosensorik an der University of California in San Diego die Daten der Münchner Physiker. Sein Ergebnis: Selbst die besonders erfolgreichen Rutengänger hatten im Scheunenexperiment doch nur zufällig getroffen.

Das aber hindert Hans-Dieter Betz, der in München Atomphysik lehrte, nicht, weiterhin an seiner Überzeugung festzuhalten. Er verweist, wie viele Esoteriker, zur Erklärung auf quantenphysikalische Phänomene: "Wir haben hier beim Rutengänger offensichtlich ein makroskopisches System, wo auch eine noch unerklärte Informationskopplung, Informationskorrelation vorliegt", sagte er noch 2005 in Arte.